Veränderungen am Görlitzer Rathausturm

Veränderungen am Görlitzer RathausturmGörlitz, 1. April 2014. Die Görlitzer Volksvertreter sind sich der Symbolkraft der Architektur anscheinend doch wohl bewusst. Vorgesehene Umbauten am altehrwürdigen Rathausturm zeugen davon. Wegen der klammen Stadtkasse sollen die Veränderungen allerdings allein durch Wegnahmen realisiert werden. Konkret betroffen sind die Spitze des Rathausturms und das Krieger-Face inmitten des Ziffernblatts der Turmuhr.

Versumpft jetzt auch noch der Berzdorfer See?

Versumpft jetzt auch noch der Berzdorfer See?

Der Görlitzer Turmuhr-Krieger: Symbol des Wutbürgers?

Nachdem der Görlitzer Stadtrat Beschlüsse in größter Einvernehmlichkeit durchzuwinken pflegt, ist man um so empfindlicher gegenüber Spitzen aller Art geworden. Dass Spitzen und Sticheleien hier nicht gewünscht sind, soll nun allen Bürgern demonstrativ gezeigt werden, indem der Rathausturm am Untermarkt von seiner Spitze befreit wird. "So sehen auch Investoren, dass hier alles glatt abläuft", hieß es. Und Investoren seien bitter nötig, damit sich nicht auch noch der Berzdorfer See in einen Sumpf verwandelt. Gerade nach einer möglichen Umbenennung in "Görlitzer See" sei die Gefahr besonders groß.

Krieg dem Krieger!

Wie gemunkelt wird, ist besonders einem einzelnen Stadtverordneten das Kriegergesicht im Ziffernblatt der Turmuhr am Rathaus ein Ärgernis: "Ich fühle mich persönlich angegriffen, weil mir der Typ stündlich die Zunge rausstreckt." In der Öffentlichkeit werde so der Eindruck vermittelt, man sei nicht ganz koscher. Inzwischen ist Strafanzeige gestellt und der Staatsanwalt soll klären, ob das öffentliche Zeigen des Geschmacksorgans die Einzelperson oder eine Institution als Ganzes beleidigt.

Augen verdrehen ist auch Kommunikation


Die Initiative wird von Claqueuren unterschiedlicher Provenance unterstützt. Sie verweisen drauf, dass auch das mit dem Herausstrecken der Zunge verbundene Verdrehen der Augen ein stündliche Wertung der Stadtpolitik sei.

Aber es gibt auch Gegenstimmen, die die Kommunikationskraft des Kriegers der Uhr steigern wollen, indem dieser einem Muezzin gleich stündlich "Oh mein Gott!" ruft: "Vielleicht hilft das den Akteuren, sich auf ihren Daseinszweck zu besinnen und ihre Ergüsse mit Sinn zu füllen."

Der Turmuhr-Krieger wird immer öfter als Symbol des fachsprachlich sogenannten Wutbürgers interpretiert. Man darf gespannt sein, welche Kräfte sich nach der Kommunalwahl im Mai 2014 durchsetzen. Am schlimmsten wäre wohl, wenn sich gar nichts ändert.

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  • Quelle: red | Fotos: © Görlitzer Anzeiger
  • Zuletzt geändert am 01.04.2014 - 08:57 Uhr
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