Zecken, eine zunehmende Gefährdung für Mensch und Tier

Zecken, eine zunehmende Gefährdung für Mensch und TierGörlitz, 4. April 2022. Von Thomas Beier. Auch in der Region Görlitz hat im März endgültig die neue Zeckensaison begonnen. Mit den ersten wärmenden Sonnenstrahlen werden die Zecken, die in der feuchten Wärme des Laubs überwintert haben, wieder aktiv. Untrügliches Zeichen: Redaktionshund Rudi Rabauke brachte ein Exemplar mit nach Hause. Warum Menschen vorsichtig sein sollten und es für Hundebesitzer nun allerhöchste Eisenbahn ist, zu handeln.

Abb.: Hat sich Redaktionshund Rudi Rabauke etwa genau hier seine erste Zecke des Jahres eingefangen?

Foto: © BeierMedia.de

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Zecken erobern Lebensräume

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Ganz ehrlich: Zu sehen, eine vollgesogene Zecke am Hund zu entdecken und entfernen zu müssen, das kann ziemlich eklig sein. Aber zunächst zum Menschen: Geraten Zecken an einen Menschen, wandern sie erst einige Stunden auf dem Körper herum, ehe sie an einer günstigen Stelle für ihren Stich – nicht etwa Biss – zuschlagen: Möglichst dort, wo die Haut schön dünn ist und wo die klimatischen Bedingungen unter der Wäsche, warm und feucht, dem Spinnentier am besten zupass kommen. Man stelle sich vor… Ja, ganz genau auch dort!

Dass sich Menschen nicht nur in der warmen Jahreszeit vor Zecken hüten sollten, hat sich längst herumgesprochen. Im Zuge des Klimawandels sind sie mittlerweile in vielen Regionen, die früher als zeckenfrei galten, omnipräsent. Nie zu vergessen ein Waldspaziergang bei Förstgen, gelegen zwischen Weißenberg und Niesky: Bei einem Blick auf das bodenbedeckende Waldgras zeigte sich, dass dieses über und über von Zecken besetzt war! In solchen Situationen kann man schneller rennen, als man eigentlich kann.

Vorsorge und Vorsicht

Dabei ist doch der Zeckenstich, der für den Menschen schmerzlos erfolgt, die zwar zunächst unangenehmere, meist aber harmlose mögliche Folge des Tierkontakts – vorausgesetzt, man hat eine Zeckenzange und kann den Hauteindringling zeitnah enfernen, ohne ihm den Kopf abzureißen. Allerdings gilt: Beim Schwierigkeiten bei der Zeckenentfernung oder beim leisesten Verdacht auf Beschwerden oder Anzeichen auf eine Infektion sollte unverzüglich ein Arzt oder ein Apotheker konsultiert werden.

Tipp:
Als Behelfs-Zeckenzange kann eine alte Bankkarte benutzt werden, der man mit einem Messer einen seitlichen V-Einschnitt verpasst; bitte keine Kreditkarten, die sind zu dick.


Wer gern in freier Natur unterwegs ist, sollte sich und gegebenenfalls die Kinder und eben auch den Hund nach Ausflügen, spätestens am Abend, nach Zecken absuchen. Das ist wichtig, weil Zecken ernsthafte Krankheiten übertragen können, auf Mensch und Tier. Und es gilt, wenn keine Schneedecke vorhanden ist und die Temperaturen acht Grad Celsius erreichen, nicht nur in der Zeckensaison von März bis Oktober, sondern dank Klimawandel grundsätzlich übers ganze Jahr hinweg. Am aktivsten sind die unangenehmen Zeitgenossen im Frühjahr und im Herbst.

FSME und Borreliose

Die bekanntesten Krankheiten, die Zecken übertragen können, sind FSME und die Borreliose. Doch auch weitere, sogenannte vektorübertragbare Infektionskrankheiten werden von Zecken verbreitet. Erst vor einigen Jahren wurde in Deutschland die große subtropische Zecke Hyalomma marginatum entdeckt, die das lebensgefährliche Krim-Kongo-Fieber-Virus übertragen kann; dieses wurde bei den in Deutschland, so auch in Sachsen, gefundenen Exemplaren laut Epidemiologischem Bulletin des Robert-Koch-Instituts vom 14. Februar 2019, Seite 71, hierzulande jedoch nicht nachgewiesen.

