Der Postplatz aus Sicht der Denkmalpflege

Der Postplatz aus Sicht der DenkmalpflegeGörlitz. Im Historischen Magazin der Stadtbibliothek Görlitz wird mit "Der Postplatz in Görlitz" eine Ausstellung eröffnet, die den zentralen Platz als Zeugnis der Stadt- und Zeitgeschichte einordnet.

Gartenpflegerische Konzeption

Gartenpflegerische Konzeption

Die im Volksmund respektlos "Muschelminna" genannte Brunnenfigur, dahinter das Gerichtsgebäude in preußischer Backstein-Architektur.
Fotos: BeierMedia.de

Görlitz hat nicht nur denkmalgeschützte Bauwerke - auch die Grün- und Parkanlagen der Stadt sind heute Erholungsort und Gartendenkmal zugleich. Sie sind, wie Bürgerhäuser oder Kirchen und andere Kunstwerke ihrer Zeit gestaltet nach künstlerischen Entwurfsideen.

Mit einer gartenpflegerischen Konzeption für den Postplatz soll den verantwortlichen Gärtnern und Landschaftsarchitekten ein Leitfaden für die Sanierung und Pflege gegeben werden.

Dem Bebauungsdruck standgehalten

Der Postplatz ist ein außerordentlich bedeutendes Zeugnis der Görlitzer Stadtgeschichte. Im Zuge der Stadtgründung und -befestigung etablierte er sich zunächst als freie Fläche vor der Frauenkirche und dem Spitaltor. Die Wiese diente als Viehmarkt und wurde schließlich als grüner Stadtplatz gestaltet.

Dem Bebauungsdruck im Zuge der Stadterweiterung zur Mitte des 19. Jahrhunderts konnte diese Freifläche standhalten. Vielmehr noch, sie wurde zu ihrem Ausgangspunkt und Zentrum. In seiner Gesamtheit ist der Platz von einer baulichen und stilistischen Geschlossenheit, wie sie in deutschen Städten selten ist. Zum Gesamtensemble Postplatz hinzuzuzählen sind der Kunstbrunnen der Bildhauer Toberentz und Ochs aus dem Jahr 1887 (im Volksmund die "Muschelminna"), die repräsentativ-preußischen Gebäude von Post und Gericht, das einstige Viktoria-Hotel an der Nordseite, die gründerzeitliche Blockrandbebauung gegenüber sowie als Schlusspunkt der baulichen Entwicklung im westlichen Teil das Sparkassengebäude.

Ein "Salon der Stadt"

Der Postplatz ist ein Zeugnis für den Wandel der Auffassungen in der landschaftsarchitektonischen Platzgestaltung. Als einfacher, von Bäumen gesäumter Stadtplatz angelegt, wurde er mit der Errichtung des Kunstbrunnens zu einem prunkvollen Schmuckplatz. Die gärtnerisch gestaltete Fläche bettete den Brunnen ein und verband die wichtigsten Zielpunkte durch Diagonalwege. Mit der Kleinteiligkeit und Kunstfertigkeit seiner Ausstattung, Flächenbefestigung und Bepflanzung erhob die Gestaltung des späten 19. Jahrhunderts den Anspruch, eines repräsentativen "Salons“ der Stadt. Festons und geschnittene Gehölze, Kandelaber und Absperrgitter, insbesondere auch der ornamentale Mosaikbelag der Wege waren die Träger dieser Botschaft.

"Sicherheitsabstand" seit 1938


Mit der Umgestaltung des Jahres 1938, deren Strukturen trotz mancher Ergänzung und des Austausches etwa des Wegematerials bis heute bestehen, wurde die vermittelnde Funktion der Freiraumgestaltung teilweise aufgegeben. Der Brunnen, zuvor durch das Wegenetz eingebunden, liegt seitdem isoliert in der Rasenfläche. Diese wirkt einerseits als beruhigender Spiegel; anderseits auch als Distanzzone zum Brunnen, dessen kostbare Details so nicht erlebbar sind. Die Distanz wird allerdings von manchen Bürgern als "Sicherheitsabstand" empfunden, dessen Aufhebung riskant erscheint. So bleibt die Bestandssanierung eine denkmalpflegerische Möglichkeit.

In die Moderne?

Durch die überragende Präsenz der Elemente Architektur und Brunnen in ihrer Einheit erscheint es andererseits höchst lohnend, den vermittelnden Aspekt der Platzgestaltung aus denkmalpflegerischer Sicht wiederherzustellen. Dabei kann eine Neugestaltung die Grundgedanken früherer Gestaltungsphasen aufgreifen, durch Material- und Pflanzenwahl jedoch verdeutlichen, dass es sich um eine Fassung der Gegenwart handelt.

Prädikat: Hingehen!
Ausstellungseröffnung und Buchpräsentation "Der Postplatz in Görlitz"
Tag des offenen Denkmals, 11. September 2011, 11 Uhr,
Stadtbibliothek Görlitz, Jochmannstraße 2/3, Historisches Magazin,
mit Oberbürgermeister Joachim Paulick, Autor Dr. Peter Fibich und Verleger Dr. Gunter Oettel.

Die Ausstellung ist am Tag des offenen Denkmals bis 18 Uhr sowie zu den regulären Öffnungszeiten der Bibliothek bis Ende Oktober 2011 zu sehen.
Die Bibliothek kann an diesem Tag ebenfalls bis 18 Uhr besichtigt werden, die Mitarbeiter der Bibliothek freuen sich auf viele Besucher.

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Kommentare Lesermeinungen (1)
Lesermeinungen geben nicht unbedingt die Auffassung der Redaktion, sondern die persönliche Auffassung der Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich das Recht zu sinnwahrender Kürzung vor.

Liebeserklärung an Görlitz

Von Sonja Konetzki am 12.01.2019 - 22:50Uhr
Wir haben seit zweieinhalb Jahren (arbeitsbedingt) unseren zweiten Wohnsitz in Görlitz und sind so verliebt in die diese Stadt, die sehr lebens- und liebenswert ist mit allem, vor allem mit ihren Menschen.

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  • Quelle: red | Fotos: BeierMedia.de
  • Zuletzt geändert am 06.09.2011 - 23:43 Uhr
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