Lesebühne Hospitalstraße: kurze Schippen, hohe Löhne jetzt auch in Görlitz

Lesebühne Hospitalstraße: kurze Schippen, hohe Löhne jetzt auch in GörlitzGörlitz, 7. Oktober 2018. Um's Haar wären die beiden Popliteraten Axel Krüger und Mike Altmann der Kulturstadt Görlitz verloren gegangen: Nicht etwa auf ihrer Zipfelgemeinden-Tournee zum Tag der Deutschen Einheit, sondern durch Abwerbeversuche eines Wetterdienstes und eines Horoskop-TV-Senders. Im zurückliegenden Winter hatten sie nach einem Blick ins Wein- resp. Bierglas verkündet "Dieser Sommer wird rekordverdächtig heiß und lang", was im Laufe des Sommers die gesamte Vorhersagebranche zu immer verlockenderen Angeboten an die Adresse der beiden Görlitzer Bühnenwortkünstler trieb. Da sich Krüger und Altmann in der Erfüllungserwartung ihrer Selbstprophezeiung zu einem ganzen halben Jahr Sommerpause durchgerungen hatten, liefen die Avancen der Vorhersager jedoch ins Leere, allesamt wurden per Autoresponder abgelehnt. Wie dem auch sei: Mit der Sommerpause es nun aus und vorbei, da hilft auch kein Beten, kein Büßen, kein Trick.
Abbildung oben: Hinter dieser Tür verbirgt sich die Theaterkasse des Gerhart-Hauptmann-Theaters, Abgabestelle für Tickets, die den termingerechten Zugang zur Lesebühne Hospitalstraße im APOLLO Theater ermöglichen

Verbesserte Geschäftsidee kurz erklärt

Verbesserte Geschäftsidee kurz erklärt

Bonny Lycen, fotografiert vom Görlitzer Fotografen Paul Glaser

Thema: Lesebühnen

Lesebühnen

Lesebühnen sind in Görlitz fester Kulturbestandteil - teils musikalisch unterlegt, teils mit Autoren von vor Ort, teils mit weitgereisten Schreib- und Lesenden.

Die beiden Urgesteine der Görlitzer Popliteraturszene bleiben dem Görlitzer Publikum also auf absehbare Zeit erhalten und das muss nun sehen, wie es damit zurechtkommt. Eine Möglichkeit besteht darin, die erste Nachsommer-Veranstaltung, mit der die neue Spielzeit der musikalischen Lesebühne Hospitalstraße im APOLLO Theater eröffnet wird, zu besuchen. Das sollte weitestgehend ohne Gefahren für Herz und Hirn möglich sein, wollen sich Krüger und Altmann doch vor allem ausruhen, um Kraft für die nächste Spielzeitpause zu sammeln. Dennoch sind sie auf zahlende Besucher angewiesen und verraten völlig ungeniert ihre verbesserte Geschäftsidee: "Wir haben übelst starke Gäste an die Neiße gelockt. Da die das Eintrittsgeld jeweils allein wert sind, können wir uns auf die Begrüßung und Verabschiedung der Zuschauer konzentrieren und dazwischen gegen Dehydrierung kämpfen."

Dieses Prinzip ist für Görlitz innovativ und sollte auch das Interesse der hiesigen Wirtschaftsförderung sanft erregen: Anstelle dem verbreiteten Prinzip "Görlitzer & Söhne: große Schippen, kleine Löhne!" zu folgen, hat sich die Lesebühne dem zwar großartigen, aber eben nicht allzu groß geratenen Altmann angepasst: "Altmann & Krüger, kurze Schippen, hohe Löhne!" Das reimt sich zwar nicht, ist aber nicht so anstrengend und spült trotzdem mehr Geld in die Taschen.

Von der Pleiße an die Neiße

Jetzt, im aktuellen Oktobermonat, kommt das Leipziger Traumpaar der Kleinkunstszene von der Pleiße an die Neiße: Bonny Lycen und Jack Pop. "Da trifft feinsinnige Erzählkunst auf Brachialpoesie", freuen sich die Veranstalter auf ein hin- und hergerissenes Publikum.

Für Bonny Lycen ist die Reise nach Görlitz eine Rückkehr an den Tatort, denn schon im November 2015 gastierte sie bei der allerersten Ausgabe der "Hospitalstraße". Wer damals dabei war, kommt ebenfalls wieder und bringt noch andere mit – versprechen ihre Sprachexplosionen und Synapsenkitzel doch eine wahre Erlebnisorgie. "Worte, die unter die Haut gehen, sich ihren Weg zur Großhirnrinde bahnen und sogar mal hängen bleiben", erkennt Axel Krüger, das Weinglas souverän in der Hand.

Zu ihrem Auftritt gesellt sich Musik, die der Gitarrist, Sänger und Liedermacher Jack Pop (der "Justin Bieber von Mordor") macht. Altmanns trockene Analyse: "Ein Ork an der Gitarre, ein Hobbit in Statur, ein Ritter in Sachen Haarpracht. Eine Mischung aus Songwriter und Berufsjugendlichem, mit Hits zwischen Unsinn und Unsicherheit, zwischen Beifall und Mitleid, zwischen zwei und dreieinhalb Minuten."


Prädikat: Unbedingt hingehen!
Sonnabend, 20. Oktober 2018, 19.30 Uhr,
APOLLO Theater, Hospitalstraße 2, 02826 Görlitz

Die Eintrittkarten kosten bei legalem Erwerb zwölf Euro, Schwarzmarkt viel teurer. Deshalb empfiehlt sich der baldige Erwerb beim netten Vorverkaufsservice an der Kasse des Görlitzer Theaters (dienstags bis freitags von 10 bis 18, sonnabends von 10 bis 12.30 Uhr) auf dem Demianiplatz. Eine weitere Option sind die angeblich bekannten Ticket-Dealer sowie der Datenstrom, der einsetzt, wenn man sich mit www.g-h-t.de verbindet und zum Online Kauf durchwurstelt.
Weil es Spontis und Versager gibt, die nicht per Vorverkauf auf Nummer sicher gehen, werden Restkarten am Veranstaltungsabend an der Abendkasse im APOLLO verscheuert, aber nicht vor 19 Uhr!

Eine Lesebühne, was ist das? Eine Erklärung in einfacher Sprache
Kann man sich vorstellen wie einen riesigen 3D-Fernseher mit ziemlich gutem Klang, der aber so groß ist, dass er nicht vor die Couch passt. Deswegen muss man in ein extra Haus gehen und am Eingang sowas wie GEZ bezahlen. Weil die Glotze so groß ist, passen viele Leute davor. Obwohl es ziemlich dunkel ist, kommt Licht von vorne, man fühlt sich also in Unterhemd, Jogginghose und Schluppen nicht ganz so wohl wie zu Hause. Blöd: Den ganzen Abend kommt nur eine Sendung und die haben wohl nur eine Kamera. Es wird viel geredet. Musik gibt es aber auch, außerdem zu lachen. Tipp: Wenn andere lachen und man weiß nicht, warum: einfach mitlachen.

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