FSME, das ist die Frühsommer-Meningoenzephalitis, die gefürchtete Hirnhautentzündung oder Entzündung des Gehirns. Gegen die Erkrankung, die von Viren ausgelöst wird und mit grippeartigen Symptomen einhergeht und die das zentrale Nervensystem befallen kann, gibt es kein Gegenmittel, jedoch eine vorbeugende Impfung. Anders bei der Borreliose, die auch Lyme-Krankheit genannt wird. Gegen diese von Bakterien übertragene Erkrankung gibt es keine Impfung, aber es wirken Antibiotika. Die Erreger-Bakterien leben im Darm der Zecken und werden Borrelien genannt. Sie gelangen erst ungefähr nach einem halben bis ganzen Tag nach dem Zeckenstich in den Körper des Opfers — wer eine Zecke binnen weniger Stunden entfernt, kann eine Borreliose-Infektion also recht sicher vermeiden.

Einer der Indikatoren für eine Infektion mit Borrelien – es gibt viele weitere, etwa Seh- oder Hörprobleme, Gelenkschmerzen oder psychische Probleme – ist die sogenannte Wanderröte, sich an der Einstichstelle binnen 30 Tagen auftreten kann, aber – Wichtig! – nicht muss. Diese Rötung verschwindet nach Tagen oder Wochen wieder. Auf jeden Fall muss eine beginnende Borreliose sofort behandelt werden! Bei manchen der Erkrankten kommt es über kurz oder lang, teils erst nach Jahren, zu weiteren Krankheitsstadien. Betroffen sein können das Nervensystem, Gelenke und beispielsweise das Herz. Auch können Gesichtslähmungen und generell Schmerzen auftreten.

Zecken und Folgeerkrankungen für Mensch und Tier vermeiden

Während sich etwa berufsbedingt besonders gefährdete Menschen wegen einer FSME-Schutzimpfung an ihren Arzt wenden sollten, bleiben ansonsten nur eher allgemeine Vorsichtsmaßnahmen: In Risikogebieten sollte auf dem eigenen Grundstück der Grasbewuchs kurzgehalten werden, in freier Natur ist geschlossene Kleidung zu bevorzugen. Wer auf Wiesen unterwegs ist, macht mit hohen Schuhen oder Stiefeln und langen Hosen nichts falsch.

Für Haustiere gibt es unterschiedliche Vorkehrungen gegen Zecken. Unkompliziert ist etwa ein Zeckenspray, das sich gegen Zecken und andere Parasiten richtet. Es kann am Aufenthaltsort des Hundes verwendet werden und zugleich direkt am Tier auf dem Schwanzansatz und zwischen den Schulterblättern. Schaut man sich an, wie ein Anti Zeckenspray wirkt, dann fällt neben natürlichen Zutaten wie etwa Lavendelöl, Schwarzkümmelöl, Teebaumöl und Zitroneneukalyptusöl der Wirkstoff Geraniol auf.

Wie Zeckenspray funktioniert

Geraniol wird in Kosmetika als Duftstoff oder auch in Backzutaten verwendet. Es kann synthetisch aus Pinien hergestellt oder aus natürlichen ätherischen Ölen gewonnen werden. Die Wirkung auf den Menschen ist unterschiedlich, so kann es etwa für Allergiker durchaus bedenklich sein, während es andererseits womöglich Krebszellen abtöten könnte.

Beim Hund jedoch geht es um folgenden Wirkmechanismus: Das etwa mit einem Zeckenspray aufgebrachte Geraniol verdunstet nach und nach. Dabei schreckt schon sein eigener Duft, der für den Menschen durchaus angenehm ist, Zecken und Flöhe ab. Sollten diese dennoch zum Fell des Tieres vordringen, verklebt Geraniol deren Luftwege und bekämpft diese dadurch sehr effektiv. Außerdem zerstört Geraniol den Chitinpanzer von Zecken und weiterer Parasiten.

Mehr:
Hinweise zur Anwendung von Anti Zeckenspray bei Hunden.

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  • Quelle: Thomas Beier | Foto: © BeierMedia.de
  • Erstellt am 04.04.2022 - 09:17Uhr | Zuletzt geändert am 04.04.2022 - 10:18Uhr
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