Puppentheater-Ausstellung mit Programm

Puppentheater-Ausstellung mit ProgrammBautzen / Budyšín. Das Museum Bautzen zeigt in Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Sorbischen Volkstheater Bautzen und den Staatlichen Puppensammlungen Dresden vom 5. März bis 22. Mai 2011 unter dem Titel „Lebendige Puppen - Theatergeschichten der fünf sächsischen Puppentheater-Ensembles“ eine Ausstellung mit Puppen und Bühnen der fünf großen sächsischen Puppentheater aus den vergangenen 60 Jahren. Die Ausstellung wird am Sonnabend, dem 5. März 2011, um 15 Uhr im Museum Bautzen eröffnet. Zur Schau wird ein umfangreiches Begleitprogramm angeboten.

Die sächsischen Puppentheater

Leblose Dinge lebendig werden lassen und dabei junge wie auch ältere Besucher begeistern, das ist die Kunst des Puppentheaters. Mit fünf institutionellen Puppentheater-Ensembles in Bautzen, Dresden, Chemnitz, Zwickau und Leipzig weist Sachsen eine einzigartige Konzentration dieser besonderen Art des Theaterspielens auf. In diesem und im kommenden Jahr begehen die kommunalen Puppentheater sowie die Puppentheatersammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden runde Jubiläen. Sie werden 20, 50 und 60 Jahre alt - ein Anlass, um sich zum ersten Mal in einer gemeinsamen Ausstellung zu präsentieren.

Begleitprogramm zur Ausstellung

Begleitend zur Ausstellung wird an (fast) jedem Sonntag ein ausgewähltes Stück vom Bautzener Puppentheater aufgeführt. Mit dabei ist die Geschichte von der Müllerstochter und dem Rumpelstilzchen, das Märchen vom Wolf und den sieben Geißlein, die Abenteuer des Kaspers und seiner Puppenfreunde. Spielerisch erzählt wird auch vom fröhlichen Leben der Blumenkinder, vom daumenkleinen Däumelinchen und davon, wie der kleine Wassermann die Welt entdeckt. Die phantasievollen Inszenierungen des Bautzener Puppentheaters sind für kleine und große Zuschauer gemacht. Jedes Stück ist mit einer Altersangabe gekennzeichnet.

Sonntag, 6.3.2011, 15.15 Uhr
Puppentheater: Hänsel und Gretel.
Puppenspiel mit Flachfiguren nach dem Märchen der Brüder Grimm. Für Kinder ab 4 Jahre. Theaterkindergarten.

Sonntag, 20.3.2011, 15.00 Uhr
Puppentheater: Rumpelstilzchen.
In Szene gesetzt von Hans-Jochen Menzel nach den Brüdern Grimm. Für Zuschauer ab 5 Jahre.

Sonntag, 27.3.2011, 15.00 Uhr
Puppentheater: Der Wolf und die sieben Geißlein.
Ein Puppenspiel von Sylvia Heller nach dem Märchen der Brüder Grimm. Für Zuschauer ab 3 Jahre.

Sonntag, 10.4.2011, 15.00 Uhr
Puppentheater: Blumenkinder.
Theater für die Allerkleinsten. Spieltrieb Nr. 6. Für Kinder ab 3 Jahre.

Sonntag, 17.4.2011, 15.00 Uhr
Puppentheater: Der Hundertwisser.
Eine Lebensgeschichte mit Bildern vom Maler Hundertwasser.
Papiertheater. Für Kinder ab 8 Jahre.

Sonntag, 24.4.2011, 15.00 Uhr
Puppentheater: Kasper!
Von Elisabeth Schafheutle. Für Zuschauer ab 4 Jahre.

Sonntag, 1.5.2011, 15.00 Uhr
Puppentheater: Pettersson und Findus.
Ein Puppenspiel nach Kinderbüchern von Sven Nordqvist. Für Kinder ab 4 Jahre.

