Corona und kein Ende?

Corona und kein Ende?Landkreis Görlitz, 21. Februar 2021. Die zweite Corona-Welle, stärker ausgefallen als in den schlimmsten Befürchtungen, scheint abzuklingen und schon lauert am Horizont eine dritte Welle, befeuert von den deutlich ansteckenderen Virus-Mutationen. Das führt alle Forderungen nach einer Planbarkeit für Lockerungen bei den Antipandemiemaßnahmen ad absurdum.

Abb.: Beim Sint Rosa Festival in Sittard

Bildquelle: hubhamers1, Pixabay License

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Kommentar: Mehr ältere Männer bevorzugt impfen?

Thema: Coronavirus

Coronavirus

Infektionen mit dem Coronavirus (SARS-CoV-2) verlaufen pandemisch. Lebensgefahr besteht bei einer Erkrankung an Covid-19 vor allem für Immungeschwächte und Ältere. Vielfältige Maßnahmen sollen die Ausbreitung verlangsamen, um medizinische Kapazitäten nicht zu überlasten sowie Zeit zur Entwicklung eines Medikamentes und eines Impfstoffs zu gewinnen. Im Blickpunkt stehen auch die Wirtschaft und soziale Auswirkungen.

Per 20. Februar 2021 wurden im Landkreis Görlitz 26 neue Infektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 gegenüber dem Vortag – da waren es 25 – ermittelt. Während die Infektion am 19. Februar bei 23 Erwachsenen und zwei Kindern nachgewisen wurde, waren es gestern ausschließlich Erwachsene. Die Infektionen verteilen sich über den gesamten Landkreis.

Die durch den Landkreis ermittelte 7-Tage-Inzidenz lag am 20. Februar 2021 64,10 je 100.000 Einwohner, am Rag davor bei 70,43. Unterschiede zu den Zahlen des Robert-Koch-Instituts ergeben sich aus den unterschiedlichen Auswertezeiten.

Konstant gegenüber dem 18. wurden auch am 19. Februar 2021 89 Patienten im Landkreis Görlitz stationär behandelt, 15 davon intensivmedizinisch. In häuslicher Quarantäne befinden sich nach einem positiven PCR-Test 248 Pesonen. Positiv getestete Personen, Kontaktpersonen der Kategorie 1 sowie Verdachtspersonen müssen sich unverzüglich absondern und die Allgemeinverfügung zur Absonderung sowie die zugehörigen Hinweise beachten.

Das Bürgertelefon im Gesundheitsamt des Landkreises Görlitz ist am Wochenende von 8 bis 13 Uhr unter Tel. 03581 - 6 63-5656 oder per E-Mail an anfragen-corona@kreis-gr.de erreichbar.


Kommentar:

"908 Personen sind bisher im Zusammenhang mit einer Coronavirus-Infektion im Landkreis Görlitz verstorben", drückt es der Landkreis Görlitz in einer Meldung von gestern aus und umgeht damit die klare Aussage: an Covid-19 verstorben. Damit wird der Standpunkt von Coronaleugnern gewürdigt, die meinen, an Covid-19 Erkrankte könnten auch aus anderer Ursache verstorben sein oder – menschenverachtend – ihre Zeit sei eh reif gewesen. Das ist ungefähr so intelligent, wie bei einem Krebspatienten darauf zu verweisen, er sei nicht dem Krebs erlegen, sondern einem Organversagen.

Während es bei den Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung zunächst darum ging, den Tod Älterer und Vorerkrankter infolge einer Coronainfektion zu vermeiden, sind inzwischen auch die Post-Covid-Erkrankungen in die Aufmerksamkeit gerückt: Monate nach einer scheinbaren Genesung stellen sich bei vielen ernste Krankheitsbilder ein, weil das SARS-CoV-2-Virus über die Blutbahn nicht nur die Lunge erreicht hat, sondern nun auch andere Organe reagieren. Außerdem zeichnet sich ab, dass die Virusmutanten jetzt auch bei Jüngeren zu einem schweren oder tödlichen Verlauf führen können.

Erstaunlich ist allerdings, dass in einer Gesellschaft, die so viel Wert auf formale Gleichstellung legt und sich dabei sogar zu einer unsinnigen Gendersprache versteigt, die Gleichstellung bei der Impfpriorisierung völlig vernachlässigt wird. Fakt ist: Covid-19 nimmt bei mehr Männern einen schweren Verlauf als bei Frauen. Die meisten Toten sind Männer; ausgenommen ist die Altersgruppe ab 90, weil hier zum größeren Teil Frauen vertreten sind, denn Männer sterben statistisch gesehen früher. Einer der Gründe: Ihr Immunsystem altert schneller. Um das auszugleichen – und damit auch die Krankenhäuser und vor allem die Intensivstationen zu entlasten – müssten also bei den Unter-90-Jährigen Senioren mehr Männer als Frauen geimpft werden. Schau'n wir also mal, ob die Genderpolitik mehr kann, als vor allem Wortverstümmelungen zu produzieren.

