DIY mit Aluminium

DIY mit AluminiumGörlitz, 12. Februar 2021. Von Thomas Beier. Ein von vielen Heimwerkern zu wenig beachtetes Material ist Aluminium. Heimwerker – das sind die Leute, die vieles von dem, wofür andere professionelle Handwerker anheuern müssen, selbst machen. Dieses “Mach’ es selbst!” hat über den klassischen Heimwerker hinaus unter dem Dachbegriff “Do it yourself!” - kurz DIY - eine regelrechte Bewegung geschaffen, für deren Anhänger die handwerkliche Betätigung ein Stück Selbstverwirklichung ist.

Abb. oben: Handgefertigter Wasserkessel aus der Werkstatt von Ernst Beier, Globenstein bei Rittersgrün, ca. 1930

Foto: © BeierMedia.de

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Aufs Aluminium gekommen

Aufs Aluminium gekommen

In einer Aluminiumdrückerei in Istanbul

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Wer sich für Technologiegeschichte interessiert, für den ist Sachsen eine reiche Fundgrube. Für die Aluminiumherstellung war das Jahr 1917 ein entscheidender Punkt, als mit dem Bau des Lautawerkes im Norden des heutigen Landkreises Bautzen begonnen wurde. Zeitgleich begann der Bau der Gartenstadt Lauta-Nord,der ab 1928 die Gartenstadt Erika folgte - wobei: Stadtrecht für Lauta gab es erst 1965. 1990 kam sehr schnell das Aus für die Aluminiumproduktion, heute ist vom einst beeindruckenden Werk, von dem viele Bilder auf den Fluren der LAUTECH GmbH, die sich auf dem früheren Werksgelände befindet, zu sehen sind.

Der Hintergrund der Stillegung der Aluminiumproduktion, für die viel Elektroenergie benötigt wird, waren wohl drei Aspekte: Die enorme Umweltbelastung durch das Lautawerk, die auf Braunkohleverstromung basierende eingesetzte Energie und die geringe Qualität des als Ausgangsstoff aus Ungarn gelieferten Bauxits. Allerdings wurde in Lauta erfolgversprechend an Technologien geforscht, das Bauxit durch einheimische Tonerden zu ersetzen.

Aluminium in der Familiengeschichte

Mit einiger Wahrscheinlichkeit verarbeitete mein Großvater Ernst Beier, der während der Weltwirtschaftskrise im erzgebirgischen Globenstein selbständiger Metalldrücker war, Aluminium aus Lauta. In seiner Werkstatt entstanden Töpfe und Wasserkessel, indem Aluminium-Ronden mit Hilfe von Drückeisen von Hand über rotierende Formen gedrückt wurden. Weil der gesamte Körper eingesetzt werden musste, um die nötige Kraft aufzubringen, und der Drückstahl an den Rippen anlag, erkannte man Metalldrücker an den im Laufe der Jahre trotz spezieller Schürzen einseitig verformten Rippen. Mit Hilfe raffinierter Teilfutter konnten sogar sich verjüngende Formen wie etwa Wasserkessel aus einem Stück gedrückt werden. Geliefert hat er seine Aluminiumwaren bis nach Hamburg. Heute sind Metalldrücker ein selten gewordenes Handwerk, allerdings habe ich vor einigen Jahren in Istanbul eine Werkstatt gefunden, die noch auf traditionelle Weise produziert. Vielleicht gelingt es ja, die aus dem Erzgebirge erhaltene Drückbank, einige Drückfutter und Werkzeuge noch einmal zum Leben zu erwecken.

Ein leichter und haltbarer Universalwerkstoff

Aluminium hat viele positive Eigenschaften: Es ist ausgesprochen leicht und sehr haltbar, denn es korrodiert an der Luft und vielen wässrigen Umgebungen nur an der Oberfläche, die sich dadurch so abdichtet, dass der Korrosionsprozess darunter nicht fortschreiten kann. Die Oberfläche kann unterschiedlich ausgeführt werden, etwa gebürstet, sandgestrahlt oder poliert, außerdem beschichtet oder eloxiert werden. Mechanisch weist Aluminium zwar nicht die Festigkeit von Stahl auf, diese kann aber durch die Legierung mit Magnesium, Silizium und Mangan deutlich verbessert werden. Weil sich Aluminium gut verarbeiten lässt – es lässt sich leicht zerspanen und umformen und kann mit speziellen Verfahren geschweißt und gelötet werden – ist es hervorragender Konstruktionswerkstoff, nicht nur etwa beim Leichtbau im Flugzeugbau, in der Automobilindustrie oder – wie bei BORBET in Kodersdorf bei Görlitz – als Aluminium-Druckguss für Felgen, sondern eben auch im DIY-Bereich. Zu zweifelhaftem Ruhm brachte es die aus Aluminium geprägte "Mark der DDR"; bei den sogenannten Alu-Chips zeigte sich jedoch ein weiterer Vorteil des Aluminiums: Es ist vollständig recyclebar.

Selbermacher setzen Aluminium – kurz Alu genannt – heute ein, wo es auf leichte oder platzsparende Konstruktionen ankommt. Für vielen Anwendungen ist Holz zu voluminös, weil es in den meisten Fällen dicker ausgeführt werden muss als ein Funktionsteil aus dem Leichtmetall. Manche schätzen auch die technische, sachlich-moderne Anmutung von Aluminium-Konstruktionen. Wer nach Anregungen sucht, findet auf dieser Webseite für Aluprofile in der Galerie eine Reihe von Anwendungsbeispielen vom Hochbett und Party-Kühlschrank über ein Katzengitter für den Balkon und anderes mehr bis hin zu Rationalisierungsmitteln.

Tipps:
Aluminium ist als Konstruktionswerkstoff gesundheitlich unbedenklich, nur hat Aluminium in Lebensmitteln und besonders in Deos im Grunde nichts verloren. Der aus Sicht vieler fragwürdige Lebensmittelzusatzstoff E173 enthält Aluminium, um etwa den Glasuren auf Backwaren eine silbrige Farbe zu geben. Auch sollte der Kontakt bestimmter Lebensmittel, insbesondere salziger oder saurer, mit Aluminium in Form von Gefäßen oder Folie vermieden werden.
Fahrzeugteile aus poliertem Aluminium sind empfindlich gegenüber Streusalz und Lauge. Besonders bei Oldtimern ist Aluminium teils ungeschützt verbaut, es muss lackiert oder behelfsweise eingewachst werden – am besten ist es aber, das gute Stück im Winter in der Garage zu lassen. Nach Tauwetter den ersten kräftigen Regen abwarten, damit das Tausalz wirklich von der Straße abgewaschen ist!

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  • Quelle: Thomas Beier | Fotos: © BeierMedia.de
  • Erstellt am 12.02.2021 - 09:16Uhr | Zuletzt geändert am 12.02.2021 - 10:46Uhr
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