Sommerzeit ist Zeckenzeit – Gefahren der Borreliose-Übertragung

Sommerzeit ist Zeckenzeit – Gefahren der Borreliose-Übertragung Görlitz, 14. März 2018. Von Karin Gründer. Sobald die Frühlingstage in die Natur locken, stellt sich für Spaziergänger, Wanderfreunde und auch spielende Kinder auf der hohen Wiese die Frage: Wie groß ist die Gefahr für einen Zeckenbiss? Das eigentliche Problem sind dabei nicht die Tiere selbst, sondern das Risiko einer Infektion mit Borrelien. Diese Bakterien können Zecken als Zwischenwirte nutzen und beim Übergang auf den menschlichen Körper zu schweren Infektionen der Haut, der Gelenke und nicht zuletzt des Nervensystems führen. Unbehandelt können Gelenkschäden und chronische Schmerzen die Spätfolgen sein. In Bezug auf die Frühsommermeningoenzephalitis (FSME) besteht eine weitere wesentliche Infektionsgefahr; hier ist jedoch eine Impfung möglich.

Abb. oben: Der Gemeine Holzbock ist die bekannteste Art der Schildzecken, der in Mitteleuropa verbreitetsten Zeckenfamilie

Foto: Jerzy Gorecki, Pixabax, Lizenz CC0 PublicDomain

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Wie realistisch ist die Ansteckungsgefahr?

Wie realistisch ist die Ansteckungsgefahr?

Die Hirschzecke, auch Schwarzbeiniger Holzbock genannt, lebt in den USA

Foto: Melani, Pixabay, Lizenz CC0 PublicDomain

Die Infektionsgefahr mit Borreliose ist je nach Region, Regenperiode und Sonnenstunden unterschiedlich hoch, sollte jedoch stets als gegeben betrachtet werden. Zudem haben Zecken längst die Städte, so auch die Görlitzer Parks und die Landeskrone, erobert. Das bedeutet, dass nach jedem Spaziergang durchs Grün der gesamte Körper und gegebenenfalls die Kinder auf Zecken untersucht werden sollten. Rein statistisch ist aber längst nicht jede Zecke ein potenzieller Überträger: Schätzungsweise 35 Prozent der Tiere tragen die Borrelien in sich.

Wie schnell übertragen sich Borrelien nach dem Zeckenbiss?

Ist es geschehen und man entdeckt eine Zecke, die sich in der Haut verbissen hat, muss schnell gehandelt werden, denn ist das Tier ein Träger, steigt das Risiko einer Ansteckung mit Borrelien kontinuierlich mit der Dauer des Blutsaugens.

Beim Biss selbst besteht statistisch nur ein Infektionsrisiko von unter zehn Prozent, verschiedene Studien kommen auf Zahlen zwischen zwei und sechs Prozent. Viele Menschen glauben, dass eine Zecke ihre Borrelien in dem Moment überträgt, wo ihre Beißwerkzeuge in die Haut eindringen. Die Erreger sitzen aber sehr selten dort, sondern leben im Verdauungstrakt der Tiere. Daher gilt: Umso länger die Zecke in der Haut verbissen ist und Blut saugen kann, desto weiter steigt das Risiko.

So gelangen die Borrelien von der Zecke in den Menschen

Die Borrelien sind eine Bakterienart, die im Darm der Zecken lebt und bei nüchternen Tieren im Regelfall dort verbleibt. Je weiter sich der Verdauungstrakt der Zecke beim Blutsaugen füllt, umso aktiver werden die Bakterien. Die Mikroorganismen besitzen auf ihrer Zelloberfläche ein Eiweiß, das die Erreger von einem ruhenden in einen aktiven Zustand versetzt. Erst wenn das geschieht, beginnen die Bakterien zu wandern und verlassen durch die Darmwand der Zecken das Verdauungssystem. Sie wandern in Richtung der Speicheldrüsen und können nun auch mit steigender Wahrscheinlichkeit von den Beißwerkzeugen in die Haut des gebissenen Menschen übergehen. Da dieser Vorgang circa 24 Stunden dauert, gilt ein Zeckenbiss, der in den ersten 24 Stunden entdeckt wird, auch als vergleichsweise risikoarm.

Typische Symptome einer erfolgten Infektion

Blieb der Zeckenbiss zu lange unerkannt und es befinden sich Borrelien im Körper, muss noch immer keine Krankheit ausbrechen. Tatsächlich ist in vielen Fällen das menschliche Immunsystem stark genug, um den Erreger abzutöten, bevor er siedeln und sich vermehren kann.

Ein Symptom, an dem Sie erkennen, dass die Infektion stärker war: die sogenannte Wanderröte. Der Arzt nennt sie Erythema migrans. Die Haut nahe am Biss bzw. Einstich verfärbt sich rötlich und die Verfärbung vergrößert ihre Fläche mit dem Ausbreiten der Infektion. Andere Symptome wie Schwächegefühl, Kopfschmerzen und Fieber sind häufig, aber nicht eindeutig, da sie bei vielen Infektionen auftreten. Die Wanderröte hingegen gilt als eindeutiges Symptom. Das Problem hier allerdings: Sie tritt nur bei rund 70 bis maximal 90 Prozent der Infizierten auf.

Weiterführende Informationen:

Klarheit bringt ein Bluttest?

Nach einem Zeckenbiss und auffallender Symptomatik ist der Besuch beim Hausarzt wichtig. Er kann mittels Bluttest bestimmen, ob Borrelien-Antikörper im Körper vorhanden sind. Bei einem positiven Ergebnis wird sofort mit der Gabe von Antibiotika begonnen.

Allerdings hat auch der Borrelien-Antikörpertest eine Kehrseite: Er kann erst dann ein aussagekräftiges Ergebnis liefern, wenn der Organismus des Patienten ausreichend Zeit hatte, um Antikörper herzustellen. Dafür müssen mindestens drei Wochen und nicht selten bis zu sechs Wochen vergehen. In der Zwischenzeit herrscht für die Betroffenen eine belastende Ungewissheit.

Und das Ergebnis des Bluttestes sagt im Grunde auch nur aus, ob der Patient schon einmal mit Borrelien in Kontakt gekommen ist. Die eigentliche Infektion kann also im Grunde Jahrzehnte zurückliegen und der Zeckenbiss in der Gegenwart hat keine Erreger übertragen. Meist wird bei Symptomen dennoch zur Antibiotikabehandlung geraten.

Quellen:

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  • Quelle: Karin Gruender | Foto braune Zecke: JerzyGorecki / Jerzy-Gorecki, Pixabay, Lizenz CC0 PublicDomain; Foto Zecke auf grünem Blatt: meli1670 / Melanie, Pixabay, Lizenz CC0 PublicDomain
  • Erstellt am 14.03.2018 - 09:07Uhr | Zuletzt geändert am 04.04.2022 - 08:47Uhr
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