Mal ehrlich über Geld reden

Mal ehrlich über Geld redenGörlitz, 8. März 2021. Von Thomas Beier. Der Frauentag verleitet zu unzulässigen Vergleichen. Ohne Frau hat Mann Probleme, mit Frau allerdings ebenfalls, wenn auch ganz andere. In Geldfragen ist das ganz genau so: Ohne Geld hat man Probleme, mit Geld allerdings ebenfalls, wenn auch ganz andere. Wer nun meint, Frauen würden zwangsläufig zu Geldproblemen führen: Das ist falsch. Dennoch scheint Geld ein Thema zu sein, wohlgemerkt für Männer, Frauen und Diverse, das recht gut mit dem Frauentag korrespondiert.

Nichts gegen Floristen, aber wenn es funkelt, brechen die Herzen der stolzesten Frau'n

Symbolfoto: Terri Cnuddle, Pixabay License

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Geld ist nicht alles, aber eine gute Basis für vieles

Geld ist nicht alles, aber eine gute Basis für vieles

"Doch wehe, wenn sie losgelassen..." entspricht nicht mehr dem modernen Frauenbild; heutzutage ist es selbstverständlich, wenn Frauen ohne männliche Begleitung auf Shopping-Tour gehen – und der Umgang mit der Kreditkarte ist schließlich schnell gelernt

Symbolfoto: Borko Manigoda, Pixabay License

Thema: Ratgeber

Ratgeber

Guter Rat muss nicht teuer sein, kann aber teure Erfahrungen ersparen. Ratschläge und Tipps aus Wirtschaft, Finanzen, Heimwerken, Haushalt, Gesundheit und Ernährung, Erziehung und zum Verhalten.

Sucht man etwa guten Rat, wie man sein Erspartes so anlegen könnte, damit es nicht von der Inflation angenagt wird oder sich sogar auf welche Weise auch immer vermehrt, so stößt man oft genug – um nicht zu sagen nahezu ausnahmslos – auf Leute, die einem gleich die "beste" Geldanlage andrehen wollen. Mit neutralem Rat ist es dann so eine Sache, wenn Vertriebsinteressen im Spiel sind – nicht jeder Anbieter kann das sauber trennen.

Das bedeutet, man kommt nicht umhin, sich selbst mit Geld und den auf ganz wunderbare Weise damit verbundenen Themenkomplexen


    • Wie komme ich zu Geld?
    • Wie lege ich mein Geld an?
    • Wie gebe ich mein Geld aus?

zu beschäftigen.

Nun wird so mancher lachen und meinen, der dritte Punkt sei nun doch wahrlich einfach! Klar kann man seiner Frau – ein Beispiel zum Entsetzen aller Gleichstellungs- und Genderfans, zudem noch am Weltfrauentag – die Kreditkarte in die Hand drücken und ein Taxi bestellen, das sie zu allen Schuh- und Klamottenläden der Stadt fährt, die Juweliere nicht zu vergessen, und schon ist man aller Sorgen des Geldausgebens entledigt. Aber der Reihe nach.

Zu Geld kommen

Voraussetzung ist allerdings, dass man zu Geld gekommen ist. Lässt man Lottogewinn und Erbschaft beiseite, so kristallisiert sich schnell das Thema Arbeit zwecks Gelderwerb heraus. Ob die Arbeit sich nun allerdings am erzielbaren Maximaleinkommen ausrichten sollte? Ich glaube nicht. Vor allem muss die Arbeit Spaß machen, indem sie Herausforderungen und Erfolgserlebnisse in Einklang bringt, und wenn man dann auch noch gut davon leben kann, dann ist man schon auf der Sonnenseite des Arbeitslebens angekommen. Sich auf diesen Weg zu begeben, dafür ist es nie zu spät: Man kann als junger Mensch die Weichen gleich richtig stellen, nicht einmal unbedingt im klassischen Sinn von Karriere, oder vor der Rente noch einmal durchstarten, wenn man sich seine geistige Flexibilität erhalten hat.

Geld anlegen

Geld anlegen ist in Null-Zins-Zeiten – dem Vernehmen nach stehen bald sogar verstärkt Gebühren für Bankdienstleistungen ins Haus – keine einfache Entscheidung und manchem wird erst jetzt klar, dass das geflügelte Wort “No risk, no fun!” auch in Fragen der Geldanlage für ihn – respektive für sie – gilt. Für Finanzconsultant Rolf Domke ist das nichts Neues: "Ertragsaussichten, Verlustrisiken und Verfügbarkeit waren schon immer das magische Dreieck der Geldanlage, nur dass jetzt, wer Erträge möchte, sich verstärkt auch mit den Risiken beschäftigen muss. Insbesondere dann, wenn die Anlage alsbald wieder gebraucht wird und nicht lange Zeit, mindestens fünf Jahre, unberührt bleiben kann, muss man sehr genau hinschauen und abwägen."

Während früher für Privatsparer die Festgeldanlage mit eher kleiner Rendite, hoher Sicherheit und, wie der Name schon sagt, geringer Verfügbarkeit typisch war, wird der Sparer heute im Grunde zwangsläufig zum Investor, wenn er sein Kapital erhalten oder nennenswert mehren möchte: Aktien und Fonds bieten eine schier unübersehbare Auswahl, in der sich der Laie ohne Vorkenntnisse, wie sie übrigens auch bei der Inanspruchnahme von Beratung wertvoll sind, orientierungslos vorkommt. Auch hier wollen Ertragsaussichten, Risiken und der grundsätzlich nötige lange Atem unter einen Hut gebracht werden.

