Museum Bautzen zeigt Christbaumschmuck aus Böhmen

Museum Bautzen zeigt Christbaumschmuck aus BöhmenBautzen / Budyšín. Die diesjährige Weihnachtsausstellung des Museums Bautzen / Muzej Budyšin widmet sich einem Schatz, der die meiste Zeit des Jahres verborgen in Schachteln und Kisten lagert: Dem Christbaumschmuck. Eröffnet wird die Sonderausstellung „Christbaumschmuck aus Gablonz an der Neiße (Jablonec nad Nisou) und Königinhof an der Elbe (Dvůr Králové nad Labem) - Sammlung Waltraud Neuwirth, Wien“ am Sonntag, dem 29. November 2009. Ausstellungsbeginn ist bereits am Sonnabend, dem 28. November 2009, um 15 Uhr mit einem Familiennachmittag. Ausstellungsende ist am 28. Februar 2010.

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Wiener Kunsthistorikern zeigt ihreSammlung

Wiener Kunsthistorikern zeigt ihreSammlung

Die Wiener Kunsthistorikerin Dr. Waltraud Neuwirth zeigt ihre Sammlung böhmischen Christbaumschmucks.

Gezeigt werden zwei Arten des böhmischen Glasschmucks, der in den Gebieten von Gablonz an der Elbe und Königinhof an der Elbe seit dem 19. Jahrhundert entstand und noch heute angefertigt wird.

Hohlformen und Glasperlen

Zum einen gibt es die großen, zerbrechlichen Hohlformen, zum anderen die kleinen Glasperlen, -ringe und -stifte. Erstere bilden einfache Formen, wie Kugeln, Zapfen und Spindeln, oder spezielle Hohlkörper, beispielsweise für Fische, Vögel oder Weihnachtsmänner. Einige der Glaskugeln sind an einer Seite zum Mittelpunkt der Kugel hin eingedrückt. Die dabei entstandene Wölbung bietet Raum für zusätzliche Reliefs, wie Weihnachtsmänner, Schornsteinfeger, beschirmte Hunde oder den Fuchs mit der gestohlenen Gans. Die Perlen, Ringe und Stifte der zweiten Gruppe werden durch Draht miteinander verbunden, so dass verschiedenste Gebilde entstehen.

Unendliche Motiv-Vielfalt

Für beide Gruppen scheint die Fülle der Motive unerschöpflich. Tiere gehören beispielsweise dazu: farbenprächtige Fische und Vögel, filigrane Schmetterlinge, aber auch Spinnen oder gar Skorpione. Es gibt kleine Taschen und Körbchen, die mit Früchten, Pilzen, Flaschen oder Gegenständen des täglichen Bedarfs befüllt sind. Technische Errungenschaften, wie Flugzeuge, Fahrräder und Roller, sind ebenfalls zu entdecken. Figuren bilden einen weiteren Motivkreis. Darunter sind kleine Figürchen, die im Raum zu tanzen scheinen und mit ihren beweglichen Gliedern wie Marionetten am Draht schweben. Der Stern als klassischer Schmuck des Weihnachtsbaumes findet sich in zahlreichen Varianten wieder. Oft sind die gläsernen Gebilde zusätzlich mit Folien, Papierbildchen, Lametta, leonischem Draht, Chenille, Watte, Holz und Masse verziert oder mit phosphoreszierendem Material gefüllt. Der Farbigkeit sind ebenfalls keine Grenzen gesetzt. Gold, Silber und Weiß als bevorzugte und klassische Farben des Christbaumschmucks gehören natürlich zum Repertoire der böhmischen Glasmacher, aber auch kräftig leuchtende oder matt schimmernde Rot-, Blau-, Grün- und Orangetöne sind vertreten. Die Vielfalt und die Möglichkeiten der farbigen Gestaltung machen verschiedene Musterkarten in der Ausstellung sichtbar.

Gablonzer Christbaumschmuck

Der Christbaumschmuck aus Glasperlen ist vor allem im Gebiet um Gablonz an der Neiße angesiedelt, die großen Hohlformen findet man ebenfalls dort, besonders aber im Raum von Königinhof an der Elbe. Den Schwerpunkt der Ausstellung bildet der so genannte „Gablonzer Christbaumschmuck“, der vorwiegend im Gablonzer Bezirk entstand. Die einzelnen Exponate sind schwierig zu datieren, doch liegt der Ursprung der Herstellung bereits im 19. Jahrhundert. Der zeitliche Rahmen, der ausgestellten Exponate umspannt mehr oder weniger das gesamte 20. Jahrhundert. Die ältesten Stücke sind aus Silber- und Atlasperlen, die jüngsten geben als Halbfabrikate einen Einblick in die Herstellungstechnik und kommen aus Ponikla (Poniklá) in Nordböhmen, von der Firma Rautis.

