Irrungen und Wirrungen bei den SPD-Frauen

Irrungen und Wirrungen bei den SPD-FrauenDresden, 10. Oktober 2018. Von Thomas Beier. In Sachsen ist politisch und gesellschaftlich nichts los – und so verharren die Damen der "Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen in der SPD Sachsen" noch im Sommerloch. Anders ist die Pressemitteilung, die sie am 7. September 2018 in die Welt hinaus gepostet haben, nicht zu erklären.
Symbolfoto: Frauen in feindlicher Umgebung

Der Sächsische Landtag ist kein Ponyhof

Unter der zur Zugriffs- bzw. Auflagensteigerung (Danke!) geeigneten Überschrift "Wir nehmen das nicht hin – Sexismus hat im Landtag nichts zu suchen" schildern die Sozialdemokratinnen, eine Gruppe weiblicher Abgeordneter der Fraktionen von SPD, GRÜNEN und LINKEN habe sich in einem Brief an den Landtagspräsidenten Dr. Matthias Rößler gewandt. Grund: Der Beginn der Rede des CDU-Fraktionsvorsitzenden Frank Kupfer in der Landtagsdebatte vom 16. August 23018 über die Einbringung des Doppelhaushaltes 2019/2020. Wie auch im Protokoll dokumentiert sei, habe Kupfer mit Blick auf die Vorrednerin Verena Meiwald, finanzpolitische Sprecherin der Linksfraktion, gesagt: "Frau Kollegin Meiwald, hübsches Kleid! Das war aber das einzig Positive an Ihrer Rede – leider."

Diese Worte waren für Laura Stellbrink, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen Sachsen, Grund genug, die Dicke Bertha (für Bildungslückeninhaber) aufzufahren: Sie sprach von "sexistischen Aussagen" und der "Herabwürdigung der Frau", wörtlich: "Ich begrüße, dass auch unsere Abgeordneten Juliane Pfeil-Zabel (SPD) und Simone Lang (SPD) den Brief unterzeichnet haben. Es braucht ein breites Bündnis, über Parteigrenzen hinweg, die sich gegen sexistische Aussagen und die Herabwürdigung der Frau positionieren. Wir stehen als Frauen noch immer einer Welt gegenüber, in der wir den Männern nicht gleichgestellt sind. Solche Aussagen gehören zur Manifestation der männlichen Ordnung dazu, und sind daher nicht als Kleinigkeiten abzutun."

Einmal beim Schießen, geriet auch der Landtagspräsident selbst ins Visier: "Die Reaktion des Landtagspräsidenten war fast so unangemessen, wie die Aussage selbst. Er hatte dafür lediglich ein süffisantes Lächeln übrig. Es ist nicht nachvollziehbar, warum er von seinen Ordnungsmitteln keinen Gebrauch gemacht hat. Die Aussage des Abgeordneten Herrn Kupfer war unangemessen, bewusst sexistisch und herabwürdigend. Das sollte entsprechend geahndet und nicht toleriert werden, egal aus welcher Partei die beteiligten Männer kommen."

Ob die Solidaritätsbekundung mit der Frau von den Linken tiefere Ursachen hat? Immerhin spricht Stellbrink als Beisitzerin der Jusos im Unterbezirk Chemnitz von einer "Sozialdemokratie, die sich zum demokratischen Sozialismus bekennt und dafür stark macht". Wir erinnern uns: Die Partei des demokratischen Sozialismus (PDS) war Häutungsstation der Diktaturpartei SED auf dem Weg zur heutigen Linken.

Armer Mann, was nun?

Wie auch immer, derlei harsche Worte verunsichern den auf Gleichstellung, also auf Gleichberechtigung und Gleichverpflichtung bedachten Mann, weshalb ich mich im Freundeskreis unter der Sozialdemokratie nahestehenden Frauen rückversichert habe: Sind Kupfers Worte tatsächlich sexistisch? Einzige Reaktion: Sowohl verbal wie motorisch wurde mir ein Vogel gezeigt, was meine Auffassung bestärkt, dass "Sexismus" hier nur herbeigeredet wird, um für unangemessene Aufmerksamkeit zu sorgen. Was CDU-Mann Kupfer abgelassen hat, gehört zu den Frotzeleien, wie sie ein Parlamentarier, auch ein weiblicher, ertragen muss – in den nicht sparsamen Diäten ist das Schmerzensgeld dafür inklusive.

Hätte der Redner gesagt: "Frau Kollegin Meiwald, hübscher Po! Das war aber das einzig Positive an Ihrer Rede – leider", ja dann wäre das Sexismus pur und laut zu kritisieren. Hat er aber nicht. Wie verunsichert müssen Frauen sein, wenn sie beim Lob eines hübschen Kleides – auch in Relation zu einem Redeinhalt – von Sexismus, noch dazu bewusstem, sprechen? Wäre der Aufschrei auch so laut gewesen, wenn eine Rednerin gesagt hätte: "Herr Kollege Kupfer, hübscher Anzug! Das war aber das einzig Positive an Ihrer Rede – leider"? Praktizierte Gleichstellung bedeutet nun mal auf vielen Gebieten den Verlust der Sonderrolle als benachteiligtes Geschlecht.

Vermeide die Falle!

Der Görlitzer Anzeiger hat das Stellenbrink-Statement zum Anlass genommen, eine Auswahl der gefährlichsten Sexismus-Fallen aufzulisten:
  • schicke Klamotten loben (siehe oben)
  • in den Mantel helfen ("Glauben Sie etwa, ich als Frau kann das nicht allein?")
  • dito Tür aufhalten, Tasche abnehmen
  • anlächeln
  • auf einen Kaffee einladen
  • einen unangemessenen Smalltalk über das Wetter beginnen ("Bei diesem Wetter möchte man am liebsten im Bett bleiben!") etc. pp.

Absolutes No Go: Körperliche Vorzüge erwähnen wie "Haben Sie aber lange Beine!" (das ist so auf einem Level mit den Frauenworten "Haben Sie aber breite Schultern!").

Ernsthaft:
Ist Sexismus gegenüber Männern gleichzusetzen mit der Diskriminierung von Frauen?

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Ergebnis: Gleichstellung in Deutschland

ist erreicht (35.2%)
 
Frauen dominieren (31.5%)
 
Männer dominieren (33.3%)
 
Nichtrepräsentative Umfrage
Umfrage seit dem 10.09.2018
Teilnahme: 54 Stimmen
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  • Quelle: ted / Thomas Beier | Foto: Hermann / Hermann Traub, Pixabay, Lizenz CC0 Public Domain
  • Zuletzt geändert am 10.09.2018 - 07:19 Uhr
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