Sonntag, 8.5.2011, 15.00 Uhr
Puppentheater: Däumelinchen.
Ein Theaterstück für klitzekleine, kleine und große Leute.
Von Hans Christian Andersen. Für Zuschauer ab 4 Jahre.

Sonntag, 22.5.2011
Letzter Ausstellungstag der Sonderausstellung
15.15 Uhr: Puppentheater: Der kleine Wassermann.
Puppenspiel von Therese Thomaschke nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Otfried Preußler. Für Kinder ab 3 Jahre. Theaterkindergarten.

In Sachsen mit Tradition

Bereits seit fünf Jahrhunderten gibt es in Sachsen die Tradition des Puppenspiels. Im 16. Jahrhundert zeigten Gaukler biblische Stoffe mit Figuren und die ersten echten Hofkomödianten am kursächsischen Hof waren Puppenspieler. Als die Kurfürsten im 18. Jahrhundert Verbote gegen die Marionetten erließen, da sie in den Puppen eine zusehende Bedrohung der öffentlichen Ordnung sahen, erreichten sie damit das Gegenteil. Das Marionettenspiel blühte auf. Um 1900 gab es 150 Marionettenbühnen. Jede fünfte Puppenbühne in Deutschland reiste damals in Sachsen und auch beim künstlerischen Puppenspiel war Sachsen führend. Unter den besten 40 Bühnen des Jahres 1938 waren fünf Handpuppenbühnen aus dem Elbtal. Nach dem Zweiten Weltkrieg wollte die sächsische Landesregierung diese Stellung behaupten. 1951/52 entstanden nach dem Vorbild des Zentralen Moskauer Puppentheaters von Sergej Obraszow die ersten kommunalen Puppenbühnen der DDR sowie die Puppentheatersammlung in Dresden, die seitdem deren Entwicklung dokumentiert. In Sachsen eröffnete als erstes am Theater Chemnitz ein Figurentheater, kurze Zeit später folgten die Puppenbühnen in Zwickau und Dresden. Auf Initiative der Domowina entstand 1961 am Sorbischen Volkstheater Bautzen eine Puppentheatersparte – bis heute die einzige Bühne Deutschlands, die konsequent in zwei Sprachen spielt. Nach der Wende wurde keine der Bühnen in Sachsen geschlossen, vielmehr entstand in Leipzig sogar ein fünftes Puppentheater neu.

50 Jahre Puppentheater am Deutsch-Sorbischen Volkstheater Bautzen


Die Marionettenbühne des Sorbischen Volkstheaters entstand 1961 als Initiative der Domowina, der kulturellen Vertretung der Sorben in der Lausitz. Es war die zehnte Bühne in öffentlicher Trägerschaft. Als Leiter wurde der Marionettenspieler Herbert Ritscher (1920-1970) berufen. Er entstammte einer Puppenspielerfamilie und brachte seine Bühne und sein Repertoire in den Spielbetrieb ein. Am 5. Juni 1961 hatte die erste Neuinszenierung „Meister Krabat“ zunächst in sorbischer, fünf Wochen später auch in deutscher Sprache, Premiere. Das Bautzener Puppentheater ist die einzige Bühne in Deutschland, die konsequent zweisprachig spielt. Seit 1963 gehört die Puppenbühne als Sparte zum Deutsch-Sorbischen Volkstheater Bautzen. 2003 zog das Puppentheater im modernen Theatergebäude auf der Ortenburg ein. Das Ensemble besteht heute, neben der künstlerischen Leiterin Therese Thomaschke, aus sechs Spielern.

