Nach sieben Jahren: Jazzhappen ins Hospital

Nach sieben Jahren: Jazzhappen ins HospitalGörlitz, 6. November 2015. Von Thomas Beier auf Basis eines Textes von Mike Altmann. Die beiden als Görlitzer "Jazzhappen" - eigentlich sollte das die Veranstaltung bezeichnen - bekanntgewordenen Leser-Textschreiber Axel Krüger und Mike Altmann machen, was in Görlitz gerade um sich zu greifen scheint: Sie wandeln sich. Aus den "Jazzhappen" wird das Projekt "Hospitalstraße" - dort geht es allerdings nicht ins Hospital, wie die Schlagzeile unterstellen lassen könnte, sondern auf die Bühne des Apollo - immerhin: hospitalis heißt gastfreundlich. Ein anderer Wandler in Görlitz ist übrigens eine Brauerei, worüber noch gesondert abzulästern sein wird. Auch der alte Schlachthof wandelt sich.
Abbildung: So guckt man nach sieben Jahren Jazzhappen: Mike Altmann (links) und Axel Krüger. Foto: Paul Glaser.

Neue Lesebühne will sich etablieren - Fans sind schon da

Thema: Lesebühnen

Lesebühnen

Lesebühnen sind in Görlitz fester Kulturbestandteil - teils musikalisch unterlegt, teils mit Autoren von vor Ort, teils mit weitgereisten Schreib- und Lesenden.

Die Jazzhappen-Endzeitstimmung endete in einem Finale Grande: 200 Zuschauer wurden zu Zeitzeugen, als die Jazzhapen am letzten Oktobertag allerletztmalig über die Bühne geisterten (das wird man ja wohl noch sagen dürfen, schließlich war Halloween). Es war die Bühne des Görlitzer Gerhart-Hauptmann-Theaters, die der Würde der Veranstaltung den angemessenen Rahmen bot.

Sieben wilde Jahre haben sie überstanden, die Jazzhappen, und sie waren nicht nur einmal der helle Schein. Da wird der Krüger, Axel fast zum Schwanenkönig: "Es war ein sehr emotionaler Augenblick, als wir gemeinsam mit dem Publikum das letzte Lied sangen und sich der ganze Saal erhob.“

Krüger, stadtbekannter Tausendsassa, Moderator und Autor hatte erstmals im November 2008 den Mut, zu den Jazzhappen ins Apollo Görlitz einzuladen: "Ich wollte gemeinsam mit dem musikalischen Direktor Michael Mönnig der Kleinkunst in Görlitz eine Bühne bieten. Bewusst am Sonntag, als Alternative zum Tatort.“ Möglicherweise sonst betroffene Kreise sind - um das zu erwähnen - heilfroh, dass die Jazzhappen sich nicht als Vormittagsveranstaltung nach dem Vorbild von "Zwischen Frühstück und Gänsebraten" etablierten.

Einsteiger und Aussteiger


Mit wechselndem Programm gewannen die Jazzhappen Aufführung um Aufführung eine wachsende und treue Fangemeinde. Ende 2011 sprang Mike Altmann als zweiter Autor auf den Jazzhappen-Zug auf und und die Jazzhappen entwickelten sich getreu dem Urgedanken zur niveauvollen musikalischen Lesebühne. Für Abwechslung in der Monotonie der Gesicher sorgten Musiker und Literaten als Gäste - die Jazzhappen wurden zu einer Sonntagabendinstanz in der Görlitzer Kulturszene.

Sieben Jahre sind vorbei - erfahrungsgemäß ein Zeitpunkt, an dem es höchste Eisenbahn ist für Innovationen. Anlass mag sein, dass der Saxofonist Michael Mönnig aus dem Ensemble aussteigt (schade, bitte trotzdem weiter blasen!). Krüger und Altmann aber können nicht anders - sie machen weiter.

Lesebühne "Hospitalstraße"

Das neue Krüger-Altmann-Pojekt heißt "Hospitalstraße". Ganz wird der alte Zopf nicht abgeschnitten, denn die Jazzhappen sollen Vorbild sein für die neue Lesebühne mit Musik. "Der Name ist eine Hommage an das Apollo, unser zweites Wohnzimmer, das auch Heimat für unsere neue Lesebühne wird“, macht der Altmann, Mike aus seinem Herzen keine Mördergrube.

Regionaler und politischer


Neu am Hospitalstraßen-Lesebühnen-Format ist, dass Krüger und Altmann politischer werden und noch stärker regionale Themen aufs Korn nehmen. Passt - die Zeiten schreien geradezu danach.

Hospitalgestraßt wird einmal monatlich, am Sonntagabend, wann sonst. Dabei sein werden musikalische und literarische Gäste, die mit ihrer Individualität Abwechslung auf die Bühne bringen. Zur "Hospitalstraße 1" kommen aus der sächsischen Landesmetropole der Pianist Tomas Kreibich und die Poetin Bonny Lycen. Lycen? Lycen gilt als eine der hoffnungsvollsten - was sich auf die Hoffnungen Ihrer Fans wie auch ihre eigenen bezieht - Nachwuchsautorinnen. Zusammen mit Altmeister Mike Altmann schnappte sie sich den Vizetitel bei den diesjährigen sächsischen Landesmeisterschaften im Poetry Slam.

Prädikat: Unbedingt hingehen!
Sonntag, 29. November 2015, 19 Uhr,
Apollo, Hospitalstraße 2, 02826 Görlitz

Karten kaufen!
Für ein Dutzend Euro, zahlbar an der Theaterkasse, online beim Kartenservice des Gerhart-Hauptmann-Theaters sowie an allen Vorverkaufsstellen, kann man sich den Zugang sichern.

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  • Quelle: Thomas Beier | Foto: Paul Glaser
  • Zuletzt geändert am 06.11.2015 - 10:36 Uhr
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