Scheinbare Entscheidungszwänge vermeiden

Scheinbare Entscheidungszwänge vermeidenGörlitz, 10. Juni 2022. Wer gewohnt ist, sich nur an mehr oder weniger seriösen Informationen und Meinungen, wie sie nun einmal auf Otto Normalverbraucher und sein weibliches Pendant täglich hereinprasseln, zu orientieren, ist schnell der Verzweiflung nahe. Unter dem Einfluss sich widersprechender Behauptungen wird dann eine möglichst einfache und schlüssige Lösung gesucht – eine Chance, die Populisten zu nutzen verstehen.

Abb.: Der Mensch reitet, das Pferd denkt. Wäre es so, dann gäbe es keine Kriege

Foto: © BeierMedia.de

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Zwischen Schwarz und Weiß liegt mehr als Graustufen oder Farben

Doch so simpel ist das Leben nicht, als dass es mit einfachen Beurteilungen wie "hilft – hilft nicht" oder "dafür – dagegen" beherrschbar wäre. Nur wer sich selbst im komplexen Umfeld verortet, kann Widersprüche ertragen, etwa den russischen Angriff auf die Ukraine verurteilen, aber lieben, was die Russen an Weltliteratur, Musik, Filmen oder Malerei hervorgebracht haben. Nur Kleingeister wenden jetzt ein, dass es beispielsweise auch schlechte Filme russischer Filmemacher gibt. Wo gibt es die nicht?

Medizin in Konflikt?

Ein anderer, oft herbeigeredeter Konflikt ist der zwischen der "Schulmedizin" und "alternativen Heilmethoden". Dabei wird unter dem Stichwort der alternativen Heilmethoden gern zusammengefasst, was nicht ins Bild der sogenannten Schulmedizin passt: von der Quacksalberei über die Traditionelle Chinesische Medizin bis hin zu spirituell-esoterischen Methoden.

Als Pragmatiker könnte man sagen: Was soll’s, wenn’s hilft? Doch ganz so einfach ist die Sache nicht: Wenn etwa ein ernsthaft erkrankter Patient einer erprobten medizinischen Behandlung bedarf, dann sind Methoden, der Wirkung weder erwiesen noch überhaupt näher beschreibbar ist, im Grunde fehl am Platze. Dennoch sollte man sich vor vorschnellen Bewertungen hüten. Die Wirksamkeit der Akupunktur etwa – lange Zeit misstrauisch beäugt – gilt mittlerweile als nachgewiesen. Schon im Jahr 2004 berichtete das Universitätsklinikum Jena über den Nachweis der schmerzlindernden Wirkung der Akupunktur.

Alternative auch für Tiere

Was beim Menschen funktioniert, könnte – das liegt immerhin nahe – auch bei Säugetieren zum Erfolg führen. Vor diesem Hintergrund ist die Traditionelle Chinesische Tiermedizin (TCTM) weiter auf dem Vormarsch. Gerade bei jenen Tieren, die oftmals dem Menschen am nächsten stehen, setzen deren Halter öfter darauf. So ist inzwischen die Akupunktur für Pferde eine für viele selbstverständliche und schonende Behandlungsmethode beziehungsweise Linderungsmethode. Dennoch: Die Entscheidung zur Anwendung der Akupunktur für das Pferd hängt von vielen Faktoren ab und ist gewiss keine einfache. Leichter allerdings fällt sie, wenn man sich rechtzeitig auf diesem Gebiet schlau macht.

Unterschiedliche Anbieter vermitteln das nötige Akupunktur-Wissen zur Anwendung am Tier etwa an Veterinärmediziner und Studenten, Tierheilpraktiker sowie Pferdehalter und Reiter. Dabei geht es jedoch oft nicht allein um formales Wissen, sondern um eine Annäherung an die Traditionelle Chinesische Tiermedizin insgesamt. Pferde sind hochsensible Tiere und wer mit Pferden in Freizeit oder Beruf arbeitet, sollte sich mit dem Thema Akupunktur für Pferde zumindest einmal befassen.

Resümee

Die Entscheidungsfalle lauert überall. Sie suggeriert, sich zwischen wenigen, scheinbar logischen und klaren Alternativen entscheiden zu müssen. Wer ihr entgehen möchte, muss bereit sein, Widersprüche und Widerspruch von vielen Seiten zu ertragen. Dennoch ist es sicherlich der bessere Weg, zweifelnd und sich irrend voranzukommen, anstatt gar zu schlichten Ansichten zu folgen.

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  • Quelle: TEB | Foto: © BeierMedia.de
  • Erstellt am 10.06.2022 - 22:30Uhr | Zuletzt geändert am 10.06.2022 - 23:02Uhr
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