Siemens im Wandel

Siemens im WandelMünchen | Görlitz, 5. Februar 2021. Joe Kaeser ist am 3. Februar auf einer virtuellen Hauptversammlung als Vorstandsvorsitzender von Siemens zurückgetreten. Er hatte den Konzern umgekrempelt wie kein anderer zuvor und hinterlässt ein gesundes Unternehmen, dem auch für die nahe Zukunft beste Aussichten zugeschrieben werden. Der Kurs der Siemens Aktien ist auf Rekordhoch. Dass vor diesem Hintergrund nun wie schon 2017 erneut ein heftiger Personalabbau angekündigt wurde, will vielen nicht in den Kopf.

Abb. oben: © Flickr "@gsiemens The future moocing in.", Foto: Alan Levine, Lizenz: CC BY 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten.

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Oberbürgermeister Ursu erinnert an Zusagen

Betroffen vom Stellenabbau ist die Kraftwerkssparte Siemens Energy, die Kaeser erst im Vorjahr abgespalten hatte. Hier leiden die Geschäfte, weil Kohlekraftwerke und eben auch Turbinen weniger gefragt sind. Die Devise bei Siemens heißt deshalb weg von fossilen Energieträgern und hin zu Wasserstoff. Für das Siemens-Werk in Görlitz ist das der rettende Anker, soll hier doch ein Siemens Innovationscampus entstehen, der sich vorrangig dem Thema der Wasserstoff-Technologien widmet. Für die Görlitzer Siemens-Mitarbeiter ist dieser Wandel eine gewaltige Herausforderung, denn es geht um Arbeitsplätze und nicht um Personen.

Paradoxerweise wird das Unternehmen im Umbruch seiner sozialen Funktion als Arbeitgeber dadurch gerecht, dass es Mitarbeiter entlässt – 7.800 sollen es weltweit sein. Sozial durch Entlassungen? Unternehmen können grundlegende Veränderungen nur angehen, solange sie gesund sind, sprich: Gewinne machen. Nur dann sind neue Investitionen und die Erschließung neuer Märkte möglich. Andererseits haben Unternehmen nicht die Aufgabe, Arbeitsplätze zuschaffen, sondern ihre Aufgabe ist es, wettbewerbsfähige Produkte anzubieten – Unternehmen, denen das nicht gelingt, verschwinden vom Markt und damit die an sie gekoppelten Arbeitsplätze damit auch. Entscheidend für die soziale Funktion eines Unternehmens ist also seine Existenz, nicht der Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze. Zudem muss in Betracht gezogen werden, dass dem Abbau konkreter Stellen immer wieder neu geschaffene gegenüberstehen.

Natürlich setzen sich an den Siemens-Standorten Kommunalvertreter dafür ein, dass Arbeitsplätze bestehen bleiben. So hofft auch der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu auf gute Zukunftsperspektiven für den Görlitzer Standort. Er steht mit der Geschäftsleitung und dem Betriebsrat in Kontakt. Was in manchen Ohren belanglos klingen mag, aber: Oberbürgermeister Ursu hat mit seiner Gesprächspolitik immer wieder Erfolg, wie der Görlitzer Anzeiger im Februar 2020 berichtete. Schon sein Vorgänger Siegfried Deinege hatte angesichts der im Jahr 2017 angekündigten Entlassungswelle bei Siemens den Poltergeist gegeben und die Ärmel im Kampf um den Siemens-Standort Görlitz hochgekrempelt.

Was Deinege und den Siemensianern im Jahr 2018 schließlich gelang – die Rettung des Görlitzer Werks als Standort – verfolgt nun ebenfalls sein Nachfolger im Oberbürgermeisteramt Ursu mit diplomatischem Geschick und nicht weniger konsequent: "Ich erwarte, dass konsequent an der Umsetzung der gemeinsamen Ziele aus dem Zukunftspakt Görlitz weitergearbeitet wird. Darin bekennt sich Siemens zur Errichtung des Innovationscampus, zur CO2-Neutralität des Siemens-Standortes bis 2025, zur Errichtung eines Showrooms für neue Technologien sowie zu Entwicklungs- und Forschungsaktivitäten im Bereich dekarbonisierter Industrieprozesse. Das sind die Herausforderungen, aber auch die Chancen der Zukunft und dafür brauchen wir Top-Fachkräfte wie bei Siemens Energy, aber auch Engagement und Verantwortungsbewusstsein."

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  • Quelle: red | Foto: © Flickr "@gsiemens The future moocing in.", Foto: Alan Levine, Lizenz: CC BY 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten.
  • Erstellt am 05.02.2021 - 07:26Uhr | Zuletzt geändert am 05.02.2021 - 09:07Uhr
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