Sich gegen eine Autopanne versichern?

Sich gegen eine Autopanne versichern?Görlitz, 5. Dezember 2022. Von Tina Beier. Was braucht man im Alltag an zuverlässigen Partnern? Gute Ärzte, einen guten Anwalt und einen guten Versicherungsschutz für den Haushalt, Familie und das Auto und vielleicht für manches mehr. Bei Versicherungen sollte man darauf achten, dass man weder über- noch unterversichert ist und auch die zu zahlende Prämie sich noch im Rahmen bewegt.

Abb.: Ob Panne oder Unfall – im Falle eines Falles ist man heilfroh, vernünftig versichert und sich seiner Helfer sicher zu sein

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Autopanne oder Unfall: Wie reagiere ich richtig?

Autopanne oder Unfall: Wie reagiere ich richtig?

Rutschpartie in den Bergen – und mittendrin der Görlitzer Anzeiger!

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Thema: Ratgeber

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Bevor die Rettung in Form von Helfern kommt, muss zuerst der Autofahrer selbst richtig reagieren. Was hat man nicht alles schon erlebt! Das Kupplungspedal scheint am Bodenblech zu kleben, ein Reifen brennt, die Lichtmaschine gibt auf dem Arbeitsweg ihren Geist auf, auf der Autobahn sieht man im Rückspiegel Autobahn nur noch eine große Qualmwolke, die aus dem Auspuff des eigenen Autos kommt, weil sich der Turbolader verabschiedet hat – oder es kommt ein lautes Klopfen aus dem Motorraum.

Das Klopfen aus dem Motorraum ist so eine Geschichte, über die man erst nach Jahren lachen kann. Es braucht manchmal ein paar Minuten, bis man realisiert hat, dass es sich um den eigenen Wagen handelt. Der Verkehr in der Stadt ist dicht und mehrspurig – und plötzlich ist da dieses laute und unangenehme Geräusch. Nein, das kann nicht vom eigenen Auto kommen, der arme Autofahrer auf der Nebenspur, wie unangenehm für ihn. Innerlich drückt man ihm die Daumen, doch er biegt ab und verschwindet, das laute Klopfen jedoch ist immer noch da. Es ist doch der eigene Wagen!

Wenn man an dieser Stelle leise vor sich hin flucht, kann man auf jedermanns Verständnis hoffen. Jedenfalls Tempo runter und langsam bis zur nächsten Tankstelle. Was anderes soll man auch machen? Nach kurzem Check verkündet der Werkstattleiter mit ernstem Gesicht, dass der Wagen keinen Meter mehr fahren darf, sonst ist das Aus für den Motor sicher. Eine Drahtader aus einem Rillenriemen hatte einen Simmerring durchstoßen…

Ein Reifen brennt! Anhalten – oder weiterfahren?

Auslöser für einen Reifenbrand kann heißer Asphalt, bedingt durch Sonneneinstrahlung in einer Hitzewelle, sein. Oft aber kommen mehrere Ursachen zusammen: Eine blockierte Bremse und zu wenig Luft im Pneu tragen ebenfalls zu übermäßiger Erhitzung bei. Was tun? Die Fachleute raten, zuerst die Warnblinkanlage einzuschalten und unbedingt die Nerven zu behalten. Auf keinen Fall sollte man anhalten, weil das Feuer dann auf das ganze Fahrzeug überspringen kann – die Folgen möchte man sich nicht ausmalen. Deshalb gilt: Langsam, aber nicht zu langsam weiterfahren, damit der Reifen abbrennt.

Noch während der Fahrt ist es wichtig, die Feuerwehr zu informieren. Gefahr droht auch für Unbeteiligte: Der brennende Reifen kann sich von der Felge lösen und wie ein Feuerrad davonrollen. Deshalb sollten andere Fahrzeuge das brennende weder überholen noch behindern. Wenn möglich, sollte der Fahrer auf abgelegene Straßen ohne Fußgängerverkehr oder andere Fahrzeuge ausweichen.

