Altlast saniert - Erinnerung an ein sächsisches Metropolis

Altlast saniert - Erinnerung an ein sächsisches MetropolisLauta. Die Grundwasser-Altlast des zwischen Hoyerswerda und Senftenberg gelegenen ehemaligen Lautawerks ist fast bereinigt. Die Reinigungsanlage für das Grundwasser konnte am 31. Oktober 2007 abgeschaltet werden.

Reinigungsanlage für Grundwasser konnte abgeschaltet werden

Reinigungsanlage für Grundwasser konnte abgeschaltet werden

Das Lautawerk im Oktober 2007: Ackerland, wo einst Aluminium geschmolzen wurde.
Kleines Bild: Der ehemalige Werkswasserturm.
Fotos: /BeierMedia.de

Die Messwerte der letzten zwölf Wochen ergaben so geringe Schadstoffmengen, dass künftig das Grundwasser unbehandelt in das Gewässer geleitet werden kann. Die Werte des Grundwassers würden aber weiter gemessen und die Entwicklung der Schadstoffmengen weiter beobachtet. Bei einer eventuellen Verschmutzung wird das Grundwasser sofort entnommen und gereinigt.

Im Lautawerk wurde seit 1917 Aluminium produziert. Es wurde auf der "Lautaer Heide" erreichtet, um den Bedarf für den 1. Weltkrieg zu decken. Der hohe Grundwasserschaden ist vor allem durch die Generator-Gas-Produktion zwischen 1917 und 1968 entstanden. Das Aluminiumwerk wurde 1990 stillgelegt und abgerissen. Übrig blieben verseuchter Boden und vergiftete Gewässer. Die Bewohner der Region litten jahrzehntelang unter dem Gestank und Schadstoffaustritten in den Oberflächengewässern.

Aufgrund der immensen Umweltschäden, die das ehemalige Lautawerk hinterließ, wurde dieses im Jahr 1993 zu einem von vier ökologischen Großprojekten im Freistaat Sachsen erklärt. Um das Grundwasser in Lauta zu sanieren, war es zunächst notwendig, die hinterlassenen Teerteiche zu beseitigen. Dabei handelte es sich um nicht abgedichtete Erdbecken - insgesamt so groß wie vier Fußballfelder - in die bis 1968 hochbelastetes Wasser eingespült worden war. Bei der Sanierung dieser Teiche in den Jahren 2003 bis 2005 wurden 230.000 Tonnen Teer sowie Bauschutt und verseuchter Boden entsorgt. Die weitere Sanierung obliegt alllein dem Freistaat Sachsen, der dafür vom Bund zwei Millionen Euro erhielt.

Ganz unproblematisch wird der Standort allerdings nicht werden, ist doch auf dem ehemaligen Werksgelände eine Müllverbrennungsanlage - gegen den Widerstand vieler Einwohner - in Betrieb genommen worden.

Der Abriss des Aluminiumwerks hat der Stadt an sich gut getan: Die ehemalige Werkssiedlung - ähnlich der berühmten Gartenstadt "Marga" in Senftenberg - ist heute nahezu vollständig saniert und bietet ein faszinierendes Wohnumfeld in der Architektur der frühen zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts - für Liebhaber ist eine Stippvisite unbedingt zu empfehlen.

Auf dem ehemaligen Gelände siedeln sich nach und nach Firmen an, vor allem in der ehemaligen Berufsschule, die heute Technologiezentrum ist, versucht man, dem wirtschaftlichem Aufschwung auf die Beine zu helfen.

Im Lautaer Technologiezentrum sind in den Fluren Fotos alter Werksansichten ausgestellt. Es bietet sich ein Eindruck von einem gewaltigen, fast gespenstisch anmutendem Werk, das an Fritz Langs "Metropolis" erinnert.

In der Realität erinnern vor allem der stehen gebliebene Werkswasserturm und blühende Landschaften an ein bedeutendes Zeugnis des Industriezeitalters.

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Kommentare Lesermeinungen (1)
Lesermeinungen geben nicht unbedingt die Auffassung der Redaktion, sondern die persönliche Auffassung der Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich das Recht zu sinnwahrender Kürzung vor.

Problem besteht weiter

Von Dr. Volker Punzel am 23.01.2016 - 12:18Uhr
Auch wenn dieser Beitrag bereits 2007 erschienen ist, kann er nicht unkommentiert bleiben.

Die damals erfolgte Abschaltung der Reinigungsanlage für Grundwasser bedeutete nicht, dass das damit verbundene Problem - Kontaminierung des Grundwassers, Verunreinigung des Bodens, phenolhaltige Luftströmungen - behoben war.

Der Boden wird noch über viele Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte kontaminiert sein.

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  • Zuletzt geändert am 01.11.2007 - 13:01 Uhr
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