Die deutsche Handwerkskunst und ihre Kultur

Schwarzenberg, 27. Juni 2017. Das deutsche Handwerk, das Kunsthandwerk eingeschlossen, erlebt gegenwärtig ein Spannungsfeld: Einerseits sind die Fingerfertigkeit und die handwerkliche Kompetenz der traditionellen Gewerke in allen Bereichen sehr gefragt, auf der anderen Seite kämpfen die Betriebe oft um ihr Überleben und vor allem um Nachwuchs. Doch einige Sparten haben sich Traditionen geschaffen, die weltweit Beachtung finden und so ihren Bestand sichern.
Abbildung oben: Erzgebirgische Volkskunst im Laden von Hartmut Rademann, Obere Schloßstraße 3 in Schwarzenberg.

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Volkskunst mit Tradition im Erzgebirge

Thema: Woanders

Woanders

"Woanders" – das ist das Stichwort, wenn der Görlitzer Anzeiger auf Reisen geht und von Erlebnissen und Begegnungen "im Lande anderswo" berichtet. Vorbildliches, Beispielhaftes und Beeindruckendes erhält so auch im Regional Magazin seine Bühne.

Die Holzkunst aus dem Erzgebirge ist nahezu jedem bekannt, der zu Weihnachten oder Ostern gern dekoriert. Die bunten Figuren wie Engel und Räuchermännchen hat jeder schon einmal gesehen. Seit mindestens dem 16. Jahrhundert ist die Tradition der Holzarbeiten im Erzgebirge lebendig. Die Schwibbögen sind bis heute eine beliebte Weihnachtstradition, mittlerweile auch außerhalb der erzgebirgischen Bergbauregionen.

Als der Bergbau nach dem großen "Bergkgeschrey" immer weiter zurückging, konnte das Erzgebirge sich den Bezug zur Handwerkskunst und zu Holzschnitzereien bewahren. Die Produkte wurden immer wieder angepasst und behielten trotzdem ihren urtümlichen Charakter. Die Spielzeuge und Dekorationen werden inzwischen über zahlreiche Wege in die ganze Welt verschickt. Geblieben ist allerdings das Bekenntnis zum Handwerk. Noch in der Gegenwart gibt es zahlreiche Manufakturen und kleine Handwerksbetriebe, die in Handarbeit ihre Produkte herstellen.

Prominente Figuren in aller Welt

War der Schwibbogen ursprünglich als zusätzliche Beleuchtung während der Mettenschicht vor dem heiligen Abend im Bergwerk gedacht, erfreut er sich inzwischen großer Beliebtheit auf der ganzen Welt. Seinen Namen hat er von den Bögen in der Architektur, manche sagen auch, von den Lichtern am Mundloch der Stollen. Seit vielen Jahrzehnten stellen die Menschen in der dunklen Jahreszeit die stimmungsvolle Beleuchtung gern als Dekoration ins Fenster.

Traditionell bestimmen Bergbaumotive wie die Bergleute mit gekreuztem Hammer und Eisen (Johanngeorgenstädter Schwibbogen) oder das zur "Feierohmdschau" 1937/38 entwickelte Motiv von Paula Jordan (Schwarzenberger Schwibbogen) die Auswahl, inzwischen gibt es aber Schwibbögen in allen Variationen und für jeden Einrichtungsstil.

Ähnlich beliebt ist die Flügelpyramide, die von den Bergleuten des Erzgebirges, angeregt von Weihnachtsbaum und Pferdegöbel, erfunden wurde. Die erste Großpyramide der Welt aus dem Jahr 1934 ist noch heute zur Weihnachtszeit in Schwarzenberg zu bewundern. Heute sind diese Pyramiden, im Erzgebirgischen "Peremett" genannten Kunstwerke, beliebte Tischdekorationen in der Advents- und Weihnachtszeit.

Und die Räuchermännchen, die durch ihren Duft eine behagliche Stimmung in jeden Raum zaubern, sind heute bei jungen und alten Freunden der traditionellen Handwerkskunst beliebt. Einem erzgebirgischen Gebrauchsgegenstand ist sogar ein Ballett gewidmet: Der Nussknacker wurde im Winter nicht wegen seiner dekorativen Wirkung, sondern aus funktionalen Gründen aus dem Schrank geholt.

Spielzeugwinkel zeigt die schönsten Arbeiten

Wer das Spielzeug und die dekorativen Artikel in einem Gesamtumfeld sehen will, findet im Erzgebirgischen Spielzeugmuseum in Seiffen eine große Auswahl an Holz- und Blechspielzeug aus dem Erzgebirge. Das Museum zeigt gleichzeitig einen Überblick über die Erzgebirgische Volkskunst.

Ein paar Kilometer weiter, im Nachbarort Neuhausen, können Interessierte in einer Sammlung 5.000 Nussknacker bestaunen. Liebhaber von altem Spielzeug finden in Hamburg ein sehr umfangreiches Spielzeugmuseum. Das Puppen-, Bären- und Spielzeugmuseum in Solingen zeigt ebenfalls sehr interessante Exponate und in Neustadt bei Coburg gibt es das Museum der Deutschen Spielzeugindustrie. Ein echter Tipp ist zudem die Manufaktur der Träume in Annaberg-Buchholz.

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  • Quelle: red | Fotos: @ Sammlung Jörg Beier, © haltepunkt-erzgebirge.de, © Görlitzer Anzeiger
  • Erstellt am 27.06.2017 - 14:43Uhr | Zuletzt geändert am 27.06.2017 - 17:36Uhr
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