Neues Praxiskonzept für niedergelassene Ärzte

 Neues Praxiskonzept für niedergelassene ÄrzteGörlitzer Anzeiger, 12. Januar 2023. Von Thomas Beier. Neue Geschäftideen finden sich leichter, wenn man darauf trainiert ist, Engpässe und Probleme zu erkennen und Lösungen für deren Behebung zu entwickeln. Zu den Problemen, für deren Lösung anscheinend niemandem etwas Gescheites einfällt, zählt der Mangel an Hausärzten in Sachsen. Was jedoch ein junges Unternehmen aus Berlin entwickelt und realisiert hat, ist eine echte Innovation und könnte ein Lösungsbeitrag sein.

Abb.: Im Grunde ist ein Wartezimmer ein Strafraum: Ein Patient wird zum Warten verdammt und mit Zeitverschwendung bestraft, weil der Leistungsanbieter nicht zur vereinbarten Zeit zur Verfügung steht. Manchmal ist das Warten aber notwendig, wenn etwa der Blutdruck gemessen werden soll oder Laborwerte vor Ort ermittelt werden
Foto: Gerd Altmann, Pixabay License
Anzeige

Was Ärzte von einer Niederlassung abhält und eine ganzheitliche Problemlösung

Erst gestern hat der Zittauer Anzeiger meinen Beitrag "Nachfolger für den Hausarzt? Fehlanzeige!" veröffentlicht. Beschrieben wird, was jüngere Ärzte nach einem langen Bildungsweg davon abhält, sich niederzulassen beziehungsweise eine Praxis zu übernehmen.

Kurz gesagt führen vor allem der demografische Wandel und der Wertewandel, mit dem etwa höhere Ansprüche an die Work-Life-Balance einhergehen, zum Desinteresse an einer freiberuflichen Existenz als Arzt. Der Aufwand für eine Einzelpraxis ist vielen nicht nur unter Kosten-Nutzen-Aspekten zu hoch. Sich zusammenzutun ist jedoch ebenso risikobehaftet und bedarf detaillierter vertraglicher Regelungen, ganz egal ob es sich um eine Praxisgemeinschaft oder eine Gemeinschaftspraxis handelt.

Gemeinschaftspraxis oder Praxisgemeinschaft – der Unterschied

Der Unterschied zwischen einer Praxisgemeinschaft und einer Gemeinschaftspraxis ist folgender: In einer Gemeinschaftspraxis wird unter den Partnern alles geteilt, so die Ressourcen und die Kosten dafür sowie der Patientenstamm. Auch die Abrechnung gegenüber den Kassen oder Privatpatienten erfolgt auf gemeinsame Rechnung, nur in der ärztlichen Berufsausübung bleiben die Beteiligten eigenverantwortlich.

In der Praxisgemeinschaft hingegen ist jeder Arzt für sich selbständiger Unternehmer mit eigenem Patientenstamm. Nur die Kosten für gemeinsam genutzte Räume und Medizintechnik teilt man sich.

Medizinische Versorgungszentren – das irdische Himmelreich für Ärzte?

Der Vollständigkeit halber müssen die einer Berufsausübungsgemeinschaft ähnlichen Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) erwähnt werden. Hier arbeiten allerdings von einem Träger angestellte oder unter Vertrag genommene Ärzte – sogenannte Vertragsärzte – und nutzen dessen Räume und medizinische Geräte. Die Träger können unterschiedliche Rechtsformen innehaben, jedoch dürfen MVZ nur von zugelassenen Ärzten – auch einzelnen – wie auch Krankenhäusern sowie von vorgegebenen Leistungserbringern und bestimmten gemeinnützigen Trägern gegründet werden. Insgesamt sind die Gründung und der Betrieb eines MVZ rechtlich detailliert geregelt.

Aus der Sicht von Ärzten ist ein MVZ oft ein bevorzugter Arbeitgeber, weil hier die Sicherheit der Anstellung ohne die mit einem Krankenhausbetrieb einhergehenden Belastungen einhergeht und gegenüber einer Niederlassung Verwaltungsaufgaben minimiert sind. Für den Gesetzgeber sind die MVZ ein wichtiger Ansatz zur Lösung von Versorgungsproblemen und für die Ersatzkassen zur Kostendämpfung.

Prioritäten setzen – nur welche?

Wenn alles jedoch so einfach wäre, wie es auf den ersten Blick erscheint, wäre das Problem Ärztemangels nicht so groß geworden. Der Gedanke, sich anstellen zu lassen, ist nämlich für viele Ärzte durchaus abschreckend. Ausgeprägte Hierarchien machen es Berufsanfängern in Krankenhäusern nicht einfach, Karrieredruck und Verteilungskämpfe um medizinische Ressourcen kommen hinzu.

Andererseits schrecken viele Ärzte beim Gedanken an eine eigene Praxis vor der unternehmerischen Verantwortung und dem Verwaltungsaufwand zurück. Insbesondere die nötige Investitionssumme zwingt immer wieder zu langen Arbeitszeiten und zum wirtschaftlichen Erfolg. Außerdem wird die Flexibilität – etwa in Hinsicht auf einen späteren Wohnortwechsel – stark eingeschränkt, weshalb die eigene Praxis unter Umständen als Klotz am Bein empfunden wird.

