Sternlose Nächte sind für Görlitz vorbei

Sternlose Nächte sind für Görlitz vorbeiGörlitz, 14. September 2022. Von Thomas Beier. Es ist wieder Ruhe eingezogen auf der Otto-Müller-Straße in Görlitz nach dem großen Spektakel aus Anlass des Aufsetzens des Davidsterns (מגן דוד), des Schildes Davids, auf die Kuppel des von 1909 bis 1911 als "Neue Synagoge" errichteten und in der Nazizeit von Görlitzern entweihten Gotteshauses.

Foto: Paweł Sosnowski (Bild beschnitten)

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Ein neuer Davidstern über den Dächern von Görlitz

Ein neuer Davidstern über den Dächern von Görlitz

Foto: Paweł Sosnowski (Bild beschnitten)

Thema: Jüdisch

Jüdisch

Juden hatten und haben einen großartigen Anteil an der Entwicklung Deutschlands in Wissenschaft, Kultur und Wirtschaft. Leben ist undenkbar ohne die Erinnerung an die Zeit, als es in Deutschland ausreichte, Jude zu sein, um verhaftet, deportiert und umgebracht zu werden, wenn man nicht rechtzeitig geflohen war.

Knapp 84 Jahre nach der Zerstörung des Sterns "unter großem Johlen" ist nun die Illusion einer geweihten Synagoge in Görlitz äußerlich perfekt. Im Inneren dient das einstige Gotteshaus als "Kulturforum Synagoge Görlitz", nur die Wochentagssynagoge hinter dem Thoraschrein wird von der Jüdischen Gemeinde Görlitz und Umgebung, einem eingetragenen Verein, religiös genutzt.

Voraussetzung für die heutige Nutzung war die überaus aufwendige und sorgfältige Sanierung des Gebäudes, dessen Bausubstanz die Pogromnacht trotz eines Brandes, der von der Feuerwehr gelöscht wurde, heil überstanden hatte und erst in der sozialistischen "DDR" verfiel. Lange wurde über die Installation eines neuen Davidsterns auf der imposanten Kuppel diskutiert, auch die Jüdische Gemeinde Dresden war zunächst dagegen.

Jedoch hatte der rührige Förderkreis Görlitzer Synagoge e.V. im Jahr 2020 mit einem offenen Brief die Diskussion um den Davidstern befeuert; im Ergebnis stimmten die Stadtverwaltung Görlitz und die Jüdische Gemeinde Dresden der Wiedererrichtung zu.

Spenden für den Görlitzer Davidstern

Nachdem ein Tragwerksgutachten die Statik für den Davidstern bestätigt hatte, wurde für den Stern gespendet. So sagte der Vorsitzende und Kantor der Jüdischen Gemeinde Görlitz und Umgebung Alex Jacobowitz einen fünfstelligen Betrag zu, ein anonymer Spender stellte weitere 70.000 Euro bereit. Insgesamt beteiligten sich 25 Spender, die rund 81.000 Euro zusammenbrachten.

Jacobowitz war es auch, der den neuen Davidstern segnete, bevor dieser von einem Kran auf die Kuppel gehoben wurde. Der rund 500 Kilogramm schwere Stern ist 5,20 Meter hoch und 1,60 Meter breit. Angefertigt hat ihn die renommierte Stahl- und Metallbau Weiner GmbH aus dem Görlitzer Ortsteil Ludwigsdorf.

Grußworte

In einem Grußwort würdigte Ministerpräsident Michael Kretschmer das bürgerschaftliche Engagement für die Sanierung des Hauses, der Davidstern stehe "für Religionsfreiheit und Toleranz aus der Mitte der Gesellschaft heraus und für Respekt gegenüber den jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern." Der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu wies auf die historische, erinnerungskulturelle und denkmalpflegerische Bedeutung der Synagogensanierung und nun des Aufsetzens des Davidsterns hin.

Dr. Nora Goldenbogen, Vorsitzende des Landesverbandes Sachsen der Jüdischen Gemeinden: "Der Stern war für die Nationalsozialisten das Symbol des Judentums und damit ein Fremdling. Deswegen wurde er auch am 10. November 1938 in Görlitz abgenommen und zerstört. Es ist ein sehr bewegender Moment für uns, dass der Stern heute wieder auf die Kuppel und damit ins Stadtbild kommt. Damit verbinden wir die Hoffnung, dass er nie wieder ein Fremdling wird.“

המסר של המלאכים

Sicher überbringen die Boten (מלאך), wie die Engel im Hebräischen genannt werden, die Botschaft vom gesegneten Davidstern über den Dächern von Görlitz: Die Geschichte des Görlitzer Synagogengebäudes ist noch nicht zu Ende.

Mehr:

Update:
Video: "The resurrection of the Star of David on the Görlitzer Synagoge"

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Kommentare Lesermeinungen (1)
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Görlitzer Synagoge

Von Avraham Yacobowitz am 14.09.2022 - 09:21Uhr
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  • Quelle: Thomas Beier | Fotos: Paweł Sosnowski
  • Erstellt am 14.09.2022 - 06:45Uhr | Zuletzt geändert am 14.09.2022 - 18:10Uhr
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