Lesebühne Hospitalstraße will im goldenen Jahrzehnt dabeisein

Lesebühne Hospitalstraße will im goldenen Jahrzehnt dabeiseinGörlitz, 5. Januar 2020. Die Goldenen Zwanziger sind gestartet und im Grunde jeder will etwas davon haben. Nur penetrante Spaßbremsen nörgeln, das neue Jahrzehnt beginne doch erst mit dem Jahr 2021. Popliterat und Lesebühnenmacher Axel Krüger zeigt – auch stellvertretend für seinen Kompagnon Mike Altmann – Flagge: "Die Diskussion, ob die Null schon zum neuen Jahrzehnt gehört, finden wir lächerlich. Würden wir jede Null so anzweifeln, wäre es ziemlich einsam in Sachsen."

Abbildung: Der Dreiakkordemann, der dichten, spielen und singen kann

Foto: Paul Glaser, glaserfotografie.de

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Auf die Bühne, Ihr Literaten!

Thema: Lesebühnen

Lesebühnen

Lesebühnen sind in Görlitz fester Kulturbestandteil - teils musikalisch unterlegt, teils mit Autoren von vor Ort, teils mit weitgereisten Schreib- und Lesenden.

Krüger und Altmann begleiten das Görlitzer Lesebühnengeschehen nun bereits seit vielen Jahren. Damit einher geht die wachsende Angst vor der Alterseinsamkeit, man stelle sich vor: Auf der Bühne zwei überreife Herren, auf dem Kopf der eine grau, der andere glatt, und auf den Stühlen des Publikums eine derartige Leere, dass nicht einmal ein Gähnen zu vernehmen ist. Als neulich zur frühesten Morgenstund' ein Schrei "Das darf nicht sein!" durch die Hotherstraße gellte, da war zugleich die Frage beantwortet, welcher der beiden Herren da schweißgebadet aus dem Schlaf geschreckt war, denn nur einer der beiden liegt hier an.

Um der Einsamkeit auf der Bühne vorzubeugen und zudem für das Publlikum eine gewisse Attraktivität zu schaffen, bringen die Autoren Krüger und Altmann zur ihrer Januar-Lesebühne neben den unvermeidlichen eigenen Texten zwei wirklich patente Gäste mit, einen davon als novi hominem auf der APOLLO-Bühne: Lars Hitzing, der den Weg aus Dresden, wo er zur Lesebühne Phrase4 gehört, nach Görlitz auf sich nehmen will. Hitzing hat bereits drei Bücher vollgeschrieben. Sein aktuelles Werk ist bemerkenswert, trägt es doch einen Apostroph im Titel, wie er an dieser Stelle korrekter nicht sein könnte. "Distiller's Edition" heißt die Sammlung von Kurzgeschichten. Logisch, dass Hitziger das Buch im Gepäck hat, wenn er die APOLLO-Bühne betreten wird.

Doch "Worte alleene machen krumme Beene", weiß der schlaue Sachse und freut sich daher gemeinsam mit weiteren Heimatidentitäten auf den musikalischen Gast der nächsten Hospitalstraßen-Lesebühne. Der Dreiakkordemann ist's, der mal wieder kommt! Berühmtheit bis in die umliegenden Dörfer erlangte der singende Mann am Klavier für die Vertonung entscheidender Schlagzeilen des führenden Ortstagespresseorgans. Seine Hits "Penny" (Rauschwalder werden Penny vermissen), "Wie schön" (Ein neues Bushäuschen für Markersdorf) und "Toilette am See" (Die neue Toilette am See rostet schon) geben allen Generationen Orientierung in unruhigen Zeiten.

Unruhe hat auch die Popliteraten Axel Krüger und Mike Altmann, an denen der Zahn der Zeit nagt, ergriffen. So wie in jüngeren Jahren auf das nächste Techtelmechtel freuen sie sich nun darauf, auf der Bühne zu stehen und gemeinsam mit ihren Gästen dem Publikum beste Unterhaltung zu bieten.

Prädikat: Unbedingt hingehen!
Sonnabend, 18. Januar 2020, 19.30 Uhr,
APOLLO-Theater, Hospitalstraße 2, 02826 Görlitz.

Nichts ist umsonst, auch nicht der von der Lesebühne betreute Start in die Goldenen Zwanziger. Das Gute daran: Die Eintrittsbilletts kosten keinen goldenen Zwanziger, sondern weiterhin zwölf Euro. Die eingesparten acht Euro empfehlen sich zum Umsatz an der Bar oder als Baustein für den Erwerb anspruchsvoller Literatur; beide Alternativen führen zu gewisser Erleuchtung.

Man muss es einmal würdigen: Görlitz hat wirklich heiße Locations, etwa den First Club, den Skyroom, das Nostromo oder den Basta!-Club. Googelt man sich das zusammen, dann fällt auf, dass die meisten davon sich mit "zwanglos" charakterisieren. Bei der allerheißesten Görlitzer Location, der Theaterkasse, ist das allerdings nicht so: Hier erhält man sein Lesebühnen-Ticket nur gegen eine Zwangsabgabe in Höhe des erwähnten Euro-Dutzends. Wen der persönliche Kontakt zu den Theaterkassendamen verwirrt, ordert seine Tickets aus den dunken Tiefen des Internets via www.g-h-t.de. Nur der Form halber sei darauf verwiesen, dass die Abendkasse zur Kulturveranstaltung des 18. Januars um 19 Uhr öffnet, doch der kluge Mann baut vor, Frau soundso.

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  • Quelle: red | Foto: Paul Glaser, glaserfotografie.de
  • Erstellt am 05.01.2020 - 05:31Uhr | Zuletzt geändert am 05.01.2020 - 07:03Uhr
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