Quitzdorfer Stausee macht Blau

Quitzdorfer Stausee macht Blau Quitzdorf am See / Kwětanecy při jězoru, 12. Juni 2018. Die Talsperre Quitzdorf, mit 750 Hektar Oberfläche immerhin driittgrößtes Binnengewässer Sachsens, ist ein Problemsee: Hohe Nährstoffkonzentration und Wasserwärme wegen der geringen Wassertiefe lassen, von der Sonne getrieben, hier immer wieder Blaualgen (genauer Cyanobakterien, die nicht mehr zu den Algen gerechnet werden) wachsen.
Abbildung: Blick auf den Stausee Quitzdorf, gesehen aus Richtung des Wachebergs
Foto: McBernie, Lizenz: GFDL oder CC-BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Blaualgen in der Talsperre Quitzdorf nachgewiesen

Zwar hatte die sächsische Landestalsperrenverwaltung versucht, diese im Wasser des Stausees grassierenden Bakterien mit Aluminiumsulfat zu bekämpfen, doch Erfolg zeitigte das nicht.

Am 30. Mai 2018 hat das Gesundheitsamt des Landkreises Görlitz eine Wasserprobe aus dem Stausee Quitzdorfentnommen, im die Qualität und eventuelle Baderisiken zu überprüfen – mit unerwünschtem Erfolg: Es wurden Cyanobakterien (Blaualgen) nachgewiesen.

Darf man im Quitzdorfer See baden?

Man darf, aber das landkreisliche Gesundheitsamt warnt davor. Das hat mehrere Gründe: Am Tag, als die Wasserprobe entnommen wurde, lag die Sichttiefe wegen der Konzentration der Bakterien bei gerade mal 25 Zentimetern. Gesundheitlich ist das, abgesehen von den nachfolgenden Hinweise, kein Problem, allerdings wird die Wasserrettung, falls jemand ungewollt abtaucht, nahezu unmöglich.

Der Algenteppich auf dem See und die Aufrahmungen (wenn schwerere Bestandteile im Wasser einsinken) werden vom Wind getrieben, weshalb die Wasserqualität schwankt, die typische Blaufärbung des Wasser also nut stellenweise auftritt.

Wer sich den Aufenthalt im oder am Quitzdorfer Wasser beim besten Willen nicht verkneifen kann, sollte beachten:
  • kein Wasser verschlucken
  • nach dem Baden duschen
  • Bereiche mit Schlieren und Aufrahmungen im Wasser meiden
  • Kinder, insbesondere Kleinkinder, nicht am Ufer solcher Bereiche spielen lassen (zu schnell gelangen die Bakterien in den Mund).

Ganz schön giftig

Tatsächlich bekommt man es bei den Cyanobakterien gleich mit mehreren Giften zu tun. Die häufigen Microcystine können zum Viehsterben führen, der Mensch reagiert mit Schleimhautreizungen, teils allergischen Entzündungen, Durchfall und Erbrechen, die Leber wird vom Gift angegriffen.

Ein weiteres Risiko ist eine Aminosäure, die als Nervengift (Neurotoxin) wirkt. Treten die Cyanobakterien in hoher Konzentration auf (Stichwort "Algenblüte"), können solche Gifte über Fische von Menschen aufgenommen werden, was gelegentlich auch mal tödlich endet.

Wissenschaftlich gesehen können bestimmte Cyanobakterien einen – erstmals 2006 in den USA nachgewiesenen – in der Natur einmaligen Stoffwechsel entwickeln, der tags auf der Photosynthese, nachts auf der Stickstofffixierung basiert.

Teilen Teilen
Kommentare Lesermeinungen (0)
Lesermeinungen geben nicht unbedingt die Auffassung der Redaktion, sondern die persönliche Auffassung der Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich das Recht zu sinnwahrender Kürzung vor.

Schreiben Sie Ihre Meinung!

Name:
Email:
Betreff:
Kommentar:
 
Informieren Sie mich über andere Lesermeinungen per E-Mail
 
 
 
Weitere Artikel aus dem Ressort
Weitere Artikel
 
  • Quelle: red | Foto: McBernie, Lizenz: GFDL oder CC-BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
  • Zuletzt geändert am 12.06.2018 - 08:53 Uhr
  • drucken Seite drucken