Die Lichtmaschine fällt während der Fahrt aus. Was nun?

Das kommt darauf an, wenn die Kontrolllampe leuchtet, wird jeder erfahrene Trabant-Fahrer sagen: Ist es wirklich der Generator – umgangssprachlich Lichtmaschine genannt – oder der Regler, dann kann man den Trabi noch rund 50 Kilometer auf Batteriestrom weiterfahren, wenn man alle anderen Verbraucher wie Licht oder Radio abschaltet. Ist jedoch der Keilriemen gerissen, fällt die Luftkühlung des Motors aus: Sofort halt! Die Geschichte von der Damenstrumpfhose als Ersatzkeilriemen ist ja inzwischen deutschlandweit bekannt…

Bei modernen Autos muss man im Einzelfall schauen, ob man vielleicht noch bis zu einer Werkstatt weiterfahren kann. Dieselfahrer haben den Vorteil, dass sie keinen Zündstrom benötigen. Und die ganz modernen Autos mit Elektroantrieb haben gar keine Lichtmaschine, wenn man mal von der Rekuperation beim Bremsen absieht.

Stehenbleiben auf offener Straße

Wer keinen Parkplatz mehr erreicht oder gar wegen einer Panne auf der Autobahn halten muss, für den ist wichtig: Immer zuerst die Warnblinkanlage einzuschalten! Dann eine Warnweste überziehen und das Warndreieck aufstellen. Und nun? Auf die Hilfe anderer Kraftfahrer braucht man nicht zu hoffen. Die Zeiten, als man ein Auto quasi "im Vorbeifahren" wieder flott machen konnte, sind vorbei. Für den betroffenen Autofahrer kann sich da durchaus ein Gefühl von Hilflosigkeit einstellen – man ist auf fremde Hilfe.

Tipp:
Im Handschuhfach oder hinter der Sonnenblende einen Zettel mit Notfall-Rufnummern hinterlegen. Notiert werden die Nummern von Verwandten und Freunden, des Automobilclubs oder des Schutzbrief-Versicherers – jeweils mit Mitgliedsnummer – und die der heimatlichen Autowerkstatt.


Wenn Helfer kommen, oft dauert das deutlich weniger als eine Stunde, wird das Auto meist wieder fahrtüchtig gemacht, wenigstens bis zur nächsten Werkstatt. Die Alternative ist Abschleppen, ein nicht ganz billiges Vergnügen, wenn man sich nicht abgesichert hat. In aller Regel verhalten sich die Helfer in einer professionellen Kombination aus sachlich, freundlich und fröhlich – das hilft über die unangenehme Situation hinweg. Auf die ängstliche Frage der Fahrerin hin, ob die Werkstatt auch sicher erreicht werden kann, kommt schon mal die Antwort: "No risk, no fun!" Natürlich wird nach der Hilfestellung durch die Monteure sicher die Werkstatt erreicht.

Hier trennt sich die Streu vom Weizen

Viele Autowerkstätten sind Schönwetter-Partner. Gerade bei den großen Automarken werden die Mitarbeiter im Kundenumgang geschult, etwa, dass der Kunde am liebsten seinen Namen hört. Da darf man dann schon einmal darauf hinweisen, dass man weiß, wie man heißt.

Was eine Werkstatt wert ist, zeigt sich im Notfall. Gut ist es, in brenzligen Situationen die Rufnummer der Werkstatt parat zu haben – sollte man glauben. Die Realität belehrt jedoch eines Besseren. Auf die Frage, ob man mit diesen komisch kratzenden Bremsen noch nach Hause fahren kann, kommt die Antwort: "Die Kollegen machen gerade Schichtübergabe und rufen später zurück." Gemeint war allerdings: Nie werden sie zurückrufen, niemals. Oder die beschriebene Situation: Auf der Autobahn kommt nach dem Einlegen des fünften Gangs das Kupplungspedal nicht mehr hoch. Schockierende Auskunft der angerufenen Werkstatt: “Da wird wohl etwas kaputt sein.” Beide Auskünfte kamen aus einer Görlitzer Markenwerkstatt, die nun einige Kunden weniger hat.

