Wie der Handelsstreit die Weltordnung aufs Spiel setzt

Wie der Handelsstreit die Weltordnung aufs Spiel setzt Görlitz, 21. November 2018. Das Jahr, das wir hinter uns lassen werden, war voller politischer Umwälzungen, die noch vor wenigen Jahren unvorstellbar waren und auch in Görlitz für Diskussionen sorgen. Nach der Abstimmung über den Brexit wurde viel aus dem Gleichgewicht gebracht und ein Paradigma scheint in Vergessenheit zu geraten, das die Grundlage für die Politik der letzten zwei Jahrzehnte gewesen war. Der Einstellungswandel ist auf globaler Ebene weit verbreitet und wendet sich einem viel konservativeren und nationalistischeren Gefühl zu als in der jüngsten Vergangenheit. Wenige Beispiele reichen aus, um das Ausmaß der Veränderung zu quantifizieren: US Präsident Trump übernahm offensichtlich die Aufgabe, das zu zerstören, was Obama aufgebaut hat, während die Wahl von Bolsonaro zum Präsidenten Brasiliens die Ära von Lula endgültig beendete. Selbst Angela Merkel, eine Symbolfigur Deutschlands – und Europas – kündigte an, ihren Parteivorsitz aufzugeben.
Abbildung oben: Hier an der New Yorker Börse, der New York Stock Exchange (NYSE) in der Wall Street, werden die wirtschaftlichen Auswirkungen der Politik sichtbar

Die Karten werden auf Jahrzehnte neu gemischt

Die Karten werden auf Jahrzehnte neu gemischt

Quelle: trademachines.de/info/handelskriege

Es gibt jedoch ein Problem, das sich vor dem Hintergrund dieser politischen Veränderungen abhebt. Nach den Entscheidungen des Weißen Hauses vom Januar könnte sich der Handel zwischen den Weltmächten aus den traditionellen Bahnen lösen und unterschiedlichste Richtungen und Intensitäten annehmen. Angesichts der Strafzölle könnten neue Allianzen entstehen, die die politische Achse zwischen Ost und West beeinträchtigen.

Genau aus diesem Ost-West-Konflikt ist der von Washington provozierte Zollkrieg entstanden. Was den US-Markt seit einer Weile beunruhigt, ist die Stärke des chinesischen Handels, die seit dem Zugang Chinas zum Weltmarkt im Jahr 2001 zunehmend präsent ist.

Nach Angaben des amerikanischen Präsidenten haben die USA ein nicht mehr tolerierbares Handelsdefizit mit China aufgebaut – begünstigt durch die niedrigen Preise für Waren aus dem Osten. Darauf beruht die Entscheidung der US-Regierung, Importwaren – vor allem von chinesischen Partnern – extra zu besteuern. Diese Entscheidung beeinträchtigt jedoch auch den Handel mit allen anderen internationalen Partnern und untergraben somit das politische Vermögen mit historischen Verbündeten wie der EU.

Die berühmten Stahl- und Aluminiumzölle, die als Abschreckung für Importe aus Peking gelten sollen, würden ganz andere Ziele treffen, da China nicht einmal zu den ersten zehn Ländern gehört, die die USA mit diesen Rohstoffen versorgen.

Der Handelskrieg könnte angesichts seines Bruchs mit der Vergangenheit der Auftakt zu einer geopolitischen Ordnung sein, die sich mit den Neuausrichtungen der einzelnen Nationen auseinandersetzen muss. Laut Alibaba-Gründer Jack Ma – Chinas prominentester Milliardär – wird der Krieg noch mindestens 20 Jahre dauern. Experten sind sich einig: Unter diesem Handelskrieg werden Ökonomien auf der ganzen Welt leiden.

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  • Zuletzt geändert am 21.11.2018 - 06:43 Uhr
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