Die Sammlerin

Die Wiener Kunsthistorikerin Dr. Waltraud Neuwirth widmet sich seit langem dem böhmischen Christbaumschmuck und stellt im Museum Bautzen den größten Teil ihrer Sammlung vor. Diese umfasst mehrere tausend Objekte und war Grundlage mehrerer Publikationen.

Neuwirth, geboren 1941 in Wien, studierte an der Universität Wien Kunstgeschichte und Klassische Archäologie. Ihr Auslandsstudium am Centre Médiéval in Poitiers, Frankreich, beendete sie mit einer Dissertation zur romanischen Buchmalerei Westfrankreichs. Von 1968 bis 2002 war Waltraud Neuwirth am Österreichischen Museum für angewandte Kunst in Wien tätig (Leiterin der Sammlungen Glas und Keramik).
Ihre wissenschaftlichen Forschungen erschienen seit 1976 zum Großteil im Selbstverlag. Neben Beiträgen in verschiedenen Fachzeitschriften publizierte sie mehr als fünfzig Bücher, so zu Wiener und Meißner Porzellan, Markenlexika, Punzierung von Wiener Silber, Glas und Keramik des Jugendstils, Wiener Keramik, zur Wiener Werkstätte, zu Glasperlen und Glas-Christbaumschmuck.



Begleitprogramm

Umrahmt wird die Ausstellung von einem abwechslungsreichen Begleitprogramm mit Puppenspiel, Handwerksvorführungen und der Möglichkeit unter Anleitung selbst kleine Kunstwerke für den Weihnachtsbaum zu gestalten.

Puppenspiel „Der verbotene Schmuck“
Passend zum Thema der Ausstellung gibt es auch in diesem Jahr wieder ein Puppenspiel. Es trägt den Titel „Der verbotene Schmuck“. Ulrich Schollmeyer, Museumspädagoge im Museum Bautzen, hat es sich ausgedacht, in Verse gebracht, Kulissen und Requisiten gebaut und führt es, wie immer, selbst auf. Ausgangspunkt der teilweise recht dramatischen Handlung ist eine Anweisung des Königs, dass im ganzen Land weit und breit kein Schmuck mehr getragen werden darf. Wieso es dazu kam, ob sich die Leute das gefallen lassen, wie sich die zuständigen Beamten aufführen und wie die Schmuck- und Glasgegenstände selbst darauf reagieren, wird in 45 Minuten spielerisch erzählt. Der Verlauf ist natürlich wieder mit witzigen Reimen, Liedern und einigen Weisheiten gespickt, spielt doch auch ein philosophisch angehauchter alter Glasbläser eine nicht unwesentliche Rolle. Auch der Kasper ist wieder mit von der Partie, diesmal aber nur in einer kleinen Nebenrolle. Aber da sind noch genügend andere: neben jeder Menge Schmuckgegenstände natürlich die Königin, die Prinzessin, der Leibarzt, ein Punker, ein Zweckist. Sie wissen nicht, was ein Zweckist ist? Ein Grund mehr, sich das Stück anzuschauen. Es ist für Erwachsene und Kinder, ab etwa acht Jahre, gedacht und wird an den veröffentlichten Terminen gespielt, kann aber für Gruppen auch extra gebucht werden.

Seltenes Handwerk
Einen Höhepunkt des Begleitprogramms bilden sicher die beiden Handwerksvorführungen der Firma Rautis aus dem tschechischen Poniklá. Dort stellen noch heute rund zwanzig Mitarbeiter Glasperlen und Christbaumschmuck in alter Tradition her. Einige von ihnen zeigen im Museum wie die Perlen aus Glas entstehen und wie daraus komplizierte Motive per Hand zusammenmontiert werden. Die Vorführungen finden am Sonnabend, dem 5. Dezember 2009, und am Sonntag, dem 17. Januar 2010, jeweils zwischen 10.00 und 17.00 Uhr im Museum statt.

Museum kreativ
Wer Lust hat, selbst einen Stern aus Perlen der Firma Rautis anzufertigen, den erwarten an den veröffentlichten Terminen die Mitarbeiter des Museums. Zudem gibt es mehrmals die Gelegenheit mit der Textilgestalterin Liane Schiemann (Bautzen) Kreatives aus Glasperlen und Wollvlies zu erschaffen. Dabei entstehen aus farbiger Schafwolle im Nassfilzverfahren Sterne, Glöckchen und andere Formen, welche anschließend mit einzelnen Glasperlen besticken werden. Unter anderem kann an den Donnerstagen, ab dem späten Nachmittag bis in den Abend hinein gebastelt werden. In der Vorweihnachtszeit ist das eine gute Gelegenheit, um noch selbst gemachte Geschenke für Weihnachten anzufertigen.


Termineleiste

Sonnabend, 28. November 2009, 15.00 Uhr
Familiennachmittag mit dem Puppenspiel: „Der verbotene Schmuck“ von und mit Ulrich Schollmeyer. Im Anschluss besteht die Gelegenheit, geführt von Frau Dr. Waltraud Neuwirth, die Ausstellung anzusehen. Kinder können mit einem Suchspiel auf Entdeckung gehen und kleine Preise, gestiftet von der Sammlerin, gewinnen.

