Flexibel gegen die Corona-Pandemie

Flexibel gegen die Corona-PandemieGörlitz, 3. März 2021. Von Thomas Beier. In der Corona-Krise lernt die Politik: An die Stelle einheitlicher, damit als zementiert wahrgenommener Meinungen einer Herde, die – um nicht vom Leithammel zu sprechen – ihrem Hüter resp. ihrer Hüterin an den Lippen hängt, treten flexible, ja regelrecht agile Bewertungen der aktuellen Situation. Da macht die CDU keine Ausnahme.

Abb.: Die inzwischen in großer Zahl bereitstehenden Testmöglichkeiten erlauben es, die Strategie zur Eindämmung des Coronavirus SARS-CoV-2 zu ändern

Symbolfoto/Bildquelle: Stephan Hösl, Pixabay License (Bild beschnitten)

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Mittelstands- und Wirtschaftsunion drückt auf Tempo

Thema: Coronavirus

Coronavirus

Infektionen mit dem Coronavirus (SARS-CoV-2) verlaufen pandemisch. Lebensgefahr besteht bei einer Erkrankung an Covid-19 vor allem für Immungeschwächte und Ältere. Vielfältige Maßnahmen sollen die Ausbreitung verlangsamen, um medizinische Kapazitäten nicht zu überlasten sowie Zeit zur Entwicklung eines Medikamentes und eines Impfstoffs zu gewinnen. Im Blickpunkt stehen auch die Wirtschaft und soziale Auswirkungen.

So hatte bereits im Februar Dr. Markus Reichel als Kreisvorsitzender der CDU Dresden mit Erik Bodendieck, Präsident der Sächsischen Landesärztekammer, über Corona-Schutzimpfungen auch durch Haus-, Fach- und Betriebsärzte gesprochen. Bislang wird das durch die Impfverordnung des Bundes verhindert. Der CDU.Mann rannte bei Bodendieck offene Türen ein. Bodendieck verwies darauf, dass die Vakzine von Moderna und AstraZeneca für das Impfen in Arztpraxen geeignet sind. Dr. Reichel betonte, dass jeder vorhandene Impfstoff tatsächlich verimpft werden müsse; wenn es in den priorisierten Zielgruppen dafür zu wenig Akzeptanz gebe, dann an jeden Impfwilligen. Überhaupt machen die Dresdner CDU-Leute Druck. "Die Bundesregierung und die Länder haben bei ihrem nächsten Treffen nicht nur ein Öffnungskonzept zu präsentieren, sondern auch die ersten Umsetzungsschritte sofort zu beschließen", tönte es erst vorgestern aus ihren Reihen.

Dr. Reichel, der auch Landesvorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsunion*) (MIT) der CDU Sachsen ist, lehnt die Orientierung am Inzidenzwert von 35 ab und meint: "Wir haben die vergangenen zwölf Monate die Pandemie durch die Nutzung jahrhundertealter Methoden erfolgreich, aber mit enormem Kollateralschaden eingedämmt. Wer mit offenen Augen durch das Land geht, sieht, dass dieses Vorgehen seine Grenzen bereits lange erreicht hat. Wir müssen flexibler, innovativer, präziser, zielgenauer werden. Wer ein gutes Hygiene- und Abstandskonzept vorweisen kann, wer zudem noch eine digitale Anmelde-App nutzt, mit der sich Kontakte schnell und leicht nachvollziehen lassen, wer vielleicht Schnelltests für Kunden anbietet oder Testnachweise von Gästen und Kunden kontrolliert, muss wieder öffnen dürfen." Explizit verweist Dr. Reichel auf die Außengastronomie, die bei guten Konzepten verantwortbar sei.

Politik im Spannungsfeld

Der MIT Kreisverband Görlitz fordert einen Stufenplan dafür, wer wann und unter welchen Bedingungen öffnen dürfe. Die Görlitzer wollen dabei vor allem auf Schnelltests und digitale Tools zu setzen, um das wirtschaftliche Leben auch in den stark betroffenen Bereichen wieder zu aktivieren. Sylke Jennewein ist die Vorsitzende der MIT im Kreisverband Görlitz. Sie meint, der Stufenplan dürfe sich nicht allein auf Inzidenzwerte stützen. Vielmehr sollten auch Parameter wie der R-Wert, die Auslastung der Krankenhäuser und Intensivstationen sowie das konkrete Infektionsgeschehen einbezogen werden. Jennewein: "Der Stufenplan muss bundesweit gelten, aber wichtig ist, dass er regional umgesetzt wird."

