Lebenslanges Lernen – eine Frage der Methodik

Lebenslanges Lernen – eine Frage der Methodik Görlitz, 21. Oktober 2021. Von Thomas Beier. Ein seit Jahrtausenden bestehendes, mit jeder Generation neu auftauchendes Vorurteil der Älteren ist, dass die derzeitige Jugend respektloser, verdorbener, fauler und dümmer sei als je zuvor. “So etwas hätte es früher nicht gegeben!”, wird dann gern geschimpft und darüber vergessen, was es in der eigenen Jugend so alles sehr wohl gab – damals, als die Welt für Jugendliche noch nicht so kompliziert war wie die heutige mit ihren Risiken.

Abb.: Das Haus Anne des Görlitzer Augustum-Annen-Gymnasiums. Ganz allgemein sollen Gymnasien die Basis dafür schaffen, dass der geistige Horizont eines Menschen über unmittelbare Zusammenhänge hinausgehen kann. Die Grundlagen für die Lust auf Wissen müssen jedoch schon in der Kita und in der Grundschule gelegt werden.
Archivbild: © BeierMedia.de
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Umgang mit rasant anwachsendem Wissen

Natürlich gibt es Unterschiede zwischen der eigenen Jugend der heute Älteren und der jetzigen Jugend. Junge Leute können heute viel freier entscheiden, wie sie ihr Leben gestalten und welchen Weg sie einschlagen. Statt sich darüber zu freuen, ist mancher Ältere vielleicht neidisch? Jedenfalls ist die Jugend nicht faul, sondern stellt beim Thema Arbeit nicht mehr die soziale Sicherheit , dafür aber inhaltliche und Freizeitansprüche an den Arbeitsplatz in den Mittelpunkt.

Wer heute mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu tun hat, trifft jedenfalls viele gebildete, höfliche und regelrecht feinsinnige Leute – jene, die lediglich als Beispiel für die Flegeljahre und als Zeugnis des Schulversagens herumlaufen, allerdings auch. Ganz egal, mit welchem Erfolg jemand die Schule verlässt, das lebenslange Lernen beginnt dann erst so richtig, weil noch stärker nun die Eigenverantwortung dafür hinzukommt. Leider hat vielen der Schulbesuch die Lust am Lernen gründlich ausgetrieben und nur wirklich gute Bildungsangebote, realisiert von guten Leuten, können diese Lust zurückbringen.

In der heutigen, sich rasant entwickelnden und immer wieder fast sprunghaft neues Wissen erfordernden Welt rückt die Frage nach dem Zugang zu Wissen und damit verbunden die Art und Weise der Wissensvermittlung in den Fokus. Auf den ersten Blick scheint der Wissenszugang einfach, ist es doch en masse vorhanden und via Internet, etwa bei Wikipedia, unmittelbar zugänglich. Auch der Markt für Fachliteratur – ob nun als Buch oder Zeitschrift – ist gewaltig. Aber genau dieser Umstand macht es besonders für Erwachsene manchmal schwierig. Was ist gemeint?

Wissen filtern und zielgerichtet lernen

Bleibt man im Berufsleben, dann lernen Erwachsene zielorientiert, etwa, damit sie die Führerscheinprüfung bestehen, bestimmte Maschinen bedienen dürfen oder überhaupt ihre Arbeitsaufgaben erfüllen können. Dazu ist es nötig, aus dem Wissensangebot genau das herauszufiltern, was benötigt wird – und zwar immer stärker: Weil das Wissen geradezu explosionsartig zunimmt, jeder Mensch aber nur begrenzt aufnahmefähig ist, wird jeder einzelne immer mehr zum Spezialisten, der mit anderen Kooperieren muss. Praktisch: Wo früher ein Einzelner sein Wissensgebiet beherrschte, sind heute vielleicht mehrere Personen nötig, um das Wissen auf diesem Gebiet zu repräsentieren.

Mit der Fülle des Wissens ändern sich die Lernmethoden beziehungsweise müssen sie passgenauer ausgewählt werden. Dass der klassische Frontalunterricht nicht sonderlich effizient ist, hat sich herumgesprochen. Mittlerweile gilt jedoch gerade in der Wirtschaft der Präsenzunterricht, bei dem sich im Idealfall Wissbegierige um einen im Idealfall klugen Dozenten versammeln, als zu teuer: Honorar, Spesen, Raummiete, Beköstigung, An- und Abreise und vielleicht auch noch Übernachtungen und Tagegelder machen den Einkauf von Wissen auf diese Weise teuer. Hinzu kommt: Nachgewiesen wird der Lernprozess und sein Erfolg mit Zeugnissen, Zertifikaten oder Urkunden. Leider sind solche formalen Qualifikationen meist kaum aussagefähig darüber, ob jemand tatsächlich in der Lage ist, sein – wenn überhaupt – erworbenes Wissen anzuwenden.

