Das Buch zur Görlitzer Altstadtmillion

Das Buch zur Görlitzer AltstadtmillionGörlitz, 2. August 2017. Wenn jemand über ein beträchtliches Vermögen verfügt und dies jährlich enorme Erträge liefert, gibt es im Grunde drei Möglichkeiten, diese unterzubringen: Man kann die Erträge reinvestieren, um noch mehr Erträge zu erhalten, zweitens kann man das Geld verprassen (was wenigstens die Wirtschaft stärkt) oder man kann es – als edelste Variante – dafür verwenden, was einem am Herzen liegt. Die dritte Variante dürfte die Grundlage dessen gewesen sein, was 22 Jahre lang als "Altstadtmillion" nach Görlitz floss und heute als das "Wunder von Görlitz" bezeichnet wird.

Abb.: Bürgermeister Dr. Michael Wieler bei der Buchpräsentation

Bildquelle: Görlitzer Sammlungen für Geschichte und Kultur

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Buch fasst die 22 Jahre des Geldregens und dessen sorgsame Verwendung zusammen

Buch fasst die 22 Jahre des Geldregens und dessen sorgsame Verwendung zusammen

Fritz Tyschler (3. v. r.) ist Eigentümer der Bismarckstraße 19 und zeigte den Gästen eine Besonderheit des 1896 errichteten Wohngebäudes: die Wandfliesen mit Görlitzer Stadtansichten, restauriert mit Mitteln der Görlitzer Altstadtstiftung.

Thema: Ausstellungen in Görlitz und Umgebung

Ausstellungen in Görlitz und Umgebung

Görlitz verfügt nicht nur über fast 4.000 Baudenkmale, sondern ist eine Stadt der Museen und Ausstellungen. Hier befinden sich beispielsweise das Kulturhistorische Museum, das Schlesische Museum zu Görlitz, das Museum der Fotografie und das Senckenberg Museum für Naturkunde, im polnischen Teil der Europastadt das Lausitz-Museum. Darüber hinaus gibt es häufig Sonderausstellungen an anderen Orten, auch im Umland der Stadt sowie in der Dreiländerregion von Sachsen, Tschechien und Polen.

Die Geschichte der Görlitzer Altstadtmillion auf den Punkt gebracht: Ein unbekannter Gönner überwies der Stadt jährlich erst eine Million DM (in Euro rund 511.500) für den Erhalt Görlitzer Kulturdenkmale. Mit der Ausstellung "Das Wunder der Görlitzer Altstadtmillion" im Kaisertrutz zeigen die Görlitzer ihre Dankbarkeit. Noch bis zum 31. Oktober 2017 sind hier in einer Sonderausstellung 19 ausgewählte Projekte als Beispiel für die Mittelverwendung zu sehen.

Nun ist das Millionen-Wunder auch in Buchform verfügbar, herausgegeben von den Görlitzer Sammlungen für Geschichte und Kultur in Zusammenarbeit mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz – Monumente Publikationen. Gestern, am 1. August 2017, hat der Görlitzer Bürgermeister für Kultur, Bauen und Stadtentwicklung, Ordnung und Sicherheit, Dr. Michael Wieler, die Publikation in der Bismarckstraße 19 vorgestellt.

Auf 320 Seiten werden – reich bebildert – Geschichten über Denkmale und Menschen vorgestellt. Sie alle kamen auf ihre Anträge hin den Zuschlag der Altstadtstiftung Görlitz, die die Spenden verwaltete. Eigentümer berichten, wie die Sanierung von Baudenkmälern zur Herausforderung wurde, Restauratoren lassen sich über die Schulter schauen und lassen teilhaben an ihren Entdeckungen.

