Filmstadt Görlitz intelligent vermarkten

Filmstadt Görlitz intelligent vermarktenGörlitz, 15. März 2019. Mike Altmann, Stadtratskandidat der Freien Liste Motor Görlitz, sieht im Thema "Filmstadt Görlitz" mehr Tourismus-Potenzial und legt Vorschläge auf den Tisch. Altmann meint, Görlitz sollte sich "intelligent bei Touristen als Filmstadt vermarkten und dieses Pfund auch für die Stadtentwicklung aktiv nutzen".
Abbildung: Boote an der Obermühle in Görlitz: In welche Richtung fährt die Stadt nach der Kommunalwahl im Mai 2019?

Altmann bringt virtuelles Filmmuseum ins Gespräch

Thema: Filmstadt Görlitz

Filmstadt Görlitz

Görlitz ist Filmstadt. Neben authentischen Kulissen finden sich hier eine auf Filmproduktionen eingespielte Verwaltung und nicht zuletzt erfahrene Komparsen.

Geht es nach Altmann, dann soll die Mauer an der Bergstraße sollte nicht weiter exklusiv dem markanten "Wählt Thälmann!" vorbehalten bleiben: "Machen wir daraus einen Pilgerort für Cineasten. Ein Denkmal, das sich regelmäßig ändert. Regisseure können diese Mauer in ihre Werke einbinden und anschließend temporär für Filmfans erlebbar machen. Die jeweils letzte Botschaft bleibt erhalten. Ich bin dafür, jetzt damit anzufangen!"

Altmann ruft dazu auf, die Mauer-Inschrift aus dem Film "The Grand Budapest Hotel" wieder auferstehen zu lassen. Regisseur Wes Anderson hatte das Areal dahinter als Friedhof in Szene gesetzt und auf die Mauersteine anstelle von "Wählt Thälmann!" "Old Lutz Cemetery" malen lassen. Nach Abschluss der Dreharneiten musste die Inschrift wieder durch den Thälmann-Wahlaufruf ersetzt werden. "Das ist nicht nachvollziehbar. Mir ist nicht bekannt, dass der DEFA-Zweiteiler von 1985, für den die Aufschrift angebracht wurde, besonders wertvoll für die Görlitzer Filmgeschichte gewesen wäre", kommentiert Altmann das und meint: "Eine 'Görliwood-Mauer' kann Menschen anziehen, ein Foto vor einer Originalkulisse zum begehrten Objekt werden. Allein den Film 'The Grand Budapest Hotel' haben mehrere Millionen Menschen weltweit gesehen." Das sei ein enormes Potenzial für Görlitz als Tourismusstadt. Und ganz nebenbei sei das eine schöne Geschichte für überregionale Medien.

Über diesen konkreten Vorschlag zur "Film-Mauer" hinaus wünscht sich Altmann eine strukturierte Debatte, wie sich Görlitz als Filmstadt präsentiert. Viele Vorschläge habe es dazu bereits gegeben, Altmann verweist zudem auf stattgefundene Workshops. "Im Entwurf zum Kulturentwicklungsplan 2030 stehen bereits die richtigen Ansätze. Jetzt muss umgesetzt werden. Mit den heutigen technischen Möglichkeiten brauchen wir kein statisches Filmmuseum mehr, das im Unterhalt und Betrieb auch zu teuer wäre. Es ist es relativ einfach, Besuchern eine virtuelle Film-Erlebniswelt zu bieten. Sie holen sich einen Zugangscode und erkunden individuell ihre Filmroute, bekommen Infos zu Drehorten, Filmen, Stars und Anekdoten. So sehen sie beispielsweise am Untermarkt, wie Jackie Chan spektakulär aus dem Fenster springt. Oder auf der Jakobstraße, wie sich Kate Winslet von David Kross etwas vorlesen lässt. Von allein lässt sich das nicht umsetzen. Neben der technischen Realisierung brauchen wir unter anderem Hauseigentümer, die mitspielen, Filmgesellschaften, die uns Verwertungsrechte überlassen. Aber das sollte nicht abschrecken. Wir müssen loslegen, die guten Ideen vieler Görlitzer und anderer Filmfans nutzen und uns für den Aufbau einer solchen virtuellen Erlebniswelt Geld aus dem Strukturwandel-Topf für die Lausitz sichern", beschreibt Altmann seine Vorstellungen.

