Kammermusikfest Oberlausitz kommt im September 2021

Kammermusikfest Oberlausitz kommt im September 2021Bautzen / Budyšín | Görlitz, 8. Januar 2021. Die Oberlausitz und die Niederlausitz, nicht ganz korrekt übergreifend gern die Lausitz genannt, entwickeln sich zur Festival-Region, was die klassische Musik betrifft. Für September 2021 hat sich nach der Erstausgabe im Jahr 2020 das "Kammermusikfest Oberlausitz" erneut angekündigt.

Abb.: Schloss Königshain, ein Kleinod der Region Görlitz, wird einer der Veranstaltungsorte des Kammermusikfestes

Archivbild: © Görlitzer Anzeiger

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Musikalische Entdeckungsreisen mit seltener aufgeführten Kompositionen

Im Gegensatz zum Oberlausitzer Sechsstädtebundfestival "Kommen und Gehen" und zum hoch angebundenen "Lausitz Festival" waren beider Erstausgabe des Oberlausitzer Kammermusikfests keine Fördermittel im Spiel, bei freiem Eintritt wurde für die Finanzierung durchaus erfolgreich allein auf Spender gesetzt wurde. Doch diesmal wird es anders kommen: Einheitliche Ticketpreise von 15 Euro sollen helfen, den Eigenanteil für die anzuzapfenden Fördertöpfe zusammenzubekommen. Dennoch ist das "Kammermusikfest Oberlausitz" für das Konzertpublikum und sonstige Mäzene eine erstklassige Anregung, darüber nachzudenken, was einem so ein Kulturangebot wert ist. Jedenfalls sind die Großkopfeten dem Festival gewogen: Ministerpräsident Michael Kretschmer engagiert sich als Festivalbotschafter und die Schirmherrschaft hat ein Trio aus Kulturstaatsministerin Barbara Klepsch und dem Bautzener Landrat Michael Harig sowie seinem Amtsbruder Bernd Lange aus Görlitz übenommen.

Und das ist auch gut so, denn nach dem Vorjahresstart im Landkreis Bautzen expandiert das Festival nun auf ganz Ostsachsen, sprich: auch auf den Landkreis Görlitz. Sieben Konzerte in sechs Schlössern und Kirchen stehen im Plan; Festspielorte sollen unter anderem Schloss Milkel / Minakał bei Radibor / Radwor, Schloss Gröditz / Hrodźišćo bei Weißenberg / Wóspork, Schloss Kuppritz / Koporcy bei Hochkirch / Bukecy und Schloss Königshain, das Barockschloss Oberlichtenau bei Pulsnitz, das Zinzendorf-Schloss Berthelsdorf bei Herrnhut sowie die Evangelisch-lutherische Kirche Baruth / Bart bei Malschwitz / Malešecy. Außerdem öffnet die Klavier- und Flügelmanufaktur C. Bechstein in Seifhennersdorf ihre Tore für zwei Führungen.

Zu erleben sind mehr als 30 Musiker: Nach Ostsachsen kommen unter anderem der in interessierten Kreisen weltberühmte Bratschist Nils Mönkemeyer, der aus Rumänien stammende Konzertmeister des Hessischen Rundfunkorchesters Florin Iliescu, das international gefeierte Klavierduo Ariane Haering & Ardita Statovci, der Leipziger Nikolaikantor Lucas Pohle, mit den Kruzianern ein Kammerchor des Dresdner Kreuzchores sowie die beiden renommierten Kammerorchester Thüringer Bach Collegium und l’arte del mondo. Festivalintendant Dr. Hagen Walter Friednand Lippe-Weißenfeld verspricht musikalische Entdeckungsreisen mit seltener aufgeführten Kompositionen, die von außergewöhnlichen Künstlern aufgeführt werden.