In anderen Worten: Sobald das Infektionsgeschehen in einer Region zurückgeht und damit die mögliche Überlastung von Krankenhäusern erst einmal vom Tisch ist, kann gelockert werden – wobei klar sei muss: Das Risiko, dass dann wieder mehr Menschen an Covid-19 erkranken – mögliche Spätfolgen und Sterberisiko inklusive – wird damit in Kauf genommen. Und dennoch gibt es jetzt in der Pandemie wohl keinen anderen Weg mehr, angesichts der immer vehementer geforderten Lockerung des Lockdowns dem Virus zu begegnen. Die Politik stellt sich damit der schwierigen Aufgabe, das Spannungsfeld von Gesundheitsschutz, Wirtschaftsinteressen und dem Zustand der Gesellschaft – Stichwort Protestpotential – auszutarieren. Im Kommentar vom 21. Februar 2021 kann man mehr dazu nachlesen.

Zeit für Maßnahmen

Gibt es eigentlich eine Ideenbörse für vorbeugenden Infektionsschutz, neudeutsch “Best Practice”? Es wäre sicherlich interessant, die Maßnahmen aus unterschiedlichen Konzepten näher zu beleuchten und zu bewerten hinsichtlich ihrer potentiellen Wirksamkeit, Ihrer Akzeptanz und des mit den Maßnahmen verbundenen Aufwands.

Beispielsweise sind das Wirksamkeitspotential und die Kundenakzeptanz von automatischen Desinfektionsmaschinen für Einkaufswagen hoch, allerdings dürfte der Einzelhandel die Installation solcher Anlagen angesichts der Anschaffungskosten und des womöglich ins Kalkül gezogenen Wartungsaufwands, von Vandalismusschäden gar nicht zu reden, eher scheuen – Sprühflasche und Papier dagegen folgen eher dem KISS-Prinzip “Keep It Simple and Stupid” und sind dazu auch noch flexibel: Wenn kein Bedarf mehr ist, nimmt man sie einfach weg.

Tatsächlich ist die Bereitstellung von Desinfektionsstationen – ob nun als elegantes Einzelgerät für die Hände oder in der Kombination von Sprühflasche und Papier für den Einkaufswagen – im Einzelhandel eine Maßnahme mit hohem Wirksamkeitspotential bei geringem Aufwand, allerdings ist hier die Akzeptanz, wenn man das Kundenverhalten beobachtet, nur gering: Wie jeder selbst beobachten kann, nutzt nicht einmal jeder Fünfte diese Möglichkeit, das Potential für die Wirksamkeit dieses Angebots wird also nicht ausgeschöpft.

Anders, wenn eine dezentrale Lüftungsanlage – ob nun im Ladengeschäft, am Arbeitsplatz oder in der Wohnung – installiert wird. Auch hier ist das Wirksamkeitspotential bei noch immer überschaubarem Aufwand hoch, aber die Akzeptanzfrage steht gar nicht mehr – im Gegenteil, die frische Luft wird als angenehm empfunden.

Welche technischen Lösungen auch eingesetzt werden, die AHA+L-Regeln werden mehr oder weniger intensiv in der Welt bleiben, so wie das Coronavirus selbst. Wobei: Schaut man sich weltweit um, sind sie in einzelnen Ländern schon heute fester Kulturbestandteil, Deutschland muss da wohl stellenweise noch immer nachholen:


    • Abstand zueinander halten!
    • Häufiges Händewaschen und Desinfizieren!
    • Atemwegsbedeckung – möglichst eine medizinische – tragen, wo immer angebracht!
    • Lüften – auf die Qualität des wichtigsten Lebensmittels achten!

*) Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) – früher Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU genannt – ist mit rund 25.000 Mitgliedern der größte parteipolitische Wirtschaftsverband in Deutschland. Die MIT setzt sich für die Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft und für mehr wirtschaftliche Vernunft in der Politik ein.

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  • Erstellt am 03.03.2021 - 08:28Uhr | Zuletzt geändert am 03.03.2021 - 09:36Uhr
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