Nötig: Bauernschläue plus Knowhow

Nötig: Bauernschläue plus KnowhowGörlitz, 15. Januar 2022. Von Thomas Beier. Erfolgreichen Unternehmern sagt man oft eine gewisse Bauernschläue nach: Gemeint ist damit ein gutes Gespür dafür, in einer bestimmten Situation eine vorteilhafte Entscheidung zu treffen, ohne allzu viele komplizierte Überlegungen anzustellen. Doch manchmal reicht das nicht aus.

Symbolfoto: Sam Williams, Pixabay License

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Kompetenz im Fachgebiet ist notwendig, reicht aber nicht aus

Die bauernschlaue Vorgehensweise hat durchaus ihre Berechtigung und vor allem ihre Vorzüge, führt sie doch dazu, dass Entscheidungen schneller getroffen werden und sich deshalb Probleme gar nicht erst aufstauen können. Hinzu kommt: Wer "aus dem Bauch heraus" entscheidet, greift unbewusst auf uralte, genetisch gespeicherte Erfahrungen zurück. Damit liegt man meist genauso wenig schief, als wenn man sich an Volksweisheiten beziehungsweise überlieferten Sprichworten orientiert.

Allerdings stoßen auch der beste Fachmann und die beste Fachfrau als Unternehmer heutzutage sehr schnell an ihre Grenzen, wenn sie sich nur auf ihre geschäftlichen Instinkte verlassen. Hintergrund: Die Welt ist komplexer geworden und Aufgaben lassen sich nicht mehr so einfach wie früher an Experten wie Steuerberater, Rechtsanwälte, Unternehmensberater, Banker und Finanzberater etc. pp. delegieren. Beispielsweise muss ein Unternehmer mindestens so viel Grundwissen in steuerlichen Sachverhalten haben, dass er seinen Steuerberater auf konkrete Fragestellungen ansprechen kann, damit dieser seiner Berufsbezeichnung wirklich gerecht werden kann. Oder erwartet jemand, ein Steuerberater mit vielleicht 100 Mandanten aus der Wirtschaft könnte bei diesen jede einzelne anstehende Entscheidung vorausahnen?

Oftmals sind es Finanz- und Unternehmensberater, die zwar weder steuer- noch rechtsberatend tätig sind und dennoch aus einer übergreifenden Perspektive heraus auf anstehende Fragestellungen hinweisen. Wie ist das gemeint?

Gewinn ist nur die eine Seite

Ein typisches Feld ist die Liquiditätssicherung von Unternehmen. Dazu muss man wissen: Um mittel- und langfristig bestehen zu können, müssen Unternehmen Gewinne machen, sonst gebietet das Finanzamt dem Treiben irgendwann Einhalt, indem die steuerlich Abzugsfähigkeit von Kosten entzogen wird. Gewinne sind etwas Gutes: Sie werden benötigt, um investieren zu können und nicht zuletzt stehen Kommunen wie die Großgemeinde Markersdorf wirtschaftlich gut da, weil die hiesigen Unternehmen gute Gewinne machen und damit das Gewerbesteueraufkommen entsprechend hoch ist.

Kurzfristig können Unternehmen allerdings auch ohne Gewinne auskommen, dann wird der Betrieb etwa aus Rücklagen oder Krediten finanziert. Zu jeder Zeit aber muss ein Unternehmen zahlungsfähig sein – woher das Geld kommt, ist dabei ziemlich egal. Werden jedoch Rechnungen oder Sozialabgaben nicht mehr bezahlt, dann droht ein sogenannter Außenkonkurs, der schnell eine endgültige Betriebsschließung mit sich bringt.

Liquidität muss jederzeit gegeben sein

Unternehmen sind also gut beraten, nicht nur auf Umsätze, Kosten und Abschreibungen und resultierende Gewinn zu achten, sondern zudem auf Ihre Liquidität, als – wie der Name schon sagt – ihren Bestand an "flüssigen Mitteln", sprich bereitstehendem Geld und verfügbaren Mitteln aus anderen Quelle wie etwa eingeräumten Kreditrahmen. Genau das ist der Punkt, wo sich die erwähnte Bauernschläue gern mit etwas Hintergrundwissen paaren darf. Ein Beispiel soll das verdeutlichen.

Ein Beispiel für Liquiditätssicherung

Unternehmen bekommen von ihrer Bank gewöhnlich einen Kreditrahmen eingeräumt, der von ganz unterschiedlichen Kriterien abhängig ist. Andererseits müsse Unternehmen häufig bei größeren Aufträgen eine Sicherheitsleistung hinterlegen, die den Auftraggeber für den Fall absichern soll, dass das Unternehmen seine Leistung nicht wie vereinbart erbringt. Mal angenommen, der Kreditrahmen beträgt 1,4 Millionen Euro und es soll eine Sicherheitsleistung von vielleicht 320.000 Euro erbracht werden. Entsprechend würde der Kreditrahmen auf 1,08 Millionen Euro schrumpfen und damit die wäre die Liquidität eingeschränkt. Praktisch stünde weniger Geld für Materialeinkäufe oder weitere Sicherheitsleistungen für andere Aufträge zur Verfügung.

Umso mehr die Liquidität sinkt, desto stärker steigt für Unternehmen die Alarmstufe. Finanztechnisch lässt sich der drohende Liquiditätsengpass jedoch vermeiden, indem mit der Sicherheitsleistung nicht der Kreditrahmen geschmälert wird, sondern eine Versicherung die Sicherheitsleistung abdeckt. Das Instrument dafür ist eine Bürgschaftsversicherung, die als Avalrahmen oder im Einzelfall bereitgestellt werden kann. Wie das im Detail funktioniert, ist auf der Webseite einer Bürgschaftsversicherung erklärt.

Hintergrundwissen für angehende Unternehmer

Die Redaktion der Regional Magazin Gruppe greift gelegentlich unternehmerische Themen auf. Einerseits ist es zweifelsohne gut, wenn Wissen darüber, wie Unternehmen funktionieren, verbreitet wird. Die andere Seite: Der Strukturwandel weg von der braunkohlebasierten Wirtschaft hin zu immer öfter digitalen Geschäftsmodellen birgt neue Chancen, in den Städten wie für den ländlichen Raum insgesamt. Gelingt es, junge Leute mit guten Geschäftsideen in der Region Görlitz zu halten oder hier anzusiedeln, dann ist schon viel gekonnt.

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  • Quelle: red | Foto: Sammy-Sander / Sam Williams, Pixabay License
  • Erstellt am 15.01.2022 - 21:15Uhr | Zuletzt geändert am 15.01.2022 - 21:35Uhr
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