Festivalgründer und Intendant

Nun wäre eine Online Redaktion keine Online Redaktion, wenn sie auf den Spuren des Festivalgründers und -intendanten nicht ein wenig nachgrasen würde – und siehe da, der Mann ist das, was man auf dem Lande – mit Verlaub – eine eierlegende Wollmilchsau nennen würde. Liest man die Vita des Dr. Hagen W. Lippe-Weißenfeld, dann wird deutlich, wie geistige Flexibilität und Fleiß in segensreiches Wirken münden können. Seine Familie ist seit dem beginnenden 19. Jahrhundert auch in Sachsen verwurzelt. Lippe-Weißenfeld ist ein Ur-Enkel des Landesältesten des Markgraftums Oberlausitz und Mitglieds des sächsischen Landtages sowie Eigentümers des Rittergutes Baruth bei Bautzen, Clemens Prinz zur Lippe-Weißenfeld, der von 1860 bis 1920 lebte. Die Vorfahren des selbst begeisterten Bratschisten Lippe-Weißenfeld zählten zur Herrnhuter Brüdergemeine und übersiedelten vor mehr als 150 Jahren mit dem Wunsch nach mehr räumlicher Nähe vom Lipper Land im heutigen Nordrhein-Westfalen in die Oberlausitz, da ihre Hauslehrer Herrnhuter waren. Stammsitz des ehemaligen Fürstenhauses Lippe ist Schloss Detmold in Ostwestfalen-Lippe.

Das "Kammermusikfest Oberlausitz" wird durch Kooperationen mit dem internationalen Kammermusik-Festival "Kreisau-Musik" (Krzyzowa-Music), dem "Kommen und Gehen" – Sechsstädtebundfestival, dem Sächsischen Musikrat, dem Sorbischen National-Ensemble und der Carl Bechstein Stiftung musikalisch bereichert.

Breite Unterstützung

Wie wichtig die große Gemeinschaft der Festivalunterstützer mit über 100 ehrenamtlichen Helfern, rund 40 prominenten Botschaftern aus Sachsen und ganz Deutschland – mit Ministerpräsident Michael Kretschmer an der Spitze – und der frühen Zusage zahlreicher internationaler Künstlerstars ist, zeigt auch die prominente Schirmherrschaft, meint Intendant Lippe-Weißenfeld: "Es ist ein großartiges Zeichen der Einigkeit, dass das Land und beide Landkreise bei der Unterstützung dieses Festivals Hand in Hand gehen und gemeinsam den Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien kulturell weiterentwickeln und dadurch auch zur Erhaltung wichtiger Kulturstätten beitragen. Ich danke Kulturministerin Barbara Klepsch und den Landräten Michael Harig und Bernd Lange für die Übernahme der Schirmherrschaft, die Ausdruck großer Wertschätzung für dieses große bürgerschaftliche Kulturprojekt auf dem Land ist."

Rückblick und Ausblick

Dass das Komzept aufgeht, hat sich bereits bestätigt: Mehr als 650 Besucher – angereist aus ganz Deutschland – strömten im Jahr 2020 zu sechs umjubelten Konzerten und machten damit klar, welche Anziehungskraft die Oberlausitz als geschichtsträchtiger Kulturraum entwickeln kann, wenn man den die Hebel an wirkungsvollen Punkten ansetzt. "Wenn Corona uns nicht einschränkt, werden wir rund 900 Tickets für die sieben Konzerte anbieten können, so dass jede und jeder Interessierte eine Chance bekommt, unsere großartigen Künstlerstars live zu erleben. Der Ticketverkauf wird wahrscheinlich Anfang März starten, wenn absehbar ist, wie sich die Pandemie entwickelt", kündigte Lippe-Weißenfeld an.

Auch finanziell ist der Rückblick auf die Festivalpremiere im Jahr 2020, bei der die Besucher statt Eintritt um Spenden für örtliche Projekte gebeten wurden, äußerst erfreulich, wie Festivalgründer Lippe-Weißenfeld schildert: "An allen Konzertorten kamen im Nachgang neue Projekte in Gang. In Baruth kann jetzt die Eule-Orgel saniert werden, in Gröditz können neue Stühle für den Konzertsaal angeschafft werden, in Kuppritz der Holzfußboden erneuert, in Oberlichtenau das Schlossdach repariert und im Schlosspark in Milkel die Baumbewässerung erneuert werden." Er sieht darin eine Langzeitwirkung zum Erhalt wichtiger Kulturstätten mit prägender Wirkung für die ländliche Region. Auch im Jahr 2021 sollen bei den Konzerten Spenden für die Fortsetzung der Projekte an den Konzertorten gesammelt werden.

