4. Philharmonisches Konzert in der Oberlausitz

4. Philharmonisches Konzert in der OberlausitzGörlitz, 25. Februar 2020. Brahms, Schumann – aber wer ist Koffler? Józef Koffler, polnischer Komponist, Musikpädagoge und Musikjournalist, geboren 1896, mit seiner Familie von einer deutschen Einsatzgruppe 1944 umgebracht. Nur wenige seiner Werke sind erhalten, was die bevorstehende Aufführung seines Klavierkonzerts op. 13 umso wertvoller macht.

Die Neue Lausitzer Philharmonie

Foto: Pawel Sosnowski, Bildquelle: Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau GmbH

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Neue Lausitzer Philharmonie lädt ein

Thema: Theater Görlitz-Zittau

Theater Görlitz-Zittau

Die Gerhart Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau GmbH (GHT) verfügt über feste Häuser in Görlitz und Zittau und bespielt die Waldbühne Jonsdorf. Als Vierspartenhaus vereint das GHT Musiktheater (Oper, Operette, Musical), Tanz, Schauspiel und die Konzerte der Neuen Lausitzer Philharmonie. Es ist ein wichtiger Teil Kulturraums Oberlausitz-Niederschlesien. Beliebt sind auch die Aufführungen an besonderen Spielstätten. Das Theater engagiert sich in der Theaterpädagogik für Kinder und Jugendliche sowie im interkulturellen Austausch mit Polen und Tschechien.

Nicht etwa das inzwischen genderlich verpönte "FF, meine Herren!" (ein alter Witz, der gut in die Zeiten der untergehenden Rechtschreibung passt, denn "FF" steht für "Viel Vergnügen"), sondern das hochkulturell angehauchte "F – A – F" ist als Titel des 4. Philharmonischen Konzerts der Neuen Lausitzer Philharmonie unter der Leitung von Generalmusikdirektorin Ewa Strusińska gewählt worden, wobei zum besseren Verständnis der vollständige Titel genannt werden muss: "F – A – F: FREI ABER FROH?"

Im Konzert erklingt der Hochmeister der deutschen Romantik Johannes Brahms. Was für ein Mann! Der gebürtige Hamburger erwies sich als gewiefter Marketingfuchs, der anfangs unter Pseudonymen veröffentlichte und ihnen höhere Opuszahlen zuteilte, als es die Anzahl seiner Werke zugelassen hätte. "Das ist ein Berufener", schrieb Robert Schumann über ihn. Er und besonders seine Frau, die berühmte Klaviervirtuosin Clara Schumann geb. Wieck, pflegten eine tiefe seelische Verflechtung mit Brahms. Ins Feuer: Als junger Mann verbrannte Brahms einige seiner Werke, weil er fürchtete, den Ansprüchen der Öffentlichkeit nicht zu genügen. Einvernehmlich verbrannten der 25-jährige Johannes Brahms und die 14 Jahre ältere Clara Schumann ihren mehrjährigen Briefwechsel, was eingefleischten Romantikern noch heute einen Seufzer über die Lippen bringt.

Aufgeführt wird auch die Ouvertüre zur Oper "Genoveva" von Robert Schumann, dem Mann aus dem sächsischen Zwickau. Der Komponist und Poet kam über die Klaviermusik und Lieder zur Orchestermusik, zu seiner Frau Clara kam er über das, was man Liebschaften nennt. Schumann wollte zwar, dass seine Frau komponiert, suchte aber ihre Konzerttätigkeit zu verhindern. Erst Geldsorgen ließen das Paar auf Konzerttournee gehen, dabei stand der Komponist im Schatten seiner Frau. Im 4. Philharmonischen Konzert ist auch sein Konzert-Allegro mit Introduktion für Klavier und Orchester d-Moll, op. 134, zu hören.

Am Klavier ist Katarzyna Wasiak, eine junge polnische Pianistin, die einer Musikerfamilie entstammt, studierte unter anderem an der Hochschule für Musik Hans Eisler Berlin und ist Preisträgerin etlicher internationaler Klavierwettbewerbe.

Neben Schumann spielt Wasiak im Philharmonischen Konzert auch das Klavierkonzert von Józef Koffler, das für viele Konzertbegeisterte eine Entdeckung sein dürfte. Koffler hatte in Lemberg und Wien studiert, wurde 1923 promoviert und hatte von 1928 bis zu seiner Verhaftung durch die deutschen Besatzer im Jahr 1941, der die Einweisung ins Ghetto von Wieliczka (von den deutschen Groß Salze genannt) bei Krakau (Kraków) folgte, einen außerordentlichen Lehrstuhl für atonale Harmonielehre und Komposition am Konservatorium Lemberg inne.

Den Abschluss des Konzerts bildet die 3. Sinfonie F-Dur op. 90 von Johannes Brahms, womit sich der Titel des 4. Philharmonischen Konzerts erklärt: "Frei, aber froh" (f – a – f) war das Lebensmotto von Brahms und die ersten drei Akkorde der Sinfonie haben die Spitzentöne f, as und f, also eine Mollvariante dieses Mottos, während im sofort folgenden absteigenden Hauptthema der Dur-Akkord mit dem leuchtenden Kammerton a erklingt.

Es musizieren:

    • Katarzyna Wasiak, Klavier
    • Generalmusikdirektorin Ewa Strusińska, Dirigentin
    • Neue Lausitzer Philharmonie

Aufführungen:
    • Donnerstag, 5. März 2020, 19.30 Uhr, Theater Bautzen
    • Freitag, 6. März 2020, 19.30 Uhr, Theater Görlitz
    • Sonnabend, 7. März 2020, 19.30 Uhr, Theater Zittau
    • Dienstag, 10. März 2020, 19.30 Uhr, Theater Görlitz
    • Mittwoch, 11. März 2020, 19.30 Uhr, Lausitzhalle Hoyerswerda

Tipp:
Jeweils 45 Minuten (in Bautzen 30 Minuten) vor den Konzerten gibt der Dramaturg lvo Zöllner eine Einführung.

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  • Quelle: red | Foto: Pawel Sosnowski
  • Erstellt am 25.02.2020 - 08:41Uhr | Zuletzt geändert am 25.02.2020 - 10:10Uhr
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