"Erfahrung DDR!" bleibt als Buch erhalten

"Erfahrung DDR!" bleibt als Buch erhaltenGörlitz, 17. Februar 2018. Das Kulturhistorische Museum Görlitz hatte sich im Jahr 2016 mit dem Ausstellungsprojekt "Erfahrung DDR!" der jüngeren Zeitgeschichte gewidmet, indem es Ex-"DDR"-Bürger in ihren Erinnerungen und Überbleibseln, von denen einige längst zu Devotionalien geworden sind, kramen ließ. Die Sonderausstellung hatte zur Bedingung, dass die gezeigten Stücke, die in gewisser Weise mit "Das ist noch echte Friedensware!" charakterisiert werden können, mit einer Geschichte dazu verknüpft sein mussten. Das Konzept stieß auf durchweg positive und dazu noch enorme Resonanz bei Teilnehmern und Besuchern: Wie das Museum mitteilte, wurden die Erwartungen deutlich übertroffen.
Abbildung: Die Broschüre "Erfahrung DDR!" gibt es an den Museumskassen

Preiswerte Broschüre fasst Ausstellungsprojekt zusammen

Preiswerte Broschüre fasst Ausstellungsprojekt zusammen

Denkmaltag 2016: "Erfahrung DDR!" im wahrsten Sinne des Wortes auf der Elisabethstraße in Görlitz

Thema: Ausstellungen in Görlitz

Ausstellungen in Görlitz

Görlitz verfügt nicht nur über fast 4.000 Baudenkmale, sondern ist eine Stadt der Museen und Ausstellungen. Hier befinden sich beispielsweise das Kulturhistorische Museum, das Schlesische Museum zu Görlitz, das Museum der Fotografie und das Senckenberg Museum für Naturkunde, im polnischen Teil der Europastadt das Lausitz-Museum. Darüber hinaus gibt es häufig Sonderausstellungen an anderen Orten.

Im von Dr. Jasper von Richthofen geleiteten Museum war man sich schon bei der Projektidee zu "Erfahrung DDR!" klar, sich auf ein Experiment einzulassen. Würden die Görlitzer überhaupt reagieren? Was, wenn nur Belanglosigkeiten eingereicht würden oder gar einer rosarot gefärbten "DDR"-Nostalgie gehuldigt würde?

So gesehen hat das Kulturhistorische Museum Görlitz Neuland betreten. Mit Hilfe von Multiplikatoren und Aktionen waren die Görlitzer zur Auseinandersetzung mit ihren Erinnerungen an das Leben in der "DDR" und des dort erlebten Lebensabschnittes aufgerufen worden. Dank ihrer Leihgaben mit persönlichen Geschichten entstand eine Ausstellung, die dokumentierte, dass Geschichte nicht immer stringent interpretierbar ist. Dazu trugen die vom Kulturhistorischen Museum initiierten zeitgeschichtlichen und aktuellen gesellschaftlichen Diskussionen bei.

Möglich wurde das Ausstellungsprojekt dank der Projektförderung durch die Kulturstiftung des Bundes im Fonds Stadtgefährten.

"Erfahrung DDR!" nun auch gedruckt

Nun wäre das Kulturhistorische Museum kein Museum, wenn es sich nicht dafür eingesetzt hätte, die für die Ausstellung ausgegrabenen Erinnerungen an die Zeit der SED-Diktatur in Görlitz auch für nachfolgende Generationen zu erhalten. Deshalb hat das Kulturhistorische Museum die Erfahrungen aus dem Projekt, eine Auswahl an Exponaten mit den Leihgeberinformationen sowie Auszüge aus den Gästebüchern der Ausstellung in einem Buch zusammengefasst.

Ein Stück Erfahrung mitnehmen!
Für alle Leihgeber der Sonderausstellung "Erfahrung DDR!" liegt das gleichnamige Buch im Format A5 ab sofort kostenlos zur Abholung an der Museumskasse im Kaisertrutz bereit. Wer das Buch ebenfalls haben möchte, um seine eigene Erfahrungen zu vergleichen oder vielleicht, weil er gar keinen "Erfahrung DDR!" hat, kann die im Verlag Graphische Werkstätten Zittau veröffentlichte Publikation an den Museumskassen im Barockhaus Neißstraße 30 und im Kaisertrutz, Platz des 17. Juni 1, für zum Preis von zwei Euro erwerben. Außerdem gibt es den 400-seitigen Projektbericht via Buchhandel.


Kommentar:

Wer A sagt, muss auch B sagen, weiß der Volksmund und spielt damit darauf an, dass sich Leute möglichst berechenbar verhalten sollten. Obgleich ich der festen Überzeugung bin, dass diese Volksweisheit nicht stimmt, wäre es doch konsequent, wenn das Kulturhistorische Museum Görlitz ein weiteres Ausstellungsprojekt angehen würde, das sich mit der Erfahrung aus der Zeit von der Friedlichen Revolution bis zur weitgehenden auch mentalen Ankunft der Ossis in der Bundesrepublik beschäftigt. Auszustellen wären Erfahrungsgeschichten, wie man sich selbst an die neuen Verhältnisse angepasst hat und wie man das bei anderen erlebt hat.

Das allerdings wäre weit diffiziler, als Sachen und Geschichten zu zeigen, an denen das Leben in der "DDR" festgemacht wurde – zumal die Erlebnisgeneration hier noch weit präsenter ist. Mit künstlerischen Mitteln hatte das Menschenrechtszentrum Cottbus bereits 2014 versucht, sich der gesellschaftlichen und politischen Dimension der Erfahrungen aus der "DDR" zu widmen. Görlitz könnte nun die Zeit von 1990 bis 1995 in den Fokus rücken, für die einen eine Zeit voller Brüche, für die anderen lediglich die Orientierung an einer neuen Fahne, für die einen eine Zeit der Chancen, für die anderen der Ohnmacht.

Aber sind es nicht solche Zeiten, die Kulturgeschichte spannend machen,

fragt Ihr Thomas Beier


"Erfahrung DDR!" im Görlitzer Anzeiger:

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  • Quelle: red | Grafik Buchtitel: Dimitar Stoykow, Kulturhistorisches Museum Görlitz
  • Zuletzt geändert am 17.02.2018 - 08:06 Uhr
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