Natürlich kann Präsenz notwendig sein, etwa wenn es um Übungen im direkten Kontakt, gruppendynamische Erlebnisse, Teambildung oder die schnelle Herstellung der mental-organisatorischen Arbeitsfähigkeit eines Teams geht oder etwas unter Aufsicht geübt werden muss. In vielen anderen Fällen jedoch punktet das Distanzlernen, aber nicht wie ehedem in Fernkursen mit Arbeitsmappen und Konsultationen per Telefon, sondern via Internet multimedial als E-Learning.

Effizientes E-Learning

E-Learning, das lediglich auf einem Chat-Programm basiert, mit dem ein Dozent die Teilnehmer mehr oder weniger intensiv erreicht, wird den Anforderungen an effizientes Lernen nicht gerecht. Gefragt sind Learning Management Systeme, kurz LMS, die flexibel mit Inhalten gefüllt werden können, um diese als Wissen interaktiv zu vermitteln.

Bei Überlegungen zur Einführung eines E-Learning Systems treten zwei Anwendungsszenarien in den Vordergrund:


    • E-Learning zur Vorbereitung von Präsenzveranstaltungen, damit diese effizienter und vor allem mit weniger Zeitaufwand durchgeführt werden können, weil ein bestimmter Wissensstand der Teilnehmer vorab gesichert ist.

    • Komplette Wissensvermittlung per E-Learning. Hier geht es meist darum, klassische Schulungsveranstaltungen zu ersetzen.

Bei Praktikern der Erwachsenenbildung entstehen dabei sofort Fragen: Wenn etwa eine Arbeitsschutzbelehrung per E-Learning erfolgt, dann kann man doch nicht beweisen, was der zu Belehrende tatsächlich gelernt hat? Abgesehen von Tests und Prüfungen bringt das E-Learning eine weitere Komponente mit: Den Nachweis darüber, wer sich wie intensiv mit einem Teilgebiet des zu erwerbenden Wissens beschäftigt hat. Das macht produktiv: Während im Präsenzunterricht der gesunde Unterrichtsschlaf einsetzt, wenn allzuviel bereits Bekanntes durchgekaut wird, stellt sich beim E-Learning der Wissbegierige selbst zusammen, was er wirklich benötigt und was ihn weiterbringt – das macht das E-Learning neben der Einsparung vieler Kostenpositionen besonders effektiv.

Neben Freiheit zur Wahl des Lernortes und der Lernzeit und der möglichen Mehrsprachigkeit gibt es beim E-Learning einen weiteren, ganz entscheidenden Vorteil: Die unterschiedlichen Qualitäten der einzelnen Dozenten werden durch einen Qualitätsstandard ersetzt. Natürlich erlauben es moderne Learning Management Systeme, die manche Anbieter bereits mit Wissen angefüllt anbieten, die Benutzer zu verwalten, individuelle Lehrpläne zu gestalten, Zertifikate auszustellen und Reports über die Nutzung des Systems zu erstellen. Dass im Sinne des Responsive Designs auch alle mobilen Endgeräte nutzbar sind, darf bei modernen LMS erwartet werden.

Konsequenzen

Für alle, die beruflich up-to-date bleiben müssen, ist das E-Learning die vielleicht effizienteste Möglichkeit für einen kompakten Wissensinput. Bei strategischen Überlegungen zur eigenen beruflichen Entwicklung sollte darauf geachtet werden, seine Wurzeln nie ganz abzuschneiden, also stets möglichst viel des bisher Erlernten in ein neuen Tätigkeitsfeld mitzunehmen. Trotz aller Ansprüche an die Lerneffizienz: Auf richtig gute Ideen kommt man häufig erst in oder nach Gesprächen. Auf jeden Fall aber wird E-Learning an Bedeutung zunehmen und Bildungsanbieter – ob nun innerbetrieblich oder extern – sollten sich darauf einstellen.

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  • Quelle: Thomas Beier | Foto: © BeierMedia.de
  • Erstellt am 21.10.2021 - 15:18Uhr | Zuletzt geändert am 21.10.2021 - 15:55Uhr
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