Markenprodukt oder nicht?

Markenprodukt oder nicht?Görlitz, 23. September 2021. Von Thomas Beier. "Wer billig kauft, kauft zweimal!", ist ein unter Kunden, die keine Scheu vor relativ teuren Markenprodukten haben oder diese sogar bevorzugen, ein geflügeltes Wort. "Ja", sagen andere, "das muss man sich auch leisten können!" Ein Widerspruch?

Abb.: Der Einzelhandel bietet heute eine schier endlose Markenvielfalt. Im Bild ein Einkaufszentrum in Danzig (Gdańsk)

Foto: PhotoMix-Company, Pixabay License

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Kurzlebige Produkte werden immer öfter nicht akzeptiert

Ja, ein Widerspruch – und einer mit Folgen: Muss ein Billigprodukt vorzeitig ersetzt werden, ist die Geldsumme beider Käufe oft schon höher als der Betrag, der für ein Markenprodukt aufzuwenden wäre.

Marken hingegen, richtig gute Markenprodukte, haben ihre Vorzüge, etwa

    • Verfügbarkeit und Preiskonstanz, vor allem im Fachhandel, allerdings immer öfter auch in anderen Handelsformen,
    • Haltbarkeit, dazu langfristige Verfügbarkeit von Ersatzteilen und Werkstattservice,
    • immer öfter ethisch vertretbare Produktion sowie gute Recycelbarkeit,
    • ausgereiftes Design und gute Handhabbarkeit,
    • hoher Status für den Eigentümer.

Eine Sonderrolle nehmen Handelsmarken ein, wie sie etwa von Einzelhandelsketten im Lebensmittelbereich genutzt werden. Hier wird versucht, einen Markenanspruch, der vor allem auf der Wiedererkennung fußt, mit einer günstigen Preisanmutung zu verbinden. Wer etwas recherchiert, kann in diesem Bereich sogar versteckte Top-Marken beim Discounter wiederfinden.

Marken: berühmte und die "hidden champions"

Viele bekannte Marken faszinieren, ob nun, um einige zu nennen, Porsche, KitchenAid-Produkte oder Miele-Geräte. Sie alle verbinden sich nicht nur mit Status, sondern stehen vor allem für ausgezeichnete Qualität und Langlebigkeit. Davon profitieren nicht nur die Kunden, sondern auch die Hersteller, die sich damit ein Stück weit dem Preiskampf entziehen.

Andere Marken kennen vor allem die Fachleute: Wer etwa heutzutage einen Badeofen – für Fans ein unverzichtbarer Teil der Badekultur – anschaffen möchte und in Ostdeutschland aufgewachsen ist, erinnert sich vielleicht noch an den “Wittigsthaler” aus dem erzgebirgischen Wittigsthal, das inzwischen zu Johanngeorgenstadt gehört. Das Eisenwerk Wittigsthal besteht seit 1651 und liefert heute moderne Systemlösungen, jedoch noch immer auch die traditionellen Badeöfen, die wegen ihrer aufwendigen und hochqualitativen Fertigung mit Innenemaillierung bei vielen Sanitärinstallateuren noch immer als erste Wahl gelten. Wer auf den zusätzlichen Schutz durch die Opferanode achtet und den Badeofen sachgerecht beheizt, hat ein Erzeugnis für die sprichwörtliche Ewigkeit.

Ähnlich liegt der Fall bei den Markisen von Markilux aus Emsdetten bei Münster. Über diesen sagt der Wintergartenhersteller Masson aus dem vorpommerschen Wendorf rundheraus, dass die Entscheidung für einen seiner Wintergärten zugleich die Entscheidung für die hochwertige Markisentechnik vom Markisenhersteller Markilux ist. Gibt es ein besseres Lob für den Hersteller aus dem Münsterland? Auch hier spielen Qualität und Langlebigkeit eine maßgebliche Rolle, hinzu kommen durchdachte Lösungen für unterschiedliche Geometrien. Ob man dann noch selbst kurbelt oder die Markise per Fernbedienung elektrisch steuert, bleibt zweitrangige Geschmackssache.

