Mit den Jazzhappen: Alles Oscar in Görlitz!

Görlitz, 30. Januar 2015. Die Bevölkerung der Filmstadt Görlitz sollte in der Nacht zum 23. Februar 2015 gebannt vor der Glotze sitzen um mitzuschneiden, ob der in Görlitz gedrehte und neunfach nominierte "The Grand Budapest Hotel" nun einen (oder gar mehrere) von den Oscar Golden Boys abbekommt. Die EInleitung zur großen Oscarierung teurer Filme findet wenige Stunden zuvor ist in Görlitz mit einem oscarrelevanten Auftritt der Jazzhappen statt. Happenchef Mike Altmann erläutert mit seinen typisch feinsinnigen Worten: "Mein abgehalfterter Vorgänger Krüger kriegt eine gebrauchte Plastekopie des Goldjungen für sein Lebenswerk. Ein paar Texte darf er auch noch lesen. Danach ist hoffentlich für immer Ruhe." Das gibt Hoffnung für den Görlitzer Kulturbetrieb, denn ein "Krüger-Aus" (Antrag auf Wort des Jahres!) würde weniger unabgestimmte unabgenickte unerwünschte Privatinitiative bedeuten. Damit der Krüger, Axel, versteht, was da auf ihn zu kommt, sollte man ihm erläutern, dass seine Oscarkopie aus Plastik genanntem Kunststoff, ursprünglich reichlich versehen mit sich flüchtig machendem Weichmacher, besteht.

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Ein literarisch-musikalischer Unterhaltungsabend im Apollo Görlitz

Thema: Lesebühnen

Lesebühnen

Lesebühnen sind in Görlitz fester Kulturbestandteil - teils musikalisch unterlegt, teils mit Autoren von vor Ort, teils mit weitgereisten Schreib- und Lesenden.

Dem Niveau der Oscar-Nacht entsprechend haben sich die Jazzhappen einen Gast geangelt, der zwar leider nicht Oscar heißt, dafür aber Jaroslav Rudiš. Der Jaroslav ist ein tschechischer Schriftsteller, dramatisiert als Dramatiker und autorisiert als Drehbuchautor. Sein Erfolgswerk "Alois Nebel" handelt von einem düsteren tschechischen Eisenbahner, der damit zur Kultfigur wurde - und hat den Autor in seiner Heimat bekannt gemacht. Jaroslav liest in deutscher Sprache die besten Stellen aus seinen Texten.

Unvermeidbar statt unverzichtbar

Unvermeidbar sind die Texte des grobgeschliffenen Feingeists (was immerhin besser als ein feingeschliffener Grobgeist ist) und Literaten des Pops Mike Altmann. Der will sich auf die Kombination von Lesen und Lautbildung konzentrieren und hat sich deshalb im weiten Vorfeld seines Auftritts versprochen, diesmal Tanzeinlagenverzicht zu üben und zudem die irritierende Seifenblasen verschießende Kanone im trauten Kämmerlein zu ruhen lassen.

Musik - welch ein Glück!

Während einem die Texte schon mal - ehrlich, das wird man doch noch sagen dürfen - durchaus quer vorbei gehen können, ist die Musik bei den Jazzhappen so etwas wie der Erfolgsgarant des Abends. Der jazzhappenige Directeur de Musique Saxofonalist Michael Mönnig hat sich einen abwegigen Maschinenbauer eingeladen, um seine saxofonischen Töne in Gitarrensound und Klavierspiel einbetten zu lassen. Der Abwegige ist der als "Schraubenyeti" bekannte Martin Lischke.

Das Ergebnis der tönenden Symbiose wird mit RoggnRohl (der Görlitzer Anzeiger toleriert fremdsprachliche Fachausdrücke und leistet so einen wichtigen Beitrag zum weiteren multikulturellen Voranschreiten der Stadt Görlitz) recht treffend umschrieben.

Prädikat: Unbedingt hingehen!

Sonntag, 22. Februar 2015, 19 Uhr,
Apollo Görlitz, Hospitalstraße 2, 02826 Görlitz.

Tickettipp: Vorverkauf!
Ganz entgegen dem geflügelten Wort vom "erst verraten, dann verkauft" läuft das bei den Jazzhappen: Hier werden die Eintrittskarten zuerst an den interessierten Kulturfreund und die geneigte Kulturfreundin verkauft, um sich dann die Tür zum Verrat am Publikum offen zu lassen. "Dafür sind wir '89 aber nicht auf die Straße gegangen", haucht die Bordsteinschwalbe, lässt sich aber durch die Aussicht auf die bewährt leckeren Häppchen aus dem Görlitzer Café am Flüsterbogen, die bei den Jazzhappen im Apollo verabreicht werden, besänftigen. Erst kommt das Fressen, dann die Kultur, wusste schon BB (nein, nicht die Bardot, Du Banause!).

Da nicht rohölabhängig, bleibt der Ticketpreis bei 15 Euro, die gern an der Görlitzer Theaterkasse und an allen weiteren Vorverkaufsstellen - wer sie kennt - entgegengenommen werden. Wer gern klickert, kann den modernisierten Online-Ticketshop des Gerhart-Hauptmann-Theaters nutzen.

Die Vorverkaufsnutzung ist sehr zu empfehlen, weil der Besitz der Tickets die Vorfreude auf das vom sicheren Publikumsplatz aus genießbare Bühnenerlebnis weiter steigert. Kurz vor Vorstellungsbeginn könnte sich das Investment wegen der dann spekulativ erwarteten radikalen Angebotsverknappung zudem als äußerst lohnend erweisen: Tickets für 25 Euro verscheuern und mit der Knete in eine richtige Kneipe gehen erspart die Qualen der Görlitzer Hochkultur.


Schraubenyeti: Nie gesagt


Schraubenyeti: Bedingungslos

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  • Quelle: red | Foto Jaroslav Rudiš: Jan Rasch, Foto Martin Lischke: © Martin Lischke
  • Erstellt am 30.01.2015 - 10:06Uhr | Zuletzt geändert am 30.01.2015 - 12:05Uhr
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