Suchtgefahr bei Trading Apps

Suchtgefahr bei Trading AppsGörlitz, 2. Oktober 2021. Die Corona-Pandemie hat eine neue Ära eingeläutet: Immer mehr Menschen sind auf der Suche nach Alternativen, um auch in schwierigen Zeiten ein relativ sicheres Einkommen zu genieren. Dabei entdecken sie die Börse, Aktien und Trading Apps – die können in diesen Zeiten aber nicht nur Segen sein, sondern auch ein teurer Fluch. Besonders Trading Apps stellen jedoch nicht nur für Anleger eine große Möglichkeit dar – die Trading Apps haben auch die Börse verändert und nehmen starken Einfluss auf die Volatilität des Marktes.

Abb.: Suchtgefahren werden gemeinhin mit illegalen wie auch legalen Drogen oder dem Glücksspiel verbunden, doch vor allem kurzfristige spekulative Geldanlagen können ähnliches Potenzial entwickeln

Foto: Myriams-Fotos, Pixabay License

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Was sind Trading Apps?

Bei Trading Apps handelt es sich um Anwendungen, die erstmals von Online-Brokern entwickelt wurden, um es auch Kleinanlegern zu ermöglichen, in Börsenwerte zu investieren. eToro und Robinhood gehören zu jenen Online-Brokern, die es erstmals auch unerfahrenen Anlegern ermöglichten, mit neuen Strategien an der Börse Profit zu machen.

eToros Copy Trading etwa scheint gut geeignet für Trading Neulinge, die keinerlei Erfahrung haben und mithilfe anderer Trader Profit machen wollen. Neue Investoren können hier die Trades der Experten kopieren oder ihnen über die Schulter schauen und selbst lernen, wie Trading funktioniert.

Die bekanntesten Trading Apps wie jene von eToro wurden bereits von Experten wie Nachgefragt.net unter die Lupe genommen, die damit neuen Tradern die Suche nach einem passenden Broker erleichtern wollen. Jedoch bedeutet dies nicht, dass keine Suchtgefahr besteht oder die Trading Apps eine Gewinngarantie darstellen.

Welches Suchtpotenzial haben Trading Apps und Investitionen?

Das Risiko ist bei Investitionen immer implizit, man könnte sagen, das Suchtpotenzial steigt mit dem Risiko und der Kurzfristigkeit der Geldanlage – ein Umstand, über den der Anleger in allen Fällen die Kontrolle behalten muss. Tatsächlich bergen Spar- und Anlageprodukte von der Altersvorsorge über Aktien bis hin zu anderen Wertpapieren grundsätzlich ein gewisses Risiko, das im Voraus bekannt ist.

Sogenannte konservative Anlagen, bei denen das Risiko begrenzt oder fast nicht vorhanden ist, haben im Grunde kein oder nur ein geringes Suchtpotenzial. Hingegen haben Aktienanlagen wie Forex-Werte, Kryptowährungen und bestimmte andere Anlagemöglichkeiten ein starkes Risiko für die Entwicklung einer möglichen Sucht bei Anlegern.

Aus psychologischer Sicht ist festzuhalten, dass eine Sucht auftritt, wenn eine Aktivität eine starke Stimulationsquelle darstellt, die im Laufe der Zeit zu psychischer und sogar körperlicher Abhängigkeit führt. Das Suchtverhalten beim Handel an Börsen unterscheidet sich von anderen Süchten darin, dass es sich selbst dann entwickelt, wenn Verluste erlitten werden.

Eine Trading-Sucht kann frühzeitig erkannt werden, aber wie?

Wie jede andere Sucht auch kann eine Trading-Sucht oder die Gefahr einer Sucht frühzeitig erkannt werden. Erste Anzeichen werden deutlich, wenn der Händler trotz Verluste nicht in der Lage ist, Trades zu schließen und damit das Trading zu beenden, um die persönlichen oder familiären Finanzen nicht zu gefährden.

