Neues aus dem Görlitzer Wahlkampftheater

Görlitz, 21. August 2017. Ein Rechercheteam des Görlitzer Anzeigers konnte am Wochenende weitere Hintergrundinformationen zur für den 23. September (Vorabend der Bundestagswahl) vorgesehenen Wahlkampfveranstaltung im Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz (der Görlitzer Anzeiger berichtete am 17. August) ausfindig machen. Eine Zusammenfassung.

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Perfide Wahlkampfidee im Umfeld der Hochkultur

Thema: Parteien, politische Akteure und Wähler

Parteien, politische Akteure und Wähler

Demokratie lebt von Akteuren, die substantiell zu Meinungsvielfalt beitragen, konsensfähig sind und so handeln, dass möglichst viele einbezogen werden und ein allgemein anerkannter Nutzen für die Gesellschaft entsteht, der über das oft genannte "Zeichen setzen" hinausgeht.

Zunächst muss konstatiert werden: Wie die nichtrepräsentative Umfrage des Görlitzer Anzeigers zeigt, ist eine knappe Mehrheit der verehrten Leserschaft, darunter viele mit einem kostenlosen Online-Abo, dagegen, den Görlitzer Bühnentempel mit parteipolitischen Auftritten zu beflecken.

Möglicherweise hatten das die Hintermänner des Theaterwahlkampfes, die man unter Gendergesichtspunkten besser Hinterleute nennen sollte, von Beginn an ins Kalkül gezogen und das Görlitzer Wahlkampftheater damit geködert, dass diesem eine Kulturveranstaltung neuen Typus angekündigt wurde. Hat man im Theater etwa versäumt, sich ein Programm samst ausformulierten Redebeiträgen einreichen zu lassen? Einem richtigen Parteisekretär wäre das nicht passiert.

Weitere schamlose Idee

Doch das ganze Ausmaß der Heimtücke ist damit noch nicht erreicht, denn eine weitere schamlose Idee soll auf der Theaterbühne das Publikum so sehr irritieren, wie es – trotz höchster Anstrengungen im Wettbewerb um die Bundestagsmandate – bislang noch keiner Partei gelungen ist.

Nach Kenntnisstand des Görlitzer Anzeigers beteiligen sich insgesamt fünf Parteien an der Wahlkampfveranstaltung im Theater Görlitz, darunter jene politische Vereinigung, die eine familienverbandelte Diktatur für effizienter hält als eine demokratisch legitimierte Regierung. Diese hat sich – und das grenzt an Wahlmanipulation bereits vor der Wahl – mit einer Aura auf den ersten Blick weniger staatsgefährdenter Parteien umgeben, um selbst in der Relation harmloser zu erscheinen. So ist beispielsweise von einer "Udo-Partei" die Rede, die aber auch gar nichts mit dem legendären Hamburger Rocksänger gemein hat.

Görlitzer Unterstützerszene

Dem Görlitzer Anzeiger liegen Beweise vor, wonach zwei Görlitzer Kulturschaffende als Strohmänner für die unter dem Code "XXL" vorbereitete Wahlkampfveranstaltung agieren. Unter Ausnutzung ihres in interessierten Kreisen als gut zu bezeichnenden Rufs ist es ihnen gelungen, das Theater schon frühzeitig zu einem Ticketvorverkauf zu verleiten.

Wer steckt dahinter?

Aktuell versucht der Görlitzer Anzeiger, die in Görlitz im Vorfeld der Bundestagswahl möglicherweise unter falschem Namen agierenden Parteien den insgesamt 48 Parteien, die um die beschränkten Sitzplätze im Deutschen Bundestag konkurrieren, zuzuordnen. Für die beteiligten Redakteure ist das enorme mentale Belastung: "Setzt man Wahlprogramme, wahre Absichten und reales Handeln in ein Beziehungsfeld, tut sich immer wieder ein wählerverschlingendes Bermuda-Dreieck auf." Bleibt zuhoffen, dass die sich daraus ergebende Sinnkrise aus eigener Kraft und Anschauung überwunden werden kann und nicht auch noch das Gesundheitssystem belastet.

Aber auch die Rolle des Theaters in der Politszene muss näher beleuchtet werden. Mindestens ein Profimusiker hat sich bereits politisiert und ist unter Ausnutzung seiner Fähigkeiten in die Profipolitik konvertiert.

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  • Quelle: TEB | Fotos: Matthias Wehnert
  • Erstellt am 21.08.2017 - 08:57Uhr | Zuletzt geändert am 21.08.2017 - 10:52Uhr
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