Die Schlüsselfrage

Die SchlüsselfrageGörlitz, 24. Februar 2021. Von Thomas Beier. In vielen der historischen Wohnhäuser in Görlitz findet sich innen neben der Haustür, aber auch neben Innentüren ein geheimnisvolles Fach im Mauerwerk, über dessen Funktion zumindest das Internet auf den ersten Blick keine Auskunft gibt. Stand hier ein Licht für die Nacht, wurden hier Schlüssel oder Geld hinterlegt?

Abb.: Wozu dienten solche Wandausfachungen neben Türen in alten Häusern? Auf dem Schlüsselanhänger ist übrigens zu lesen: Franz Wilcke, Schlossermeister, Görlitz – lang ist's her

Foto: © BeierMedia.de

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Vom Ort, wo die Dinge hingehören

Sicher gibt es Experten, die wissen, welche Bewandtnis es mit den seltsamen Ausfachungen hat – wenn ja, bitte unter dem Artikel einen Kommentar hinterlassen! Aber ihre Existenz der merkwürdigen Ausfachungen in der Wand führt auf einen anderen Gedanken, den unsere Altvorderen sicherlich bereits kannten. Gemeint ist der Ort, wo die Dinge hingehören.

Der Tresor: mehr Ordnung als Sicherheit

Was damit gemeint ist? Solch ein Ort ist etwa der Tresor, in dem wichtige Dokumente, Wertsachen und Bargeld aufbewahrt werden – weniger, um all das vor Diebstahl zu schützen, sondern vor allem um zu wissen, wo es ist beziehungsweise wo es sein sollte.

Wer beim Stichwort Tresor jetzt gleich an Franz Jäger Berlin denkt – die Olsenbande lässt grüßen – liegt nicht zwangsläufig richtig. Viele verstehen darunter einen eher einfachen Möbeltresor oder gleich eine tragbare Geld- oder Dokumentenkassette. Aber ein Tresor, den selbst ein einzelner Einbrecher leicht mitnehmen kann, hat mit Diebstahlschutz kaum noch etwas zu tun. In diesem Sinne ist nur feststellbar, ob er noch da ist, aufgebrochen wurde oder ob der Inhalt noch vollständig ist.

Der Schlüsselkasten: Zugang verhindern oder gewährleisten

Ähnlich verhält es sich mit einem Schlüsselkasten, den man als Sonderform eines einfachen Tresors bezeichnen könnte. Dessen oberste Funktionen: Zu wissen, wo ein Schlüssel zu finden und ob er vorhanden ist – nichts ist ärgerlicher, als einen Schlüsseldienst rufen zu müssen wegen eines vermeintlich abhandengekommenen Schlüssels, der sich kurz darauf wieder anfindet. Hinzu kommt natürlich der Gedanke, Schlüssel vor unberechtigtem Zugang zu schützen. Die praktischen Anwendungen in der Arbeitswelt sind schier unbegrenzt, von der Verwaltung von Autoschlüsseln bis zu jenen für Pensionszimmer oder die einzelne Räumlichkeiten im Betrieb.

Doch auch im Privatbereich macht ein zentraler und sicherer Ort für Schlüssel Sinn: Zum Ordnungsgedanken kommt hinzu, dass Gäste oder auch Kinder, denkt man etwa an eine Hobbywerkstatt mit ihren Maschinen, nicht überall Zugang haben sollten. Für Einbrecher dagegen wäre es höchst erfreulich, wenn Garagen- und Autoschlüssel frei zugänglich und traulich nebeneinander hängen würden.

Manchmal aber wird ein Schlüsselkasten benötigt, um den Zugang zu Schlüsseln zu gewähren. Solche sogenannten Schlüsselboxen verfügen über ein Zahlenschloss, über dessen Code anreisende Feriengäste oder etwa Abholer eines Autos Zugang zu ihren Schlüsseln finden. Wer solche Lösungen anwendet, sollte freilich den Code des Zahlenschlosses immer wieder umprogrammieren. Trotz aller Digitalisierung sind solche Zahlenschlösser übrigens meist sehr robust rein mechanisch ausgeführt.

Um den Zugang zu Schlüsseln geht es auch in einer dritten Variante des Schlüsselkastens: dem Notschlüsselkasten. Seine Besonderheit ist eine Glasscheibe, die den Schlüssel sichtbar macht und eingeschlagen werden kann, um an ihn zu gelangen. Typisch sind solche Notschlüsselkästen in der Nähe von Türen auf Fluchtwegen, die ins Freie führen und einzig und allein nur als Fluchtweg genutzt werden sollen. Eine andere Anwendung sind technische Anlagen, für die im Notfall der Zutritt möglich sein muss, wenn sich der Zugang auf einem darüber hinaus gesicherten Betriebsgelände befindet. In jedem Falle signalisiert eine eingeschlagene Scheibe am Notschlüsselkasten, dass eine Tür von jemandem geöffnet wurde, der über keinen anderen Schlüssel verfügte.

Tipps:


    • Notfalltüren sollten verplombt oder über ein Alarmsystem gesichert werden, um jeglichen Missbrauch auszuschließen.
    • Muss in einem Notfall nur ein bestimmter Personenkreis Zugang haben, ist eine Schlüsselbox mit Zahlenschloss die sicherere Variante, weil sie Missbrauch besser verhindert.

Das Prinzip: jedes Ding an seinem Ort

Wer sich mit dem Ordunghalten ein wenig schwertut, dem hilft das Prinzip, wie es hinter Tresor und Schlüsselkasten steckt: Jeder Gegenstand braucht einen vorher festgelegten, logisch nachvollzieharen Ort, so wie übrigens jede Datei auf der Computerfestplatte auch.

Ein guter Rat ist es, solche Aufbewahrungsorte zu beschriften. Das hilft, Ordnungsprinzipien auf Dauer einzuhalten. Alles Erdenkliche bis hin zur Kleidung nicht mehr in herkömmlichen Schränken oder Regalen, sondern – wenn etwas nicht tagtäglich in Gebrauch ist oder dekorativen Zwecken dienen soll – in beschrifteten Euroboxen aufzubewahren, liegt im Trend. Der Wäscheschrank und andere werden dann durch Boxen-Regale ersetzt, allerdings nicht unbedingt im Wohnzimmer. So wird Wäscheholen zum Boxenstopp und dadurch auch für manchen Mann interessant.

Die stabilen und haltbaren Euro-Boxen sind in unterschiedlichen Größen sowie mit und ohne Lüftungsgitter beispielsweise in Baumärkten erhältlich. Wer vorhat, noch einmal umzuziehen, weiß dieses Prinzip doppelt zu schätzen.

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  • Quelle: Thomas Beier | Foto: © BeierMedia.de
  • Erstellt am 24.02.2021 - 10:44Uhr | Zuletzt geändert am 24.02.2021 - 11:25Uhr
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