Schienenausbau Görlitz - Cottbus "weniger prioritär"

Görlitz | Berlin. SPD-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Gunkel wollte es wissen und hat im Bundesverkehrsministeriium nach den Ausbauplänen für die Bahnverbindung zwischen Görlitz und Cottbus und deren Priorität gefragt. Die Antwort ist ernüchternd.

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Die Provinz im Herzen Europas

Im Antwortschjreiben vom 30. Mai 2012, das dem Glörlitzer Anzeiger vorliegt, heißt es, dass im geltenden Bedarfsplan für Schienenwege des Bundes die Strecke Berlin - Görlitz in der Kategorie "Vordringlicher Bedarf" als neues Vorhaben enthalten sei. Demnach solle der eingleisige Streckenabschnitt Cottbus - Görlitz zwar elektrifiziert und für 160 Stundenkilometer ausgebaut werden - aber: "Die Realisierung dieser Maßnahme ist ... weniger prioritär und kann daher nicht terminiert werden."


Kommentar:

Es gibt ein simples, aber zuverlässiges Verfahren, die Attraktivität eines Wirtschaftsstandortes zu messen: Man erfasst Bewegungen und Aktivitäten. Dazu gehört wieviele Autos sich täglich auf den Straßen bewegen, wieviele Telefonate gemacht oder E-Mails verschickt werden, wieviele Pressemeldungen herausgegeben werden etc. pp. - und auch, wieviele Züge ankommen und abfahren.

Hintergrund ist, dass Bewegung und Aktivität Grundlage und Ausdruck für Erfolg sind. Voraussetzung dafür ist die Verkehrsanbindung eines Standortes. Für Görlitz ist die in Ost-West-Richtung gar nicht so schlecht, in der Nord-Süd-Richtung allerdings weit holpriger. Ganz abgesehen von der vernachlässigten Nähe zu Prag (Praha) oder dem weit näheren Reichenberg (Liberec) ist vor allem die Verkehrsanbindung in Richtung Bundeshauptstadt unterentwickelt. Mit sächsisch-preußischen Befindlichkeiten allein ist das nicht zu erklären.

Klar ist vieles besser geworden in den vergangenen Jahren und wird weiter besser - doch wird es wirklich gut? Der halbherzige Ausbau der B 115 auf sächsischem Territorium macht auch auf dem rekonstruierten Abschnitt zwischen Rietschen und Weißkeißel jeden Lkw zum Entschleuniger und Zeitfresser. Brandenburg hat mit dem teilweisen dreispurigem Ausbau für besseren Durchlass gesorgt.

Und nun tritt auch noch der Bund in Sachen Eisenbahn auf die Investitionsbremse. Ist es denn wirklich gewollt, dass eine ganze Region im Herzen Europas im Fernverkehr irgendwann wieder auf die Postkutsche setzt?

Hoch auf dem gelben Wagen... ach was, der Ramsauer hat bestimmt eine kohlrabenschwarze Limousine und fährt nicht mit der Eisenbahn,

mutmaßt Ihr Fritz R. Stänker

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  • Quelle: red | Fritz R. Stänker
  • Erstellt am 01.06.2012 - 05:16Uhr | Zuletzt geändert am 01.06.2012 - 05:55Uhr
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