Görlitzer Museum erhält seltenes Selbstportrait
Görlitz, 7. September 2014. Der Adel in Schlesien und der Oberlausitz steht aktuell in den Sonderausstellungen im Kaisertrutz und im Schönhof im Mittelpunkt. Das lockt die Nachfahren der Adelsfamilien in die Neißestadt, so auch Leonhard von Dobschütz. Und er kam nicht mit leeren Händen: Zu Freude der Görlitzer Sammlungen für Geschichte und Kultur übergab von Dobschütz (im Bild links) am 2. September dem Leiter des Kulturhistorischen Museums Görlitz, Dr. Jasper von Richthofen, ein Selbstporträt der Erna von Dobschütz aus Privatbesitz. Das monogrammierte Selbstbildnis (um 1915) ist offenbar die einzige gemalte Abbildung der Görlitzer Malerin in jüngeren Jahren.
Eine Görlitzer Malerin wird wiederentdeckt
Die Familie von Dobschütz ist der Stadt Görlitz ganz besonders verbunden, denn das Kulturhistorische Museum bewahrt den künstlerischen Nachlass der Görlitzer Malerin Erna von Dobschütz. Ihr und ihrem Schaffen widmet sich eine Stiftung, die auch die Pflege ihres künstlerischen Werke übernommen hat und an einer einer Dokumentation über Malerin arbeitet. Diese soll Teil der "Galerie der Moderne" im Kaisertrutz werden.
Erna von Dobschütz in Görlitz
Erna von Dobschütz wurde 1876 geboren und kam als Zwölfjährige nach Görlitz. Als Tochter aus höherem Hause absolvierte sie eine künstlerische Ausbildung und nahm Unterricht bei bekannten Malern wie Wilhelm Claudius und Robert Sterl in Dresden sowie dem geschätzten Porträtmaler Franz Skarbina in
Berlin.
Zurück in Görlitz übernahm sie 1909 das Atelier der Porträtmalerin Ella von Prittwitz im Haus Kahle 7, der heutigen Johannes-Wüsten-Straße 7. Dort unterrichtete sie auch, so bereitete sie den Maler uns Schriftsteller Johannes Wüsten, der das Atelier 1929 von ihr übernahm und später KPD-Mitglied wurde, auf die Aufnahme zur Dresdner Kunstgewerbeschule vor. Einzelne ihrer Werke wurden zwischen 1900 und 1908 in Ausstellungen gezeigt.
Ihren Lebensabend verbrachte Erna von Dobschütz im Görlitzer Luisenstift. Als 87-Jährige verstarb sie hier und wurde im Familiengrab in Kassel beigesetzt. Der Großteil ihres künstlerischen Nachlasses - mehr als 80 Gemälde und über 100 Zeichnungen in Kohle, Feder und Pastellkreide - gelangte als Schenkung der Erben in die Sammlungen des Kulturhistorischen Museums Görlitz und ist damit einer der umfangreichsten Einzelbestände des Hauses. Einige Zeichnungen sind noch heute im Besitz von Familienmitgliedern.
Familie hält Kontakt nach Görlitz
Der Vater von Leonhard von Dobschütz, der jetzt das Selbstbildnis übergeben hat, war Patensohn von Erna von Dobschütz. Die Geschichte der Kontakte seiner Familie zum Görlitzer Museum reicht weit in die "DDR"-Zeit zurück: Schon in den 1970er Jahren hatte die in der damaligen Bundesrepublik Deutschland lebende Familie den Kontakt zum Görlitzer Museum aufgenommen, um mehr über das Schaffen ihrer Verwandten zu erfahren.
Bei einem Besuch im Herbst 2010 in Görlitz bekam Ursula von Dobschütz erstmals einige Werke der Erna von Dobschütz zu sehen. Davon tief beeindruckt gründete sie die Erna von Dobschütz Stiftung, die am Kulturhistorischen Museum angesiedelt ist. Dadurch kann die Görlitzer Malerin ab Dezember 2014 einen würdigen Platz in der "Galerie der Moderne" im Kaisertrutz Görlitz einnehmen. Neben dem Selbstporträt soll dort auch ein Stillleben seinen Platz finden.
In ihrer Funktion als Stiftungsvorstand informierten Museumsleiter Jasper v. Richthofen und Kurator Kai Wenzel die Familie von Dobschütz bei einem Rundgang durch die Sonderausstellung zum Adel "Beharren im Wandel" zudem über die Arbeit der Stiftung, die neben der Restaurierung von Werken das verstärkte Publizieren über Erna von Dobschütz vorhat.
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- Quelle: red | Foto: © Kulturhistorisches Museum Görlitz
- Erstellt am 07.09.2014 - 07:38Uhr | Zuletzt geändert am 07.09.2014 - 10:14Uhr
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