Allgemein lässt sich sagen: Ausgereifte Markenprodukte erzeugen ein so tief verankertes Qualitätsvertrauen, dass eine kaum zu erschütternde Kundenbindung entsteht, sowohl zu Privat- wie auch zu Geschäftskunden..

Mit Nachhaltigkeit punkten

Ein weiteres, mit Langlebigkeit eng verbundenes Argument, das seit Jahren an Kraft gewinnt, ist die Nachhaltigkeit. Immer mehr Kunden verweigern sich Wegwerfprodukten und kurzlebigen Erzeugnissen, vor allem, wenn Kunststoffe oder Elektronik im Spiel sind. Mehr noch: Selbst bei hochwertigen, langlebigen Gütern wird ganz bewusst gebrauchte der Neuware vorgezogen. Die Verlängerung der Produktnutzungsdauer ist aktive Abfallvermeidung und damit zugleich Ressourcenschonung, weil weniger Neuware hergestellt wird.

Das mag mancher mit ungläubigem Erstaunen zur Kenntnis nehmen, doch der Trend ist vor allem in den urbanen Zentren unübersehbar: Eine Kultur des Weiternutzens und des gemeinsamen Nutzens hat sich in bestimmten Szenen längst durchgesetzt. Dazu beitragen mag der knappe und deshalb teure Wohnraum, der das Anhäufen von nur gelegentlich genutztem Eigentum gar nicht mehr zulässt. Jedoch setzen sich auch ethische Ansprüche immer stärker durch: So ist es bei vielen inzwischen verpönt, Billigkleidung zu kaufen und es wird generell mehr auf fair gehandelte Produkte gesetzt.

Außerdem gibt es eine Rückbesinnung auf die guten, die haltbaren Dinge – Firmen wie Manufactum in Waltrop, gelegen zwischen Ruhrgebiet und Münsterland, leben davon und vermutlich nicht schlecht. Dieses "Warenhaus der guten Dinge" vertreibt online und mit ganzen Reihe eigener Warenhäuser umweltgerecht und sozialverträglich hergestellte Qualitätsprodukte.

Neues Markenverständnis

Marken, die für Langlebigkeit und hochwertige, aus Naturmaterialien und oft mit einem hohen Anteil an Handarbeit hergestellte Waren stehen, bedienen viele Sehnsüchte, so etwa im Einklang mit der Welt zu leben und jene nach einer Verlangsamung der hektisch verstreichenden Zeit. Achtsamer Umgang mit Erzeugnissen – und überhaupt indem man Dinge bewusst erledigt und sich die Zeit dafür nimmt – schärft den Blick auf das Wesentliche, auf das, was wirklich wichtig ist im Leben.

Natürlich gibt es gegenläufige Trends, denn noch immer glauben Zeitgenossen, das wahre Glück liege im Konsum, etwa bei Mode, Auto oder Heimelektronik. Ein eigenständiger Trend ist der in Richtung einer ausgewogenen Work-Life-Balance, der zu neuen Überlegungen über Karriere führt. Unter Umständen verdient man dadurch weniger Geld, von dem dann durch DIY und Teilen allerdings auch weniger benötigt wird.

Welchen Weg man geht, wird durch viele Faktoren beeinflusst, ganz wesentlich vom Grad der persönlichen Reife. Während sehr reife Persönlichkeiten ihre Umwelt eher beschreiben, um Orientierung zu finden, suchen andere nach Anschluss und definieren sich über die Zugehörigkeit zu bestimmten Szenen. Allen gemein ist übrigens eine gewisse Markenaffinität, ob sie es nun wahrhaben möchten oder nicht.

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  • Quelle: Thomas Beier | Foto: Photo Mix / PhotoMix-Company, Pixabay License
  • Erstellt am 23.09.2021 - 09:37Uhr | Zuletzt geändert am 23.09.2021 - 10:13Uhr
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