Vormerken!


    • Freitag, den 10. September 2021:
      Gemeinsames Eröffnungskonzert mit dem Kammerorchester Thüringer Bach Collegium, dem Konzertmeister des Hessischen Rundfunkorchesters Florin Iliescu und dem Leipziger Nikolaikantor Lucas Pohle an der Orgel in der Evangelisch-lutherischen Kirche Baruth.

    • Sonnabend, 11. September 2021:
      Die Streichquartette der Staatskapelle Weimar und des Sorbischen National-Ensembles führen klassische und sorbische Kammermusik auf Schloss Milkel auf.

    • Sonntag, 12. September 2021:
      Das international bekannte Klavier-Duo "ariadita" mit der schweizerischen Pianistin Ariane Haering und der kosovarisch-österreichischen Pianistin Ardita Statovci konzertiert in der Kulturscheune des Zinzendorf-Schlosses Berthelsdorf an zwei Bechstein-Flügeln.

    • Montag, 13. September 2021:
      Vormittags sind zwei Führungen durch die Klavier- und Flügelmanufaktur C. Bechstein in Seifhennersdorf vorgesehen.

    • Montag, 13. September 2021:
      Abendliches Konzert des Abiturjahrgangs des Dresdner Kreuzchores ("twentytwo-ensemble") in der Musikakademie Schloss Kuppritz. Deren Eigentümer Sebastian Flämig ist selbst früherer Kruzianer.

    • Dienstag, 14. September 2021:
      Kulturpolitische Podiumsdiskussion auf Barockschloss Königshain zur Frage "Quo vadis, Kultur in der Oberlausitz?" Es beteiligen sich Kulturstaatsministerin Barbara Klepsch (angefragt), Yvonne Magwas (MdB, Mitglied im Kulturausschuss des Bundestages), Dr. Claudia Maicher (MdL, Vorsitzende des Kulturausschusses im Sächsischen Landtag), Joachim Mühle (Kultursekretär des Kulturraums Oberlausitz-Niederschlesien), Dr. Hagen W. Lippe-Weißenfeld (Vorstand der Kulturpolitischen Gesellschaft) und die Heike Schwarzer, Moderatorin bei MDR Kultur.

    • Mittwoch, 15. September 2021:
      Preisträgerkonzert mit Bundespreisträgern des Wettbewerbs "Jugend musiziert" aus Sachsen musizieren gemeinsam mit den Preisträgerinnen des Carl-Bechstein-Klavierwettbewerbs Adele-Marie Schäfer und Wilhelmine Freytag im Barockschloss Oberlichtenau.

    • Donnerstag, 16. September 2021:
      Auf Schloss Gröditz findet ein Sonderkonzert als Beitrag zum deutsch-jüdischen Festjahr "1.700 Jahre jüdisches Leben in der Oberlausitz" statt. Zu diesem Konzert soll ein Gespräch mit Musikern von Kreisau-Musik und ein anschließendes Kammerkonzert unter anderem mit dem Klavierquintett des aus Polen stammenden jüdischen Komponisten Mieczyslaw Weinberg geben.

    • Freitag, 17. September 2021:
      Festivalabschluss mit dem international gefeierten Bratschisten Nils Mönkemeyer und dem Kammerorchester l’arte del mondo in der Evangelisch-lutherischen Kirche Baruth.

Mehr:
Konzerttermine, die Vorstellung der Musiker, Serviceangebote und mehr sind auf der Webseite kammermusikfest-oberlausitz.de zu finden.

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  • Quelle: red | Foto: © Görlitzer Anzeiger
  • Erstellt am 08.01.2021 - 14:59Uhr | Zuletzt geändert am 08.01.2021 - 17:20Uhr
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