Oberlausitzer Aluminiumgeschichte

Oberlausitzer AluminiumgeschichteGörlitz, 23. März 2022. Von Thomas Beier. "Das ist ja nur aus Aluminium" ist ein Spruch, den man gar nicht so selten hört und oft im Zusammenhang mit einem Vergleich zu Edelstahl oder Stahl generell steht. Das abwertende "nur" ist allerdings ungerechtfertigt.

Abb.: Die frühere Berufsschule des Lautawerkes ist heute Sitz des Technologieparks Lauta

Archivbild: © Bautzner Anzeiger

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Das Lautawerk, einst größte Aluminiumhütte Europas

Das Lautawerk, einst größte Aluminiumhütte Europas

Blick auf die spärlichen Überreste des Lautawerkes vor der Nutzung der Fläche für Photovoltaik

Archivbild: © Bautzner Anzeiger

In vielen Fällen wäre tatsächlich ein bewunderndes "Das ist ja aus Aluminium!" besser angebracht, machen doch Legierungen mit anderen Elementen Aluminium zu einem Werkstoff mit unvergleichlichen Eigenschaften. Dabei ist die Geschichte des Aluminiums noch jung: Erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts konnten größere Stücke erzeugt werden. Zwar ist Aluminium das häufigste Metall in der Erdkruste, kommt jedoch nicht in reiner Form vor, sondern muss mit viel elektrischer Energie gewonnen werden.

Als der Erste Weltkrieg sich im Stellungskampf festgefahren hatte und das Deutsche Reich unter Wilhelm Zwo wirtschaftlich weitgehend isoliert war entwickelte man eine Strategie, mit der die Wirtschaft möglichst unabhängig von Importen werden sollte. In dieser Zeit, genauer im Jahr 1917, wurde in Berlin die Vereinigte Aluminiumwerke AG (VAW) gegründet.

Zusätzlich zu den Produktionsstätten für Aluminium in Bitterfeld, Rummelsburg und Horrem bei Köln entstand völlig neu das Lautawerk bei Lauta / Łuty, gelegen an der heutigen Bundesstraße B 96 zwischen Hoyerswerda / Wojerecy und Senftenberg / Zły Komorow. Nach einer Bauzeit von nur 18 Monaten begann hier bereits 1918 die Aluminiumproduktion. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs entwickelte sich das Werk, in dem auch tausende Zwangsarbeiter schufteten, zur größten Aluminiumhütte Europas. Die Rote Armee begann am 10. Mai 1945, zehn Tage nach ihrem Einmarsch, sofort mit der Demontage des teils zerstörten Werkes, erst 1964 konnte die Produktion wieder aufgenommen werden: Wieder ging es darum, Importe möglichst zu vermeiden.

Kohle sorgte für wirtschaftlichen Aufschwung in Lauta

Ausschlaggebend für die Standortwahl war die Verfügbarkeit von Braunkohle, die in einem eigenen Kraftwerk für die Aluminiumproduktion verstromt wurde. Parallel zum Werk entstanden zwei Werkssiedlungen, zunächst Lauta-Nord und ab 1928 die Siedlung Erika, benannt nach der nahegelegenen Braunkohlengrube. Beide Siedlungen sind als Gartenstädte angelegt, was auch der Selbstversorgung der Bewohner mit Obst und Gemüse dienen sollte. Heute sind die Siedlungen saniert und bieten eine beeindruckende Wohnqualität.

Vom beeindruckenden Lautawerk ist allerdings fast nichts mehr zu sehen, es wurde seit 1990 dem Erdboden gleichgemacht, nur ein Wasserturm und eine Halle stehen noch. Das Lautawerk war ein enormer Umweltverschmutzer, zwei zurückgebliebene Teerseen mussten über viele Jahre hinweg wie der Standort insgesamt aufwendig saniert werden. Nur ein einziger positiver Einfluss auf die Umwelt entfiel mit der Werksschließung: Die Einleitung von Abwässern in den Senftenberger See hatte dessen pH-Wert stabilisiert.

Das auf dem Werksgelände eingerichtete Industrie- und Gewerbegebiet erfreut sich mäßigen Erfolgs. Nennenswert ist die überdimensionierte Müllverbrennungsanlage, thermische Abfallbehandlung genannt. In der ehemaligen Berufsschule, aus der ein Technologiezentrum gemacht wurde, haben sich kleinere Unternehmen angesiedelt. Manche haben sich so erfolgreich entwickelt, dass sie an andere Standorte umgezogen sind. Ein Großteil der Fläche wird für Photovoltaik genutzt.

Tipp:
Auf den Fluren des Technologiezentrums Lauta sind Bilder ausgestellt, die das Lautawerk in seiner gespenstischen Schönheit zeigen.

Aluminium heute

Nachdem Aluminium erstmals hergestellt werden konnte, war es so teuer, dass es sogar zu Schmuck verarbeitet wurde. Später waren über Jahrzehnte hinweg Kessel und Töpfe aus Aluminium in jedem Haushalt zu finden und die Münzen der “DDR”-Währung wurden nicht ohne Grund “Alu-Chips” genannt, nur das 20-Pfennig-stück war aus Messing.

Heute spielt Aluminium seine bemerkenswerten Eigenschaften in der Technik aus: In entsprechenden Legierungen ist es nicht nur leicht, sondern auch fest und kann im besonderen Verfahren sogar gehärtet werden. Hinzu kommt die gute Leitfähigkeit für elektrischen Strom und Wärme.

Viele Anwendungen setzen auf Aluminium als Konstruktionswerkstoff. Bei Autos und bei der Bahn etwa sorgt die Verwendung von Aluminium statt Stahl für Energieeinsparungen. Als Konstruktionswerkstoff findet Aluminum Verwendung, wenn es um schnelle und flexible Montageaufgaben geht: Leicht, stabil und verschraubbar ist ein Aluminium Systemprofil in unterschiedlichen Ausführungen bei vielen Anwendungen auch im Heimwerkerbereich zum Ersatz für teuer gewordenes Holz geworden.

Lauta in der Oberlausitz?

Lauta, gelegen im Norden des Landkreises Bautzen, gehört historisch zur Oberlausitz, heute ist die Situation jedoch Paradox, denn zu Zeiten der “DDR” wurden Lauta und das benachbarte Hoyerswerda dem “Energiebezirk” Cottbus und damit der Niederlausitz zugeordnet. Doch während sich Hoyerswerda, das sich im Zuge der Länderbildung für Sachsen optiert hatte, sich heute ebenso wie etwa Ruhland zur Oberlausitz bekennt, beharren die renitenten Lautaer und Lautaerinnen auf ihrer Niederlausitzer Identität, was womöglich auch der Nähe zu Senftenberg geschuldet ist. Wer als Auswärtiger jetzt amüsiert mit dem Kopf schüttelt: Streng genommen gibt es keine Lausitz, sondern nur die beiden Lausitzen, eben die Oberlausitz und die Niederlausitz.

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  • Quelle: Thomas Beier | Fotos: © Bautzner Anzeiger
  • Erstellt am 23.03.2022 - 11:34Uhr | Zuletzt geändert am 23.03.2022 - 12:40Uhr
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