Lesebühne Hospitalstraße macht wieder Worte und Musik

Lesebühne Hospitalstraße macht wieder Worte und MusikGörlitz, 14. Oktober 2019. Es gibt Kulturveranstaltungen, da freut man sich, wenn es vorüber ist, und es gibt andere, da freut man sich, wenn's wieder losgeht. Letzteres kann die Lesebühne Hospitalstraße für sich in Anspruch nehmen. Nach einer überlangen Sommerpause erhält das Publikum Gelegenheit, sich davon zu überzeugen, dass das Popliteraten-Duo Axel Krüger und Mike Altmann diesen Sommer wieder nicht jünger geworden ist, dafür ausgeruht und gebräunt bis in die tiefste Falte daherkommt.
Abbildung: Zu Qualitätssicherungszwecken haben sich Krüger und Altmann den erfahrenen Live-Literaten Dominik Bartels eingeladen. Foto: Paul Glaser, glaserfotografie.de

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Lesungen und Musik auf Görlitzer Bühne

Thema: Lesebühnen

Lesebühnen

Lesebühnen sind in Görlitz fester Kulturbestandteil - teils musikalisch unterlegt, teils mit Autoren von vor Ort, teils mit weitgereisten Schreib- und Lesenden.

Einsteigen in die neue Saison wollen die Popliteraten mit neuen Texten, was man ja wohl erwarten darf, und Evergreens aus ihrem umfangreichen Repertoire.

Lesegast Dominik Bartels ist 1973 zum gebürtigen Wolgaster geworden, lebt aber in Helmstedt, na, Sie wissen schon: Helmstedt/Marienborn. Jedenfalls hat er mit mehr als 1.500 Auftritten auf Lesebühnen, bei Poetry Slams und in Einzellesungen, sich zu den erfahrensten Live-Literaten der Bundesrepublik hochgelesen. Neben zahlreichen Einzelpublikationen hat Bartels Beiträge in verschiedenen Anthologien veröffentlicht, so im Eulenspiegel-Verlag.

Bartels' Texte verzaubern das Publikum immer wieder und verleiten wichtige Presseorgane nahezu regelmäßig zu Lobeshymnen. So schrieb etwa LZonline von der Landeszeitung für die Lüneburger Heide GmbH: "Mit schwarzem Humor erzählt er von haarsträubenden Radtouren durch die Innenstadt, Altherrenfußball und deutschen Familien, die sich im Wanderurlaub daneben benehmen." Anzumerken ist, dass "daneben benehmen" etwas anderes beschreibt als das vermutlich gemeinte "danebenbenehmen". Für das hingebungvolle Görlitzer Publikum ist Dominik Bartels ein guter Bekannter, denn schon im Januar 2017 hatte er mit seiner "Ossi-Lesung" das Apollo-Theater bis auf den letzten Platz gefüllt und mit seinem Auftritt im ASV-Trainingsanzug das Publikum zu anhaltendem Beifall verleitet.

Musikalisch gibt der Dresdener Liedermacher, Sänger und Gitarrist Miro dem Abend seine besondere, zum beginnenden Herbst passende Note. Seine Lieder sind erzählerisch lebendig, bildhaft poetisch und zuweilen obendrein melancholisch. Die Veranstalter haben deshalb empfohlen, das Schnupftüchlein, ersatzweise die Küchenrolle, nicht zu vergessen.

Prädikat: Hingehen!
Sonnabend, 19. Oktober 2019, 19.30 Uhr,
Apollo Görlitz, Hospitalstraße 2, 02826 Görlitz

Die Ticketpreise für die neue Spielzeit der Lesebühne Hospitalstraße sind wieder nicht gestiegen. Liegt es daran, dass die Veranstalter nur bis zehn Finger plus zwei Hände zählen können? Karten kosten also weiterhin publikumsfreundliche zwölf Euro, sowohl im Vorverkauf wie an der Resterampe genannten Abendkasse. Da wohl niemand gern an der Resterampe kauft, seien die regionalen Vorverkaufsstellen (die bekannt sind, ja, ja), die Theaterkasse und das Internet mit seiner Adresse https://www.g-h-t.de/ empfohlen.

Warum die Görlitzer Kleinkunstbühne nach einer Mondmission benannt ist

APOLLO – das waren die Mondmissionen der US-Amerikaner, mit denen sie schließlich Menschen auf den Mond brachten. Zu vermuten ist, dass die uralte Lichtspielbühne jedoch von Beginn an – vor 1908 – Apollo hieß und der leuchtende Schriftzug über dem Straßeneingang 1966 beim Umbau gebracht wurde. Klubkino wurde das Apollo erst in den Achtzigerjahren, um alsbald 1990 angesichts der D-Mark wieder geschlossen zu werden. Erst 1999 entstand hier eine Studiobühne, die zum Gerhart-Hauptmann-Theater gehört.

Nomen est omen: Apollon – original Ἀπόλλων, lateinisch Apollo, zu deutsch auch Apoll – ist nach der griechischen und römischen Mythologie der Gott des Lichts, weshalb er im Zuge der technischen Entwicklung für die Lichtspieltheater zuständig wurde. Nicht genug: Auch die Heilung und der Frühling zählen zu seinem Ressort. Den lauthals vortragenden Wortakrobaten, die, wie kolportiert wird, zugleich Bier und Wein konsumieren, sei ins Stammbuch geschrieben, dass Apollo auch als Gott der sittlichen Reinheit und der Mäßigung gilt. Praktischerweise ist er jedoch auch Gott der Heilkunst und kann als Gott der Weissagung auch Auskunft über Heilungsaussichten geben. Passend zur Lesebühne ist Apollo dann auch noch Gott der Künste, vor allem der Dichtkunst, der Musik im Allgemeinen und des Gesangs im besonderen – will sagen: Ein guter Name für einen guten Ort. Wer ihn mit seiner Kunst nicht würdigt läuft Gefahr, dass Apollo sich daran erinnert – last not least – auch noch Gott der Bogenschützen zu sein und deren Pfeile lenken zu können.


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  • Quelle: red | Foto: Paul Glaser, glaserfotografie.de
  • Erstellt am 14.10.2019 - 13:53Uhr | Zuletzt geändert am 14.10.2019 - 15:13Uhr
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