Design – unverzichtbar und spannend

Design – unverzichtbar und spannendGörlitz, 7. September 2021. Von Tina Beier. Ob bewusst eingesetzt oder fast unbemerkt hingenommen: Jeder Mensch ist von Dingen umgeben, die ein Designer entworfen hat. Einer der berühmtesten ist Wilhelm Wagenfeld (1900-1990), der von 1923 bis 1925 am Bauhaus in Weimar studierte. Zu seinen ersten Entwürfen zählen die Tischleuchten WA 24 und WG 24, die schnell hohe Bekanntheit erlangten. 1935 wurde er künstlerischer Leiter der Vereinigten Lausitzer Glaswerke in Weißwasser/O.L. im heutigen Kreis Görlitz.

Abb.: Die beiden von Wilhelm Wagenfeld lizensierten Reedition-Varianten der sogenannten "Wagenfeld-Leuchte" WG 24 (mit Glasfuß) und WA 24 (mit Metallfuß) von tecnolumen®

Foto: Christos Vittoratos, via Wikimedia Commons , Lizenz Attribution-ShareAlike 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0)

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Zur Bedeutung von Design

"Design setzt Inhalt voraus. Design ohne Inhalt ist kein Design, sondern Dekoration", sagt Jeffrey Zeldmann, einer der weltweit führenden Webdesigner. Übersetzt man den Begriff "Design", erkennt man schnell wie umfassend er wirklich ist: Er steht für Entwurf, Gestaltung oder auch Konstruktion – immer geht es darum, etwas zu entwickeln und damit neu zu schaffen. Design ist so gesehen ein Überbegriff, der Entwürfe in jeglicher Form – sei es zeichnerisch, als Modell oder als Beschreibung – umfasst.

Eine große Designerschmiede war das Bauhaus in Weimar und Dessau. Viele berühmte Künstler, Architekten und Designer gingen daraus hervor: Wassily Kandinsky, Ludwig Mies van der Rohe, Paul Klee, Johannes Itten, Lyonel Feininger, László Moholy-Nagy, Oskar Schlemmer und etliche mehr. Am Bauhaus muss bei so vielen hochbegabten Kreativen eine anregende Atmosphäre geherrscht haben – und Inspiration benötigt ein Künstler, auch wenn er oder sie in der Regel konzentriert im eigenen Atelier arbeitet.

Das 1919 gegründete Staatliche Bauhaus zog 1925, finanziell und politisch von der Thüringer Regierung unter Druck gesetzt, von Weimar nach Dessau um, wo es schon 1932 von der dort erfolgreichen NSDAP verboten wurde. Als private Einrichtung nach Berlin verlegt erzwangen die Nazis 1933 die Selbstauflösung mit der Folge, dass viele der Bauhaus-Mitglieder emigrierten und die Bauhaus-Ideen erfolgreich weltweit verbreiteten.

Vor diesem Hintergrund wurde zum hundertjährigen Bauhaus-Jubiläum 2019 die Bauhaus Kooperation Berlin, Dessau und Weimar ins Leben gerufen. Ihre Ziele als gemeinnützige Gesellschaft sind die Kooperation der Bauhaus-Institutionen, die Forschung, die Vermittlung zwischen Kultur und Alltag sowie von Wissen über das Bauhaus, außerdem übergreifend die wissenschaftliche und künstlerische Arbeit im nationalen wie internationalen Kontext.

Wo Design beginnt

Oft genug beginnt Design mit der Angst vor dem weißen Blatt. Diese Stunde Null des kreativen Schaffens ist nicht zu unterschätzen und wohl jeder Künstler hat diesen Moment schon einmal als fürchterlich erleben müssen. Auf Zeit Online ist ein im ZEITmagazin LEBEN erschienener Beitrag von Christiane Wirtz zu finden, der den Umgang der israelischen Künstlerin Penny Hes Yassur mit dem weißen Blatt, das für jeden Anfang eines Schaffensprozesses steht, schildert. Neugier, Erwartungen und immer etwas Angst gehören dazu.

So gesehen steht Design für einen Vorgang voller Überraschungen, wobei zwischen freiem künstlerischen Design und Industriedesign, das sich technologischen Vorgaben und dem Kundengeschmack beugen muss, zu unterscheiden ist. Wird versucht, das Design von Waren – ob nun industriell oder als Einzelstücke hergestellt – mit künstlerischem Design oder einer Gestaltung abseits des Massengeschmacks zu verbinden, wird gern von "Designerprodukten" gesprochen.

Design im Alltag – bezahlbar?

