Landratswahl Görlitz, erster Teil

Landratswahl Görlitz, erster TeilGörlitz, 12. Juni 2022. Von Thomas Beier. Heute sollte sich das Wahlvolk im Landkreis Görlitz für einen neuen Landrat entscheiden und wenn man eine Scheißegal-Stimmung messen möchte, dann ist das mit der Wahlbeteiligung von 49,4 Prozent gelungen. Dabei ist es doch wirklich nicht egal, wer als Chairman ins wuchernde Landratsamt einzieht.

Abb.: Durch diese Pforte muss er kommen, der neue Landrat, der sich freilich auch als Landrätin erweisen kann

Foto: © Görlitzer Anzeiger

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Nach der Wahl ist vor der Wahl

Thema: Parteien, politische Akteure und Wähler

Parteien, politische Akteure und Wähler

Demokratie lebt von Akteuren, die substantiell zu Meinungsvielfalt beitragen, konsensfähig sind und so handeln, dass möglichst viele einbezogen werden und ein allgemein anerkannter Nutzen für die Gesellschaft entsteht, der über das oft genannte "Zeichen setzen" hinausgeht.

Dem Interessierten sind die Zahlen längst bekannt, die Stimmen verteilten sich heute auf die vier Kandidaten so:


    • Dr. Stephan Meyer (CDU): 46,3 Prozent
    • Sebastian Wippel (AfD): 35,5 Prozent
    • Sylvio Arndt (Einzelbewerber): 10,1 Prozent
    • Kristin Schütz (FDP): 8,1 Prozent

Woran sich die Wählerinnen und Wähler bei ihrer Stimmentscheidung orientiert haben, wissen wohl nur sie allein. Dennoch darf man ja ein wenig spekulieren.

Vermutlich war der erste Wahlgang, bei dem niemand die nötige absolute Mehrheit erzielte – zumindest bei jenen, die nicht in irgendwelchen parteipolitischen "Netzwerken" und Abhängigkeiten gefangen sind – zum großen Teil eine Personenwahl.

Bei der Stichwahl am 3. Juli dürfte es vielmehr um eine Entscheidungsschlacht zwischen CDU und AfD gehen. Dabei kommt dem CDU-Kandidaten wohl zupass, dass demokratische Parteien, die keinen eigenen Kandidaten aufgestellt haben, ihn unterstützen. Andere wiederum wollen angesichts des Fußvolks, das hinter dem Kandidaten steht, unbedingt einen AfD-Landrat verhindern.

Allerdings bringt es nichts, auf die AfD-Wähler herabzublicken. Wenn in Ostsachsen, ganz grob, zwischen 25 und 35 Prozent der Einwohner bei den heutigen Wahlen AfD-Kandidaten ihre Stimme gegeben haben, dann muss man deren Meinung ernstnehmen.

Schließlich sind Wahlergebnisse nicht der Anspruch einer Mehrheit darauf, eine Minderheit zu unterdrücken, sondern die Verantwortung, anstehenden Probleme mit ihren Methoden – denen der Gewählten – zu lösen.

Kommentare Lesermeinungen (1)
Lesermeinungen geben nicht unbedingt die Auffassung der Redaktion, sondern die persönliche Auffassung der Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich das Recht zu sinnwahrender Kürzung vor.

Ernst nehmen?

Von Nicole Quint am 14.06.2022 - 15:27Uhr
AfD-Wähler ernst nehmen? Was kommt als Nächstes – Reichsbürger und Freie Sachsen zum Kaffeekränzchen bitten?

Demokratie lebt vom Streit, von Kompromisssuche, davon einander zuzuhören und den anderen zu respektieren, nichts von alledem habe ich bei der AfD und ihren Anhängern gefunden, nicht einmal den Anspruch ernst genommen werden zu wollen, nur gefürchtet. In Görlitz verschenken 18 Prozent der Wähler ihre Stimmen an einen parteilosen Autoverkäufer und eine Politiker-Attrappe der FDP – wohl wissend, dass beide chancenlos sind – weil sie gar keine echte Wahl haben und trotzdem gerne das schlimmste Szenario verhindern möchten.

Wer nimmt diese 18 Prozent ernst? Grüne, Linke und SPD jedenfalls nicht. Die stellen erst gar keine eigenen Kandidaten auf, um Wahlkampfkosten zu sparen. Eine Bankrotterklärung für die Demokratie und ein Fest für die AfD, deren Methoden zur angeblichen Problemlösung wir hoffentlich nicht erleben werden.

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  • Erstellt am 13.06.2022 - 00:00Uhr | Zuletzt geändert am 13.06.2022 - 00:37Uhr
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