Ein Start-up als Problemlöser

Wer gute Ideen entwickeln will, muss zunächst die richtigen Fragen stellen – und nicht wie bestimmte "Kreative" über Kreativität schwafeln. Schaut man auf das, was Patienten oft genug zusätzlich zu ihren gesundheitlichen Beschwerden im Umgang mit einzelnen Gesundheitsdienstleistern erleiden müssen, dürften die folgenden Fragen in den Augen mancher wie eine Provokation klingen:


    • Wie kann man neben der Linderung oder Heilung bestehender Erkrankungen noch besser für dauerhafte Gesundheit sorgen?
    • Wie kann man für Ärzte die Vorteile der Anstellung in einem MVZ und jene einer wirtschaftlich selbständigen Einzelpraxis verbinden?
    • Wie kann man Ärzten modernste medizinische Methoden ermöglichen beziehungsweise die zugrundeliegenden Technologien bereitstellen?
    • Wie kann für Gesundheitsdienstleister eine hochattraktive Lage vor Ort genutzt werden, ohne diese als Mieter wirtschaftlich zu überfordern?


Die umfassende Antwort auf diese und weitere Fragen haben Maximilian Waldmann und Frederic Haitz entwickelt und zwecks Realisierung die Eterno Health GmbH mit Sitz in Berlin gegründet. Der Anspruch von Eterno geht über den Patienten hinaus: Hier wurde ein Weg eingeschlagen, der zu einem gesünderen Gesundheitswesen führen soll.

Neues Denken braucht neue Begriffe. Deshalb werden die Eterno-Standorte – bisher Frankfurt am Main und Hamburg – Hubs genannt. Hub kann man mit Drehkreuz oder Knotenpunkt übersetzen, interessanter ist jedoch, dass, wenn man zwecks Niederlassung als Arzt einen Praxisraum in Hamburg mieten möchte, ab 2025 ein Hub im Elbtower zur Verfügung stehen wird. Auch ein Hub Berlin, ein Hub Düsseldorf und ein Hub München sind in Vorbereitung.

Die Innovation

Das ist die eigentliche Innovation, die in jedem Einzelnen der Hubs realisiert ist: Gemietet wird die voll ausgestattete Arztpraxis oder Therapiepraxis inklusive Gerätezugang IT und Service, das spart nicht allein Verwaltungstätigkeiten, sondern erübrigt den Aufwand und die finanzielle Last einer eigenen Investition.

Zum Konzept der Hubs gehören beispielsweise


    • die Bündelung unterschiedlicher Fachbereiche,
    • ein Vor-Ort-Labor, ein Café, Räume für Telemedizin, solche für Yoga, Gymnastik und Physiotherapie und weitere,
    • die Nutzung der digitalen Patientenverwaltung und Terminbuchung
    • Marketing und eigene Homepage für jeden Mieter
    • Frontoffice- und Backoffice- Leistungen, etwa für den Patientenkontakt und weitere Services.


Tipp:
Auf der oben verlinkten Informationsseite zum Konzept der Miete eines voll ausgestatteten Praxisraums inklusive Service hat Eterno die Vorteile einer freiberuflichen Einzelpraxis denen einer Vertragsbindung an ein MVZ gegenübergestellt, wobei sich zeigt: Mit einer Praxis in einem Eterno Hub werden die jeweiligen Vorzüge vereinigt.

Unter dem Strich

Das Hub-Konzept von Eterno, bei dem niedergelassene Ärzte alles für ihre Arbeit notwendige flexibel mieten können, orientiert sich an sehr guten Lagen in Großstädten. Dennoch kann man sich für strukturschwache Regionen einiges abschauen.

Voraussetzung ist aber, ein überholtes Bild vom Patienten – dessen Zustand möglichst kostengünstig lediglich irgendwie stabilisiert, verbessert oder im Idealfall kuriert werden soll – abzulegen und vor allem um den Aspekt der Gesundheitsvorsorge und des ganzheitlichen Wohlergehens zu ergänzen.

Auch Bezug auf die in Sachsen herbeigesehnten Ärzte scheint vielerorts ein neues Denken nötig: Wie kann man Ärztinnen und Ärzten jene Rahmenbedingungen geben, die ihnen helfen, den Ort ihrer höchsten Wirksamkeit zu erreichen?

Kommentare Lesermeinungen (0)
Lesermeinungen geben nicht unbedingt die Auffassung der Redaktion, sondern die persönliche Auffassung der Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich das Recht zu sinnwahrender Kürzung vor.

Schreiben Sie Ihre Meinung!

Name:
Email:
Betreff:
Kommentar:
 
Informieren Sie mich über andere Lesermeinungen per E-Mail
 
 
 
Weitere Artikel aus dem Ressort Weitere Artikel
  • Quelle: Thomas Beier | Foto: Gerd Altmann, Pixabay License
  • Erstellt am 12.01.2023 - 16:53Uhr | Zuletzt geändert am 12.01.2023 - 17:42Uhr
  • drucken Seite drucken
Anzeige