Ganz sicher ist Design im Alltag bezahlbar, denn ausnahmslos jedem Gegenstand muss je nach seiner beansichtigten Verwendung eine Form gegeben werden. Design unterscheidet sich hier vor allem nach gut oder schlecht, weniger nach dem Preis. Der Preis kommt vor allem dann ins Spiel, wenn auf Basis des Designs eine Marke entwickelt wird.

Ein gutes Beispiel für hochwertiges Alltagsdesign ist der weltberühmte Allesi Wasserkessel. Der deutsche Industriedesigner und Professor Richard Sapper – geboren 1932 in München und 2015 in Mailand verstorben – entwarf ihn 1983 für die Firma Alessi. Saupers Produkte zeichnen sich durch eine klare Formensprache aus und entbehren nicht eines gewissen humorvollen Aspektes. Seine Werke finden sich unter anderem im Museum of Modern Art in New York.

Immer höheren Stellenwert nimmt das Design mittlerweile im Outdoor Bereich ein. Die Architektur eines Hauses und wie sich diese auf dem Grundstück fortsetzt, das spiegelt das Selbstverständnis und den Geschmack der Besitzer wieder. So nähern sich Gartenmöbel immer mehr Wohnzimmeransprüchen, sie sollen ästhetisch und funktional zugleich sein. Design Gartenmöbel auf der Terrasse oder im Pavillon werden immer mehr zu Standard. Befeuert wird diese Entwicklung dadurch, dass man sich inzwischen bevorzugt im Freien trifft.

Designer werden

Ein Design-Studium stellt hohe Anforderungen und grundsätzlich gut beraten ist, wer vorher eine Ausbildung absolviert oder wenigstens praktisch gearbeitet hat. Der Bachelor-Studiengang dauert sechs bis acht Semester. Im Anschluss kann ein Masterstudium absolviert werden, das die Konzentration auf ein Fachgebiet erlaubt.

Absolventen steht ein breites Spektrum an Berufsmöglichkeiten offen, vom freischaffenden Designer bis zu Festanstellung. Ganz gleich, welchen Weg man einschlägt: Ein gutes Netzwerk und unternehmerisches Gespür sind wichtig, um auch wirtschaftlich Erfolg zu haben.

Tipps:
    • Auf StudyCheck.de findet man weitere Informationen zum Designstudium und zu den einzelnen Studiengängen wie etwa Produktdesign, Modedesign, Mediendesign und Grafikdesign.
    • Eine Liste der deutschen Hochschulen, die einen Studiengang zum Designer anbieten, verzeichnet das Portal studieren.de.
    • Immer wieder berichtet der Görlitzer Anzeiger aus Münster, wo er dankbare Leser hat. Deshalb sei als Extra-Tipp auf die Münster School of Design (MSD), eine Fachhochschule, verwiesen. Hier werden schon seit 1878 Gestalter ausgebildet – eine gute Grundlage, Tradition und moderne Anforderungen zu verbinden. Die MSD genießt einen sehr guten Ruf und Münster ist eine beliebte Studentenstadt, in der es sich neben dem Studium gut leben lässt.
    • Renommiert in Mitteldeutschland sind die Design-Studiengänge an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle.

Auch Görlitz hat gelegentlich in Sachen zeitgenössischer Kunst etwas zu bieten, etwa das "Neisse Centre for Contemporary Arts" und, um ein weiteres Beispiel zu nennen, das Ideenlabor "Neun Görlitz". Mit Werken von Studenten und Absolventen der Hochschule der Bildenden Künste Dresden (HfBK) wurde von der Stadt Görlitz im Juli 2021 die Görlitzer Art eröffnet, als pandemiebedingt verschobene Folgeveranstaltung der Erstauflage der Jahre 2016/2017, die damals Arbeiten von Studenten der Eugeniusz-Geppert-Akademie der Schönen Künste Breslau (Wrocław) und junger Künstler aus dem Raum Breslau zeigte.

Die Görlitzer Art soll die Begegnung mit Kunst – und damit auch Design – im Alltag ermöglichen. Die Wahrnehmung durch die Betrachter ist dabei höchst unterschiedlich: Mancher zeigt sich begeistert über ungeahnte Objekte, mancher fühlt sich provoziert, mancher bleibt gleichgültig. Vielleicht ist es ja die eigentliche Kunst, künstlerische Arbeit als Kreativprozess mit Inhalten zu verbinden. Das ist in der Kunst wie im Design: Ohne Inhalt ist das Geschaffene wertlos, sondern nur Dekoration.

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  • Quelle: Tina Beier | Foto: Christos Vittoratos, via Wikimedia Commons , Lizenz Attribution-ShareAlike 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0)
  • Erstellt am 07.09.2021 - 07:34Uhr | Zuletzt geändert am 07.09.2021 - 09:03Uhr
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