Vorsorgen muss man selbst

Es braucht zuverlässige Partner, die auch wirklich in einer schwierigen Lage Auskunft geben können oder ehrlich sagen, dass sie in diesem Fall aus der Ferne nichts machen können. Der Kraftfahrer sollte sich also vorher schlau machen, wem er sein Vertrauen schenkt. Außerdem ist es hilfreich, Pannen- oder Notsituationen einmal gedanklich durchzuspielen.

Natürlich kann man sich gegen eine Autopanne nicht versichern, so wie eben eine Unfallversicherung nicht vor einem Unfall schützt. Eine Versicherung hilft aber, das Risiko der Folgekosten im Griff zu behalten. Alle Versicherten zahlen eine Risikoprämie, mit der sie sich – organisiert von der Versicherungsgesellschaft – im Schadensfall gegenseitig helfen.

Gerade jetzt im Winter gehören eine Wolldecke und bei längeren Fahrten ein heißes Getränk und etwas zu knabbern als Notproviant ins Auto. Ein stundenlanger Stau auf der Autobahn kann jeden treffen. In Skandinavien schwört man sogar auf Hochprozentiges im Auto: Wer hundert Kilometer vom nächsten Haus mit seinem Auto bei tiefen Minusgraden steckenbleibt, braucht sich um seine Fahrtüchtigkeit keine Sorgen mehr zu machen, wohl aber um den Kältetod.

Sich der Hilfe versichern

Für Pannenhelfer gibt es einen Markt: Etliche Unternehmen bieten Schutzbriefe an, alternativ gibt es Automobilclubs, die Mitgliedschaften inklusive Hilfeversprechen für den Fall eines Falles anbieten.

Bei der Auswahl der Anbieter lohnt es sich, nicht nur auf sein Gefühl zu hören oder zu schauen, was andere machen, sondern den finanziellen Aufwand und die garantierten Leistungen zu vergleichen. Für viele dürften etwa die Pannenhilfe und das Abschleppen bei Panne oder Unfall ganz oben auf der Liste der abzusichernden Ereignisse stehen.

Manche Versicherungen werben ganz offensiv damit, mit ihren Schutzbriefen eine ADAC Alternative zu sein. Statt Mitgliedschaft im ADAC Schutzbrief kaufen, das ist offenbar die Devise der Anbieter. Letztendlich hilft nur der detaillierte Vergleich der Leistungen aus einer Clubmitgliedschaft, einem Kfz-Schutzbrief, der bei einigen Kfz-Versicherungen mitversichert wird, und einem versicherungsunabhängigen Solo-Schutzbrief.

Tipp:


Achten sollte man beispielsweise auf solche Regelungen:

    • Gelten die Schutzzusagen gleich von Beginn der Abfahrt oder erst ab einer gewissen Mindestentfernung von zu Hause?
    • Ist nur ein einzelnes Kfz oder sind etwa auch geliehene oder gemietete Kfz versichert?
    • Was ist, wenn das eigene Kfz von einem anderen Fahrer genutzt wird?
    • Welche Leistungsbeschränkungen gibt es? Könnte man die notfalls auch ohne Schutz tragen?
    • Kann der Anbieter die nötige Infrastruktur zusichern, um im Schadensfall tatsächlich und jederzeit Hilfe zu leisten?

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  • Quelle: Thomas Beier | Fotos: © BeierMedia.de, © Görlitzer Anzeiger
  • Erstellt am 05.12.2022 - 19:03Uhr | Zuletzt geändert am 06.12.2022 - 00:05Uhr
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