Bäume vor der Säge bewahren

Bäume vor der Säge bewahrenGörlitz, 23. März 2021. Auf seiner Sitzung am 25. März 2021 soll der Stadtrat Görlitz auf Antrag der Fraktion Motor Görlitz/Bündnisgrüne über eine neue Baumschutzsatzung beraten, die den Schutz für ganz unterschiedliche Gehölze in der Neißestadt verbessert.

Zum Glück gilt nomen est omen nicht immer: an der Dr.-Kahlbaum-Allee in Görlitz

Archivbild/Symbolfoto: © BeierMedia.de

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Baumschutz ist Klimaschutz in der Stadt

Thema: Parteien, politische Akteure und Wähler

Parteien, politische Akteure und Wähler

Demokratie lebt von Akteuren, die substantiell zu Meinungsvielfalt beitragen, konsensfähig sind und so handeln, dass möglichst viele einbezogen werden und ein allgemein anerkannter Nutzen für die Gesellschaft entsteht, der über das oft genannte "Zeichen setzen" hinausgeht.

Von Dr. Jana Krauß. Unsere Vorlage trägt den Namen "Satzung zum Schutz und zur Pflege des Gehölzbestandes der Stadt Görlitz". Sie soll die Aufmerksamkeit auf den Baumschutz lenken. Das Interesse der Stadtgesellschaft an diesem Thema nimmt zu, wie man auch in den sozialen Medien wahrnehmen kann. Zurecht, denn die Baume im Stadtgebiet sind stark gestresst. Viele sterben. Damit gehen uns Natur und Artenvielfalt verloren. Wir sollten darauf achten, dass nicht noch zusätzlicher Schaden entsteht, indem ersatzlos gefällt wird. Es geht um das Stadtklima, da ist jeder Baum wertvoll. Bäume sorgen für Sauerstoff, regulieren die Luftfeuchtigkeit und die Temperaturen. Tiere finden durch die Gehölze Wohn- und Lebensraum, sie bieten Erholung und Orientierung. Wenn schon eine Fällung nötig ist, dann brauchen wir Ersatz. Dieser muss nicht notgedrungen auf dem eigenen Grundstück stattfinden, aber schon im Stadtgebiet.

Eine zeitgemäße Satzung ist Klimaschutz und damit Bestandteil der Umsetzung des Görlitzer Ziels, bis 2030 klimaneutrale Stadt zu werden. Im Februar 2021 wurde im Sächsischen Landtag die Änderung des Sächsischen Naturschutzgesetzes beschlossen. Auf dieser Grundlage erhalten Kommunen neue Gestaltungsfreiheit. Für uns ist das Anlass, an einer Anpassung der zuletzt vor fast zehn Jahren beschlossenen Baumschutzsatzung zu arbeiten. Neu aufnehmen wollen wir den Schutz von Baumarten, die bisher nicht erfasst sind, wie Obst- und Nadelbäume. Auch den Schutz von Bäumen mit einem Stammdurchmesser von weniger als einem Meter sowie von Großsträuchern und Hecken streben wir an. Uns ist bewusst, dass dies nicht überall auf Beifall stoßen wird. Aber es gehört für uns zu einer ehrlichen Politik, auch die umstrittenen Themen anzufassen, wenn wir davon überzeugt sind, dass sie wichtig für unsere Stadt sind. Unser Satzungsentwurf beschreibt einen maximalen Schutz, ist aber kein Dogma, sondern lädt zur Diskussion ein.

Hier finden Sie den Beschlussantrag und den Satzungsentwurf: https://fraktion-motor-gruene.de/jeder-baum-ist-wertvoll/

Dr. Jana Krauß ist Vorsitzende der Görlitzer Stadtratsfraktion Motor Görlitz/Bündnisgrüne.


Kommentar:

Die Deutschen lieben ihre Bäume, wobei bei den einheimischen Arten manche vor allem die Eichen samst ihrem in Blech gepresstem Laub verehren, die anderen lieber beisammen vorm Dorfkrug unterm Lindenbaum sitzen. Überhaupt ist die deutsche Geschichte auf bemerkenswerte Weise und nicht nur in der Mystik mit Wald und Bäumen verbunden, mit dem Teutoburger Wald oder dem für Sachsen wichtigen Miriquidi etwa, aber auch mit Birkenau und Buchenwald.

Nun also kommt das Thema Bäume und größere Gehölze in Görlitz auf die Tagesordnung, unter besonderem Hinweis auf deren von niemandem ernsthaft bestrittenen positiven Einfluss auf das Klima und ihre Bedeutung für die Artenvielfalt. Dass dennoch Menschen Bäume fällen wegen des störenden Laubs, zeugt von der Entfremdung von der Natur, die übrigens nicht nur in Städten, sondern auch im ländlichen Raum zu beobachten ist: Laub auf dem von jeglichem Leben befreiten Rasen oder, schlimmer geht immer, im Schottergarten – was für eine Zumutung!

Ganz egal, was der EInzelne denkt: Es macht Sinn, Gehölze zu erhalten und, wo das nicht geht, für Ersatzpflanzungen zu sorgen. Die Medaille hat jedoch eine Kehrseite: Orientiert sich eine Baumschutzsatzung etwa an Stammdurchmessern oder Wuchshöhen, werden Bäume vorsorglich gefällt, bevor sie unter die Satzung fallen. Das kann nicht Sinn einer Baumschutzsatzung sein.

Andererseits kann es Grundstücksbesitzern nicht verwehrt werden, über ihre Gehölze – eine Eigentumsfrage – zu verfügen. Gefragt ist also eine kluge Abwägung und welches Gremium sollte in Görlitz dafür besser geeignet sein als der Stadtrat?

Meint jedenfalls

Ihr Thomas Beier


Kulturzuschlag:
Wenn die Stadtreinigung kommt: Wohin ohne Bäume?

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  • Quelle: red | Foto: © BeierMedia.de
  • Erstellt am 23.03.2021 - 11:02Uhr | Zuletzt geändert am 23.03.2021 - 11:47Uhr
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