Der Frühling kündigt sich an und anstelle Blendgranaten in Form immer neuer Forderungen zu zünden wären Politik und Wirtschaftsvertreter gut beraten, sich auf konkrete Schritte zu einigen und diese gut zu erklären. Die "Click & Collect" Initiativen sind ein erster Ansatz, warum nicht mehr Ladenöffnungen mit extremen Zugangsbeschränkungen – im Osten haben die Leute noch nicht vergessen, wie ein Wartekollektiv vor der Ladentür funktioniert, Abstand und Atemwegsbedeckung sind doch kein Problem.

Und was hindert daran, bei den jetzigen ersten wärmenden Sonnenstrahlen Freiluftgastronomie unter Auflagen zuzulassen? Ich erinnere mich an einen kalten, aber sonnigen Sonntagvormittag auf dem Marktplatz von Sittard: Jeder Gastronom hatte Freisitze, alle besetzt von dick eingemummelten Leuten, die parallel zum Genuss der Sonnenstrahlen die Kälte mit Kaffee französisch bekämpften. So beginnen gute Tage!

Das Virus in Schach zu halten, dazu braucht es Vorsicht, aber auch Fantasie und Mut, keinesfalls aber Ängstlichkeit, meint

Ihr Thomas Beier

Kommentare Lesermeinungen (2)
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Alles aussitzen, nur nichts entscheiden

Von Thomas John am 24.02.2021 - 20:33Uhr
Eine Strategie zu entwickeln ist eine feine Sache. Sie kann aber schnell zur Makulatur werden, wenn sich die Lage immer wieder ändert und die Entscheider reagieren sollen/müssen. Ganz egal wie sich die Politiker entscheiden, es wird immer einem Teil der Bürger falsch erscheinen, gerade in so einer Krise. Ich stimme zu, dass die Vorstellung "Corona wird irgendwann vorbei sein" wohl eine Illusion ist. Wird sich wohl ähnlich verhalten wie mit der Influenza in den Zwanzigern des vorigen Jahrhunderts.

Den Vorwurf "Alles aussitzen, nur nichts entscheiden" kann ich zwar verstehen, aber er hat nicht nur Nachteile. Bevor man entscheidet, ist es durchaus vorteilhaft abzuwarten, wie die Dinge sich entwickeln. Mitunter braucht man dann gar nichts zu entscheiden, weil sich was auch von selbst löst oder die Bevölkerungsmehrheit eine bestimmte Lösung fordert, wie z.B. nach der Katastrophe von Fukushima. Die Unaufgeregtheit von Frau Merkel halte ich für bedeutsamer als den Aktionismus anderer. Ich bestreite aber nicht, dass das auch seine Nachteile hat. Eine klar erkennbare Vision fehlt. Aber das würde ihr dann auch widersprechen, denke ich.

Kommentar von Thomas Beier.2021-02-21

Von Wolfgang Herrmann am 22.02.2021 - 01:00Uhr
Thomas Beier spricht mir Aus der Seele. Er trifft wie immer, den Nagel auf den Kopf.

Die Äußerungen unserer Politer kann ich nicht mehr hören. Diese Entscheidungen von einem Tag zum anderen kann sich eigentlich jeder selbst geben, dazu brauchen wir keine Politiker. Seit vorigem Jahr ist bisher keine Strategie entwickelt worden, wie es weitergeht. Jeder der normal denken kann, hat begriffen, dass uns diese Seuche nicht mehr verlassen wird. Wollen wir jetzt ewig abwarten bis diese sogenannten Inzidenzzahlen auf Null sind?

Das ist Kohl-Merkel-Politik: Alles aussitzen, nur nichts entscheiden. Dafür sind wir 1989 nicht auf die Straße gegangen Aber einen Vorteil hat Corona, es werden die ganzen Schwachstellen im System sichtbar.

Wolfgang Herrmann

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  • Quelle: red / Kommentar: Thomas Beier | Foto: hubhamers1, Pixabay License
  • Erstellt am 21.02.2021 - 09:01Uhr | Zuletzt geändert am 21.02.2021 - 10:16Uhr
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