Ein "Märchenhafter Prolog" und eine Gebrauchsanleitung für das Buch eröffnen den Band, darauf folgen Grußworte der Landeskonservatorin des Freistaates Sachsen, Prof. Dr. Rosemarie Pohlack, des Oberbürgermeisters der Großem Kreisstadt Görlitz, Siegfried Deinege, und des Vorstands der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Stephan Hansen. Der legendäre Görlitzer Denkmalschützer Michael Vogel erinnert im Interview an die Anfangsjahre und die Gründung der Altstadtstiftung. Robert Lorenz betrachtet in seinem Essay "Eine Stadt als Märchen", der hoch geschätzte frühere Stadtbildpfleger Peter Mitsching schildert "Ein bedrohtes Stadtbild wird gerettet", "Zur Kunst des Schenkens. Eine Spurensuche" äußert sich der stellvertretende Direktor der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, Dr. Manuel Frey, und das Essay von Kunsthistoriker Kai Wenzel vom Kulturhistorischen Museum Görlitz beschreibt "Eine kurze Geschichte des Stiftens und Schenkens in Görlitz".

Daran schließt sich ein Abschnitt an, in dem 28 bekannte und weniger bekannte Baudenkmäler mit aktuellen und historischen Aufnahmen bebildert und mit einem geschichtlichen Abriss sowie Erläuterungen der von der Altstadtstiftung geförderten Maßnahmen vorgestellt werden. Außerdem ist eine Auflistung aller Projekte enthalten, die von der Altstadtstiftung von 1996 bis 2016 gefördert wurden.

Der Dank der Herausgeber gilt allen an diesem Projekt Mitwirkenden.

Prädikat: Kaufen!
Das Buch über "Das Wunder der Görlitzer Altstadtmillion" ist

  • in den Shops des Kulturhistorischen Museums im Kaisertrutz und im Barockhaus Neißstraße 30,
  • in der Görlitz-Information auf dem Obermarkt sowie
  • im lokalen Buchhandel
zum Preis von 28 Euro erhältlich.
ISBN: 978-3-86795-129-6

So berichtete der Görlitzer Anzeiger im Laufe der Jahre über die Görlitzer Altstadtmillion.


Kommentar:

Welch glückliche Fügung: Ein Mäzen stellt Geld bereit und die Stadt geht via eigens gegründeter Altstadtstiftung verantwortungsvoll damit um, um Leute zu fördern, die es sich leisten konnten, Baudenkmale zu kaufen bzw. zu sanieren. Wie auch anders.

So ist Görlitz – eine vom SED-Regime weitgehend dem Untergang geweihte Stadt – heute der eindruckvolle Beweis dafür, welche Triebkräfte der Kapitalismus freisetzen kann, wenn der Drang, sein Kapital einzusetzen, richtig gesteuert wird oder – wie im Fall des unbekannten Spenders – von höheren Absichten ausgelöst wird. Zu Recht ist die Stadt hoch dankbar für all das damit verbundene Engagement.

Erwähnen muss man jedoch, dass sich auch außerhalb der etablierten Strukturen viele Leute, die nicht über großen Reichtum verfügen oder nach offizieller Lesart sogar als "arm" gelten, sich zum Wohle der Stadt und ihres Kulturlebens engagieren; mancher nimmt dafür Verlust in Kauf, ohne den je steuerlich in Ansatz bringen zu können.

Die schönsten Blumenwiesen entstehen, wo nicht gedüngt wird, sondern auch wilde Blumen sich frei entfalten können. Deshalb hat es einen positiven Aspekt, dass der Spender nun seine Box wieder geschlossen hat: Es zieht Normalität ein und man muss sich wieder viel stärker auf die eigene Gestaltungskraft der Bauherren, der Stadt und anderer Finanzierungsquellen besinnen,

meint Ihr Fritz R. Stänker

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  • Quelle: red | Bildquelle: Görlitzer Sammlungen für Geschichte und Kultur
  • Erstellt am 02.08.2017 - 09:29Uhr | Zuletzt geändert am 23.11.2022 - 18:01Uhr
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