Kunstprojekt ausgesetzt

Kunstprojekt ausgesetztDresden, 1. Februar 2021. Nicht nur die Corona-Pandemie, auch ganz profane Umstände können Kunstprojekte stoppen. So hat jetzt ein Eigentümerwechsel dazu geführt, dass ein solches Projekt an der früheren Robotron-Kantine im Dresdner Stadtzentrum erst einmal nicht weitergeführt werden kann.

Ein Besuch in Dresden ohne Kunst? Das geht ja gar nicht!

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Kunsthaus Dresden hofft auf Fortführung des Projekts an der Robotron-Kantine

Kunsthaus Dresden hofft auf Fortführung des Projekts an der Robotron-Kantine

Robotron, wo ist das? Ungefähr nach einem Drittel des Bildes, vom linken Rand aus gesehen. "Da weeßte Bescheed", wie der Sachse zu sagen pflegt.

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Die Kantine am Hauptsitz des Robotron-Kombinates, in der DDR u.a. zuständig für Computertechnik und Peripheriegeräte, aber auch im Sinne der Auflagen zur Produktion von Konsumgütern für Unterhaltungselektronik, ist ein bedeutendes Architekturzeugnis der Nachkriegsmoderne. Weil das Gebäude aber leersteht, greift hier Vandalismus immer mehr um sich. Die Zerstörungen sollten durch Kunst aufgehalten werden, wozu das Dresdner Kunsthaus ein Kunstprojekt konzipiert hatte.

Dieses Projekt, genannt "Prelude Nord Ost Süd West", das sich bereits in der Umsetzung befand, ist nun kurzfristig ausgesetzt worden. Hintergrund: Ende Dezember 2020 wurde ein Eigentümerwechsel für das geplante Wohnquartier auf dem ehemaligen Robotron-Betriebsgelände und damit auch für den historischen Pavillonbau der Robotron-Kantine bekannt. Die Holding der Familie Ketterer trennte sich von der Projektentwicklungsgesellschaft Gerchgroup AG, an der ihr knapp die Hälfte der Anteile gehörten. Die Gerchgroup war bis dato die Eigentümerin des Robotron-Areals. Neben Projektentwicklungsarealen in Köln und Düsseldorf übernahm die SN Beteiligungen Holding im Zuge der von allen Beteiligten als friedlich und partnerschaftlich bezeichneten Trennung die zukünftige Entwicklung der "Quartiere am Blüherpark" im Zentrum von Dresden, zu denen auch das Robotron-Gelände gehört.

Dabei waren für das Kunstprojekt bereits alle Leinen festgezurrt: Die Planung wie auch die unabhängige Finanzierung seitens des städtischen Kunsthauses waren bereits seit Mitte 2020 gesichert. Vier Dresdner Künstlerinnen und Künstler sollten die Außenfassade des leerstehenden Gebäudes bespielen. Das Kunsthaus, das bereits seit zwei Jahren mit verschiedenen Partnern an konkreten Plänen für eine kulturelle Nutzung des historischen Gebäudes arbeitet, hofft jetzt auf eine möglichst baldige Wiederaufnahme seines Kunstprojektes in Zusammenarbeit mit der neuen Eigentümerin. Dazu Christiane Mennicke-Schwarz, Leiterin des Kunsthauses Dresden: "Kunst kann Entwicklungen von Gesellschaft beeinflussen. Gerade in diesen für Künstler schwierigen Zeiten geht es darum, präzise und zugleich optimistische Zeichen für eine lebendige Kultur und Gemeinschaft zu setzen. Wir hoffen, dass das Projekt noch im Frühjahr weitergeht."

Annekatrin Klepsch, Dresdner Bürgermeisterin für Kultur und Tourismus, kommentierte die Entwicklung so: "Die Robotron-Kantine ist bauliches Zeugnis der Nachkriegsmoderne in der Dresdner Lingnerstadt, in der zwischen Blüherpark, Hygiene-Museum und zukünftiger Wohnbebauung Zeitschichten aus vier Jahrhunderten aufeinandertreffen. Als Solitär erinnert die sogenannte Kantine an moderne Kunsthallen in anderen Städten und lädt aufgrund ihrer offenen Bauweise nach drei Seiten dazu ein, besucht zu werden. Ein Gebäude, das auch in der zukünftigen Lingnerstadt Ort des Diskurses, der Vermittlung und Reflektion sein kann. Ein Ort, der auf dem Weg zur Neubebauung des Areals zwischen den Zeitschichten sowie im Innen- und Außenraum mit den Mitteln der Kunst experimentell erkundet werden kann, weil er durch Um- und Nichtnutzung unfertig und selbst in Transformation befindlich ist. Die Bespielung der Kantine durch Projekte wie 'Prelude Nord Ost Süd West' und weitere, für 2021/22 geplante internationale Kunstprojekte durch das Kunsthaus Dresden sowie die temporäre Zwischennutzung des Gebäudes durch die Ostrale im Sommer 2021 sind eine große Bereicherung für Dresden."

Das Kunstprojekt "Prelude Nord Ost Süd West" wurde in Trägerschaft des Kunsthauses Dresden sowie in Partnerschaft mit den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden/Kunstfonds, HELLERAU - Europäisches Zentrum der Künste, dem Konglomerat e.V., dem Ostmodern e.V., der Ostrale e.V. und der Galerie Ursula Walther initiiert.

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  • Quelle: red | Fotos: © BeierMedia.de
  • Erstellt am 01.02.2021 - 07:27Uhr | Zuletzt geändert am 01.02.2021 - 08:09Uhr
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