Gelungen: Der MEETINGPOINT MUSIC MESSIAEN

Görlitz-Zgorzelec, 19. Januar 2015. (Von Thomas Beier) Im Süden von Zgorzelec, dem früheren Görlitz-Moys, ist am 15. Januar der MEETINGPOINT MUSIC MESSIAEN nach weniger als einem Jahr Bauzeit eröffnet worden. Wenn der Erfolg gewöhnlich viele Väter hat, sind es in diesem Fall zwei: Der spiritus rector und die über Jahre treibende Kraft Dr. Albrecht Goetze und der Landrat des jetzigen Landkreises Görlitz Bernd Lange. Nachdem Goetze ihm seine Visionen des vor allem durch die Musik völkerverbindenden Meetingpoints auf dem Gelände des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers STALAG VIIIA, in dem der französische Gefangene Olivier Messiaen sein "Quartett auf das Ende der Zeit" (Quatuor pour la fin du temps) komponierte und zur Aufführung brachte, vorgetragen Hatte, cancelte Lange kurzerhand alle weiteren Termine des Tages und nahm gemeinsam mit Goetze das Gelände in Augenschein.

Anzeige

Eine Vision wurde Realität

Thema: Meetingpoint Music Messiaen

Meetingpoint Music Messiaen

Der MEETINGPOINT MUSIC MESSIAEN e.V. will auf beiden Seiten der Lausitzer Neiße die Geschichte des Kriegsgefangenenlagers Stalag VIIIa wieder bewusst machen. Bezugsperson ist der französische Komponisten Olivier Messiaen (1908-1992), der als Kriegsgefangener hier war. Der Meetingpoint organisiert internationale Jugendbegegnungen, musikpädagogische Projekte und erforscht die Geschichte des Lagers.

Zur Eröffnung konnte der charismatische Dr. Goetze aus gesundheitlichen Gründen nicht zugegen sein, aber der Görlitzer Theater-Generalintendant Klaus Arauner, der die Verbindung noch aufrecht erhält, verlas eine Grußbotschaft. Darin freute sich Goetze, dass das Werk nun, acht Jahre nach der ersten der jährlichen weitgehend improvisierten Aufführungen von Messians Quartett am historischen Ort, vollbracht sei. Die Konzerte fanden - wie auch jetzt die Eröffnung des MEETINGPOINT MUSIC MESSIAEN - stets an einem 15. Januar statt, dem Tag der Uraufführung im Jahre 1941.

Funktionales und beeindruckendes Gebäude

Der architektonisch gelungene, 2,5 Millionen Euro teure Bau (Architekt: Christian Weise, Görlitz) vereint Funktionalität, Raumgefühl und vor allem immer wieder Sichten auf das frühere Lagergelände, auf dem zwischen Birken nur noch wenige Fundament- und Bunkerreste zu entdecken sind. Für den Ausblick sorgen die großzügigen Glasflächen der Treppenhäuser. Andererseits erinnern die vertikal versetzten hohen schmalen Fenster der Funktionsräume an die Noten einer Partitur. Insgesamt erscheint der Baukörper größer als erwartet, was aber seiner Funktion, die über einen reinen Aufführungsort hinausgeht, geschuldet ist: Seminar- und Konferenzräume, Multifunktionsräume, ein Archiv und Büros dienen der vielseitigen Nutzbarkeit des Hauses.



Und die muss zum Leben erweckt werden, denn nach der Förderung der Investition, vor allem durch die Europäische Union, müssen - abgesehen von der gesicherten Anfangsfinanzierung - die laufenden Kosten eingespielt werden. Doch diese Herausforderung spielt zur feierlichen Eröffnung keine Rolle. Immerhingeht es aufregend zu, so dass Frank Seibel, der als Präsident des MEETINGPOINT MUSIV MESSIAN e.V. gemeinsam mit Marek Wolanin, Sekretär der Landgemeinde Zgorzelec, die Eröffnung moderierte, noch vor den Grußworten der Honoratioren den renommierten Dr. Kazimierz Wóycicki zu Wort kommen lässt. Dessen Thema: "Das Gestern im Heute. Warum Geschichtsarbeit im deutsch-polnischen Grenzraum so wichtig ist."

Erst dann kam es zu den - sehr persönlich gehaltenen - Grußworten des Marschalls der Woiwodschaft Cezary Przybylski, des sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich, von Vize-Landrat Andrzej Tyc und des Görlitzer Landrats Bernd Lange. Neben weiteren Ansprachen zu Europa und Messiaens Aufenthalt im Görlitzer Lager zeigte Bernhard Kremser eine Licht-Klang-Installation zur "Transfiguration" von Messiaen unter dem Titel "Was ist der Mensch?" Am späten Nachmittag und am Abend folgten eine Autorenlesung und schließlich die Aufführung des "Quartetts auf das Ende der Zeit".

Was kann man vom MEETINGPOINT MUSIC MESSIAEN im Jahr 2015 erwarten?


Im ersten Jahr seines Bestehens wird sich der MEETINGPOINT zum einen dem 70. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs widmen und zum anderen dem Turangalila-Projekt zur Sinfonie von Messiaen.

Beipielsweise werden in "Erinnerung an CrossOver" ältere Polen jungen Deutschen und ältere Deutsche jungen Polen aus der Kriegs- und Nachkriegszeit berichten. Eine Sonderausstellung soll zeigen, wie Deutsche und Polen an der Lausitzer Neiße zu Nachbarn wurden. An Jugendliche richten sich Workcamps, die sich mit desm Lagergelände und Erinnerungsorten befassen. Neben Führungen über das Gelände soll es eine Ausstellung zur "Musik im okkupierten Polen" geben, im Mai mit "Ecco Homo" Video-Arbeiten von Christof Heyduck, geboren 1927 in Breslau.

Das Messiaen-Projekt "Turangalila" wird gemeinsam mit der Neuen Lausitzer Sinfonie realisiert. Das 1946 entstandene Werk spiegelt in seiner übersprudelnden Lebensfreue Messiaens Eindrücke von einer USA-Reise wieder. Aufgeführt werden soll die Sinfonie Ende September 2015 in zwei großen Sporthallen in Görlitz und in Zgorzelec. Die Aufführung wird mit Sonntagsmatineen im MEETINGPOINT MUSIC MESSIAEN vorbereitet. Ein monatliches Kinderkonzert "Hexenritt und Drachentöne" soll Kinder mit der Musik Messiaens bekannt machen.

Weitere Angebote im MEETINGPOINT MUSIC MESSIAEN

Galerie Galerie
Kommentare Lesermeinungen (0)
Lesermeinungen geben nicht unbedingt die Auffassung der Redaktion, sondern die persönliche Auffassung der Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich das Recht zu sinnwahrender Kürzung vor.

Schreiben Sie Ihre Meinung!

Name:
Email:
Betreff:
Kommentar:
 
Informieren Sie mich über andere Lesermeinungen per E-Mail
 
 
 
Weitere Artikel aus dem Ressort Weitere Artikel
  • Quelle: TEB | Fotos: © Görlitzer Anzeiger
  • Erstellt am 19.01.2015 - 09:36Uhr | Zuletzt geändert am 27.06.2018 - 07:47Uhr
  • drucken Seite drucken
Anzeige