Wer sich nicht auskennt, dem ist seriöse Beratung dringend zu empfehlen, vor allem gilt: Je höher die Renditeversprechen und je schneller der Erfolg eintreten soll, umso mehr Vorsicht ist geboten! Auf seiner Webseite hat der in Geldangelegenheiten erfahrene Rolf Domke einige Hinweise zur Auswahl von Kapitalanlagen zusammengefasst.

Geld ausgeben

Wer klug ist, gibt sein Geld so aus, dass er es möglichst nicht verliert. Um diesen Anspruch zu illustrieren, zwei Beispiele. Man kann locker 1.000 Euro für eine prächtige Silvesterparty samst Feuerwerk – Ja doch, nach Corona! – ausgeben. Was ist der Nachhaltigkeitseffekt? Positiv: Freundschaften wurden vertieft oder es sind neue hinzugekommen, vielleicht kündigt sich, ob nun gewollt oder nicht, irgendwann Nachwuchs als Folge eines Silvesternachtsereignisses an. In den meisten Fällen jedoch läuft es wohl anders: Es gibt keinen Nachhaltigkeitseffekt außer vielleicht einem Brummschädel, aber selbst der sollte binnen eines Tages vergehen.

Man könnte allerdings auf die Party in dieser Größenordnung verzichten und die 1.000 Euro dafür verwenden, bei nötig werdenden Anschaffungen nicht eine der preiswerteren, sondern vielleicht eine besonders effiziente oder haltbare Variante zu wählen – auf Dauer rechnet sich das gewöhnlich. Außerdem reicht der Betrag locker, auf gesunde Ernährung umzusteigen und damit die biologische Landwirtschaft und die artgerechte Tierhaltung zu fördern. Wer all das nicht will, investiert das Geld halt, siehe oben.

Unterm Strich geht es darum, sein Geld nachhaltig auszugeben und so den Eigennutz etwa mit Umweltinteressen wie eben die Nachhaltigkeit als Gegenstück zu schnelllebigen Konsumgesellschaft zu verbinden. Sich mit schönen Sachen – dazu gehört auch die Kunst lebender Künstler – und mit haltbaren Dingen zu umgeben, dazu braucht es oft nur die kleine Überlegung beim Kauf, mit der die entsprechenden Prioritäten in Erinnerung gerufen werden. Für manche Anbieter ist das Geschäftsmodell, etwa wenn sich eine Firma wie Manufactum als "Warenhaus der guten Dinge" auf Produkte spezialisiert, bei denen Funktion, Qualität, Langlebigkeit und Reparierbarkeit im Vordergrund stehen: Zeitlose Klassiker statt eher kurzlebige Artikel, der Lebensende schon beim Kauf absehbar ist.

Sich mit Geld beschäftigen

Leute, die sich mit Geld beschäftigen, erleben immer wieder einmal den Vorwurf, sie würden "immer nur ans Geld denken". Das ist sicher falsch, es besteht eher ein anderes Paradox: Jeder benötigt Geld, aber viele wehren Gedanken ab, wie sie zu Geld und Vermögen kommen können. Dabei hat doch etwas Gutes tun zu können sehr viel mit dem Vermögen dafür zu tun! Am liebsten scheint es solchen Zeitgenossen zu sein, wenn das Geld wie aus dem Nichts einfach auf dem Kontoauszug erscheint, ganz ohne Gedanken an die eigene Nützlichkeit für andere, schwierige Verhandlungen, ständige Akquisition und letztlich den Verkauf. In vielen Fällen, in denen Gehaltserhöhungen gefordert werden, sollte ein vierwöchiges Praktikum im Verkauf zur Voraussetzung gemacht werden, damit klar ist, wie das Geld ins Unternehmen kommt.

Auf jeden Fall ist gut beraten, wer sich – ob nun angestellt oder auf eigene Rechnung – eine unternehmerische Denkhaltung angewöhnt und diese systematisch entwickelt. Viele Entscheidungen im Privatbereich beinhalten starke unternehmerische Aspekte, so etwa die erwähnten Kapitalanlagen, ob Wohneigentum angestrebt wird und selbst die Anschaffung eines neuen Autos: Stets stehen Fragen wie “Lohnt sich das?”, “Was alles kann schiefgehen?” und finanzielle Auswirkungen im Raum. Abgesehen von Grundkenntnissen ist es immer wieder hilfreich, Themen wie auf einem Wirtschaftsforum von unterschiedlichen Seiten zu beleuchten. Es geht ja nicht nur um Faktenlernen, sondern vor allem darum, auf Basis von Fakten und Zusammenhängen auf neue Ideen und Anregungen zu kommen, die eben nicht dem verbreiteten Standard entsprechen.

Oder glaubt wirklich jemand, erfolgreich dadurch zu werden, indem er oder sie genau das macht, was alle anderen tun?

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  • Quelle: red | Foto Paar: TerriC / Terri Cnuddle, Pixabay License, Foto zwei Frauen: borevina / Borko Manigoda, Pixabay License
  • Erstellt am 08.03.2021 - 07:33Uhr | Zuletzt geändert am 08.03.2021 - 17:32Uhr
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