Sonntag, 29. November 2009, 15.00 Uhr
Eröffnung mit Christian Schramm, Oberbürgermeister der Stadt Bautzen, JUDr. Ing. Lukáš Pleticha, 1. Stellvertreter des Oberbürgermeisters der Bautzener Partnerstadt Jablonec nad Nisou, und Dr. Waltraud Neuwirth, Wien, Kunsthistorikerin

Langer Donnerstag, 3. Dezember 2009, 15.00 Uhr
Puppenspiel: „Der verbotene Schmuck“ von und mit Ulrich Schollmeyer

Sonnabend, 5. Dezember 2009, 10.00 – 17.00 Uhr
Seltenes Handwerk: Traditionelles Blasen von Glasperlen und Herstellung komplizierter Schmuckformen, Vorführung der Firma Rautis, Ponikla, Tschechien
Museum kreativ: Ein Stern aus böhmischen Glasperlen, Unkostenbeitrag 1,50 €

Langer Donnerstag, 10. Dezember 2009, 16.30 Uhr
Museum kreativ: Ein Stern aus böhmischen Glasperlen, Unkostenbeitrag 1,50 €

Sonntag, 13. Dezember 2009, 15.00 Uhr
Puppenspiel: „Der verbotene Schmuck“ von und mit Ulrich Schollmeyer

Langer Donnerstag, 17. Dezember 2009, 16.30 Uhr
Museum kreativ: Farbenfrohes aus Glasperlen und Wolle, mit Liane Schiemann, Textilgestalterin im Handwerk, Unkostenbeitrag 1,50 €

Sonntag, 20. Dezember 2009, 14.00 – 17.00 Uhr
Museum kreativ: Farbenfrohes aus Glasperlen und Wolle, mit Liane Schiemann, Textilgestalterin im Handwerk, Unkostenbeitrag 1,50 €

Langer Donnerstag, 7. Januar 2010, 16.30 – 19.00 Uhr
Museum kreativ: Ein Stern aus böhmischen Glasperlen, Unkostenbeitrag 1,50 €

Sonntag, 10. Januar 2010, 15.00 Uhr
Puppenspiel: „Der verbotene Schmuck“ von und mit Ulrich Schollmeyer

Langer Donnerstag, 14. Januar 2010, 16.30 – 19.00 Uhr
Museum kreativ: Farbenfrohes aus Glasperlen und Wolle, mit Liane Schiemann, Textilgestalterin im Handwerk, Unkostenbeitrag 1,50 €

Sonntag, 17. Januar 2010, 10.00 – 17.00 Uhr
Seltenes Handwerk: Traditionelles Blasen von Glasperlen und Herstellung komplizierter Schmuckformen, Vorführung der Firma Rautis, Ponikla, Tschechien
Museum kreativ: Ein Stern aus böhmischen Glasperlen, Unkostenbeitrag 1,50 €

Langer Donnerstag, 21. Januar 2010, 16.30 – 19.00 Uhr
Museum kreativ: Farbenfrohes aus Glasperlen und Wolle, mit Liane Schiemann, Textilgestalterin im Handwerk, Unkostenbeitrag 1,50 €

Sonntag, 24. Januar 2010, 14.00 – 17.00 Uhr
Museum kreativ: Farbenfrohes aus Glasperlen und Wolle, mit Liane Schiemann, Textilgestalterin im Handwerk, Unkostenbeitrag 1,50 €

Langer Donnerstag, 28. Januar 2010, 16.30 – 19.00 Uhr
Museum kreativ: Ein Stern aus böhmischen Glasperlen, Unkostenbeitrag 1,50 €

Sonntag, 31. Januar 2010, 15.00 Uhr
Puppenspiel: „Der verbotene Schmuck“ von und mit Ulrich Schollmeyer

Langer Donnerstag, 4. Februar 2010, 16.30 – 19.00 Uhr
Museum kreativ: Ein Stern aus böhmischen Glasperlen, Unkostenbeitrag 1,50 €

Sonntag, 7. Februar 2010, 14.00 – 17.00 Uhr
Museum kreativ: Farbenfrohes aus Glasperlen und Wolle, mit Liane Schiemann, Textilgestalterin im Handwerk, Unkostenbeitrag 1,50 €

Sonntag, 14. Februar 2010, 15.00 Uhr
Puppenspiel: „Der verbotene Schmuck“ von und mit Ulrich Schollmeyer

Sonntag, 28. Februar 2010, 15.00 Uhr
Letzter Ausstellungstag: Familiennachmittag mit Puppenspiel „Der verbotene Schmuck“ von und mit Ulrich Schollmeyer

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  • Quelle: /red | Fotos und Grafik: /Stadtverwaltung Bautzen
  • Erstellt am 24.11.2009 - 13:52Uhr | Zuletzt geändert am 24.11.2009 - 15:03Uhr
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