Perspektivisch sei, so Altmann, das Thema Film mehr als eine Touristenattraktion. Bereits bei der Eröffnung der Zukunftswerkstatt Lausitz vor einem Jahr sei vom Vertreter des Bundeswirtschaftsministeriums der Wink mit dem Zaunpfahl gekommen: Wenn Görlitz seine Stellung als Filmstadt intelligent nutzt, zum Beispiel durch den Aufbau einer Filmakademie, dann wäre das sicherlich ein Projekt, das gut in die Förderkulisse passt. "Viele weitere Ideen und Konzepte dürfen also nicht länger in Schubladen liegen, sondern sollten mit Zukunftsmut angepackt werden", so Altmanns Fazit.


Kommentar:

Es ist das Gute an Wahlkampfzeiten, dass der Fokus auch auf Themen gerichtet wird, die sonst nur vor sich hin dümpeln. Ob das dann allerdings die wirklich drängenden Themen, die sich durch die Kombination von Wichtigkeit und Dringlichkeit auszeichnen, sind, das ist eine andere Frage. Nun darf man aber nicht jedweden Vorschlag, so die "Görliwood-Mauer", gleich kleinreden. Nur scheint die Mauer an der Bergstraße ungeeignet: Der Spruch "Wählt Thälmann!" zieht seinen Reiz nicht aus der Bedeutung der damaligen Filmproduktion, sondern aus der Provokation, Zustimmung für den kommunistischen Arbeiterführer und Stalinisten Ernst Thälmann, 1944 im KZ Buchenwald ermordet und in der "DDR" zum "Sohn seiner Klasse" und warmherzigen "Teddy" verklärt, zu erheischen. Allein das bietet Stadtmarketing-Ideen in Fülle, wenn man nur die Chuzpe dazu hat.

Als attraktiver Görliwood-Foto-Hintergrund sollte etwas Neues entstehen, vielleicht ein Walk of Fame mit Fußabdrücken der Promis, die in Görlitz bislang ihre Spuren nur ideell hinterlassen haben? Finanzieren könnte man das mit einem weiteren, sagen wir "Walk of Touris" (Arbeitstitel), auf dem sich Touristen den Verbleib ihrer Fußabdrücke in Görlitz nebst Gedächtnistäfelchen erkaufen können.

Reizvoll ist der Altmannsche Vorschlag für ein virtuelles Filmmuseum in Görlitz. Augmented reality (erweiterte Realität) ist nichts Neues mehr und fände hier beeindruckende Anwendungsmöglichkeiten. Dafür allerdings Geld aus dem Strukturwandel-Topf für die Lausitz einzusetzen, dürfte am Förderzweck vorbeigehen: Der Strukturwandel muss zu zukunftsrobusten Arbeitsplätzen außerhalb des Niedriglohnsektors führen, das Geld in der an ihre Grenzen stoßenden Tourismuswirtschaft zu verpulvern, wäre nicht zielführend.

Die Idee, in Görlitz eine Filmakademie zu etablieren, erinnert hingegen an eine Bananenplantage im luftleeren Raum: Ohne das Umfeld einer halbwegs ernstzunehmenden Film- und Medienwirtschaft stünde eine solche Akademie auf verlorenem Posten. Für die Görlitzer selbst bietet der SAEK-Erprobungskanal (Studio Görlitz) schon so einiges.

Zu guter Letzt ist jedoch Altmanns Appell, mit Zukunftsmut neue Ideen und Konzepte anzugehen, dreimal fett zu unterstreichen,

meint Ihr Thomas Beier

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  • Quelle: red / Kommentar: Thomas Beier | Foto: © Görlitzer Anzeiger
  • Zuletzt geändert am 15.03.2019 - 00:47 Uhr
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