Pfefferkuchen-Sonderausstellung im Schlesischen Museum zu Görlitz

 Pfefferkuchen-Sonderausstellung im Schlesischen Museum zu GörlitzGörlitz, 25. Oktober 2014. Morgen, Kinder, wirds was geben... im Schlesischen Museum zu Görlitz ab dem 29. Oktober: Dann beginnt eine Sonderausstellung rund um Pfefferkuchen, Lebkuchen und Honigkuchen. In Schlesien ist die Pfefferküchlerei aus zahlreichen Städten an den alten Handelsrouten überliefert, zum Beispiel aus Breslau, Schweidnitz, Oppeln, Jauer oder Ratibor. Die erste schriftliche Erwähnung eines Lebkuchenbäckers findet man in Schweidnitz. Typisch schlesische Spezialitäten wie "Liegnitzer Bomben" und "Neisser Konfekt" sind bis heute in aller Munde.
Abbildung: Pfefferkuchen nach einem historischen Model des Regionalmuseum Jauer (Muzeum Regionalne w Jaworze) aus dem 19. Jahrhundert, ausgeformt von Pfefferküchler Marcin Goetz in Trzcińsko bei Hirschberg (Jelenia Góra/Hirschberg) im Jahr 2014. Foto: Schlesisches Museum zu Görlitz

Eine Reise der Sinne durch Schlesien, die Oberlausitz und 900 Jahre Esskultur in Mitteleuropa

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Zweiteiliger klappbarer Model für 15 Figuren, 18./19. Jahrhundert. Leihgabe des Ethnografischen Museums Breslau. Foto: Ethnografisches Museum.

Die süßen, intensiv gewürzten und voar allem auch haltbaren Gebäcke sind nicht nur zur Weihnachtszeit beliebt, auch von Kirmes und Jahrmarkt oder feierlichen Ereignissen im Lebenslauf sind sie oft nicht wegzudenken. Die Sonderausstellung im Schlesischen Museum zu Görlitz widmet sich der langen Geschichte dieses würzigen Gebäcks, das in Schlesien eine fast 900jährige Tradition hat.

Schon die alten Ägypter kannten ähnliches Honiggebäck. Allerdings ist die Zubereitung des mit Pfeffer und anderen Gewürzen gefertigten Gebäcks, wie wir es heute kennen, zunächst aus den Klöstern überliefert. Ende des 13. Jahrhunderts gibt es erste urkundliche Nachweise über das Handwerk des Pfefferküchlers. War Pfefferkuchen zunächst noch ein Luxusgut, das sich nur Wenige leisten konnten, zählt das würzige Gebäck seit dem 16. Jahrhundert in Mitteleuropa zum allgemeinen Volksgut.

Die damals von den Pfefferküchlern hergestellten Gebäcke waren meist figürlich gestaltet und wurden mit Hilfe von Holzmodeln geformt. Die Fertigung dieser Model erfuhr ihre Blüte in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, wobei meist überlieferte, traditionelle Bildmotive verwendet wurden. Im 19. Jahrhundert setzten sich mehr und mehr Ausstechformen aus Blech durch. Zu dieser Zeit wurde auch in der Pfefferkuchenherstellung begonnen, die einzelnen Arbeitsschritte zu mechanisieren. Aus den alten Pfefferküchlereien entwickelten sich vielfach große Honigkuchenfabriken.

Görlitz als Wiege der der Pfefferkücherei im heutigen Sachsen

Er hätte das gedacht? Die ältesten Zeugnisse der Pfefferküchlerei im heutigen Sachsen stammen aus Görlitz! Bedeutsamer sind heute aber die Pulsnitzer Pfefferkuchen, die die Stadt als "Pfefferkuchenstadt“ überregional bekannt gemacht haben. Weltweit einmalig, kann man hier den Beruf des Pfefferküchlers noch heute als Lehrberuf erlernen. In Weißenberg bei Bautzen befindet sich die älteste und einzige in ihrer ursprünglichen Form erhaltene Pfefferküchlerei in Europa. Sie wird als Museum betrieben und ermöglicht den Besuchern einen Einblick in dieses traditionelle Handwerk.

Fragen über Fragen

Aber: Wie kommt der Pfeffer in den Kuchen? Was unterscheidet den Pfefferküchler vom Bäcker? Wo genießt man welche Spezialität? Woher kommen die Pfeffersäcke? Und wer hat der Hexe das Pfefferkuchenhaus gebaut? Diese und andere Fragen rund um den Pfefferkuchen möchten die Ausstellung und mehrere Begleitveranstaltungen beantworten. Neben der Kulturgeschichte des Pfefferkuchens stehen besonders die Zutaten und die Produktion des würzigen Gebäcks sowie die regionalen Besonderheiten im Mittelpunkt.

Umfassende Schau

Die vom Haus Schlesien in Königswinter-Heisterbacherrott erarbeitete Ausstellung wurde um zahlreiche Leihgaben des Stadt- und Pfefferkuchenmuseums Pulsnitz, des Museums "Alte Pfefferküchlerei" in Weißenberg und des Ethnografischen Museums Breslau (Muzeum Etnograficzne we Wrocławiu) erweitert.

Mit Objekten aus dem eigenen Bestand möchte das Schlesische Museum zu Görlitz den Pfefferkuchen-Blick noch stärker auf Schlesien richten. So ist erstmals das Innungsbuch der Bäckerzunft von Glogau von 1581-1705 zu sehen, worin 1597 der Verkauf von Pfefferkuchen erwähnt wird. Neben diesem Dokument für die handwerkliche Fertigung von Pfefferkuchen illustrieren zahlreiche historische Fotos aus der Honigkuchenfabrik von Franz Sobtzick in Ratibor aus dem Jahr 1899 und andere Objekte die industrielle Produktion. Auch heute wird in Schlesien noch Pfefferkuchen hergestellt, wie die Beispiele aus verschiedenen Werkstätten belegen.

Hingehen!
29. November 2014 bis 1. März 2015,
Schlesisches Museum zu Görlitz, Brüderstraße 8 (Schönhof), 02826 Görlitz.
Das Museum ist geöffnet ist Di bis So von 10 bis 17 Uhr,
vom 2. Januar bis zum 29. März 2015 jeweils bis 16 Uhr.

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  • Quelle: red | Fotos: © Schlesisches Museum zu Görlitz
  • Zuletzt geändert am 25.10.2014 - 09:09 Uhr
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