Zudem wird die Gefahr einer Suchtentwicklung dann deutlich, wenn plötzlich alle anderen Aktivitäten vernachlässigt werden und der neue Trader nur noch vor dem Bildschirm oder am Handy sitzt und vielleicht sogar wahllos Trades setzt, ohne sich mit den getradeten Werten auszukennen oder sich Wissen über diese anzueignen.

Ein weiterer Hinweis kann sein, dass der Trader nicht in der Lage ist, auf das Trading zu verzichten. Ähnlich wie bei einer Spielsucht muss die betroffene Person um jeden Preis für eine gewisse Zeit immer wieder der Aktivität – dem Trading – nachgehen. Wird die betroffene Person dazu "gezwungen", auf die Aktivität zu verzichten, kann es im Suchtfall sogar zu Entzugserscheinungen kommen.

Wie kann eine Sucht getestet werden?

Der Psychologe Brett N. Steenbarger, Ph.D., ist ebenfalls ein aktiver Trader, wodurch er als Psychologe das Investment und die Profile von Tradern aus praktischer Sicht analysieren konnte. In den letzten beiden Jahrzehnten hat er Artikel und Bücher über seine diesbezüglichen Schlussfolgerungen und Studien verfasst und veröffentlicht.

Steenbarger erkennt das Suchtrisiko, das durch Investitionen verursacht wird. Hier spielt die Entwicklung neuerer Technologien, die die Interaktion von mehreren Akteuren und den Zugang für Laien zu dieser Art von Aktivitäten ermöglicht haben, eine große Rolle. Trading wird heute von vielen sogar als Hobby eingestuft und die Suchtgefahr daher oft unterschätzt.

Um Situationen mit hohem Suchtrisiko bei Investitionen zu erkennen, schlägt Steenbarger einige Fragen vor, mit deren Beantwortung der Trader seine Situation und sein Verhältnis zum Risiko seiner Investitionen selbst einschätzen kann. Wer diese Fragen auf sein Einkaufsverhalten überträgt, kann damit übrigens auch besser eine mögliche Kaufsucht erkennen.

Steenbarger-Selbsttest zur Erkennung von Finanzsüchtigen:
(Quelle: traderfeed.blogspot.com/2006/11/addictive-trading-getting-your-life.html)
  1. Haben Sie versprochen, nicht zu investieren, und haben Sie es trotzdem wieder getan?
  2. Investieren Sie in Positionen, die größer sind, als Sie verdienen können?
  3. Verursachen die Verluste persönliche und/oder familiäre Probleme?
  4. Erhalten Sie oft den Rat, den Handel an der Börse einzustellen?
  5. Spüren Sie die Verluste stärker als die finanziellen Siege?
  6. Neigen Sie dazu, dass Ihre Stimmung abhängig vom Erfolg Ihrer Investitionen ist?
  7. Lassen Sie die Langeweile Ihr Finanzberater sein?
  8. Bemerken Sie selbst, dass Sie zu viel Zeit mit dem Trading verbringen?

Resümee

Trading Apps bringen durchaus eine große Gefahr mit, süchtig zu machen. Oft ist diese Gefahr sogar größer als beim Handel über den PC, denn die Trading Apps ermöglichen den Zugriff auf das eigene Trading-Konto und den Handel an der Börse von überall auf der Welt.

Dies hat viele Vorteile, vergrößert aber zugleich das Risiko, süchtig zu werden. Neulinge sollten sich selbst unbedingt genau beobachten und die eigenen Verhaltensweisen regelmäßig überprüfen, um die Gefahr einer Sucht rechtzeitig zu erkennen. Gut beraten ist, wer sich im Zweifel professionelle Hilfe sucht.

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  • Erstellt am 02.10.2021 - 10:43Uhr | Zuletzt geändert am 05.10.2021 - 16:53Uhr
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