In Chemnitz seit 1951

Das erste kommunale Puppentheater der DDR entstand Ende 1951 in Chemnitz. Dort hatte das Ehepaar Hanna (1914-1986) und Gerhard Diezmann (1911-1986) 1947 die „Marionettenbühne der Chemnitzer Schulen“ gegründet. am 8. Dezember 1951 feierte die Inszenierung „Die Entführung aus dem Serail“ als zweite Stabpuppen-Inszenierung der DDR Premiere. Die Puppenbühne hatte zwar eine feste Spielstätte im „Haus am Schillerplatz“, ging aber immer wieder auf Reisen. Unter dem Intendanten Peter Pillep wurde in den 1970er und 80er Jahren der auswärtige Spielbetrieb reduziert und das Spiel im großen Ensemble ausgebaut. Die ersten fünfzehn Jahre spielte das Theater ausschließlich mit Hand- und Stabpuppen. Ab den 80er Jahren kamen weitere Figurenarten, wie Marionetten und Schattentheater, hinzu. 1993 wurde das „Städtische Puppentheater Chemnitz“ den Städtischen Theatern als Sparte angeschlossen und diese 2001 in Figurentheater umbenannt. Künstlerische Leiter ist seit 1995 Manfred Blank. Dem Ensemble gehören heute - einschließlich Direktor - sechs Spieler an.

Das Puppentheater Dresden am Theater Junge Generation

Das Staatliche Puppentheater Dresden entstand auf Initiative des Landes Sachsen. Der Bärenfelser Puppenspieler Paul Hölzig (1911-1989) inszenierte als erstes Stück das Stabpuppenspiel „Der fröhliche Sünder“. Das Spiel mit acht Mitwirkenden wurde ein großer Erfolg. Da sich die Einrichtung der ersten staatlichen Puppenbühne aber hinzog, warf Hölzig entnervt hin. Erst am 22. November 1952 konnte das Staatliche Puppentheater Dresden unter dem Dach der Landesbühnen Sachsen seinen Betrieb mit neuen Spielern aufnehmen. Das Theater verstand sich als Leitbühne und bereiste zunächst alle Bezirke der DDR. Der Spielplan für Erwachsene stand im Vordergrund. 1959 fiel die Bühne mit „Münchhausen – Ein Spektakelstück“ von Klaus Eidam beim Staat in Ungnade. Der Rat des Bezirkes ordnete die Angliederung an das Theater der jungen Generation an. Fortan durften nur noch Stücke für Kindergarten und Grundschule gespielt werden.
Der künstlerische Leiter Fritz Däbritz erreichte 1964 die Selbständigkeit des Theaters und erhielt Räume im Gasthof „Das goldene Lamm“. Der Kinosaal wurde mehrfach umgebaut und blieb bis 1998 Heimstätte des Theaters. 1997/98 wurde das Puppentheater als Sparte dem Theater Junge Generation angeschlossen, der Spielort in das „Rundkino“ in der Prager Straße verlegt und von den Werkstätten getrennt. Ein Neubau für beide Sparten des Theaters Junge Generation ist in Planung. Heute hat das Ensemble sechs Puppenspieler.

Theater der Jungen Welt Leipzig

Leipzig war bereits in den zwanziger Jahren ein Zentrum des deutschen Puppenspiels. Hier erschien die erste deutsche Puppenspielzeitschrift, wurde der erste Puppenspielverein gegründet und entstand die erste bedeutende Puppentheatersammlung. Mit der Gründung eines kommunalen Theaters tat sich die Stadt aber besonders schwer. Kurt Baldrian (1906-1961) gründete 1946 seine „Leipziger Puppenbühne“ als privates Unternehmen. Seit 1948 besaß er in Leipzig-Lindenau eine feste Spielstätte für 300 Zuschauer. Im Zuge der Obraszow-Euphorie sollte dieses Theater zur Keimzelle einer städtischen Puppenbühne in Leipzig werden. Im Februar 1952 legte Baldrian sogar Pläne für einen Neubau vor, aber alle Initiativen verliefen im Sande. Bis 1990 gab es nur einige private Bühnen, ein kommunales Puppentheater existierte im gesamten Bezirk Leipzig nicht.
Mit der Auflösung des Leipziger „Theaterkombinates“ 1989 wurde das Kinder- und Jugendtheater selbständig – eine der Voraussetzungen dafür, dass im Oktober 1991 auf Initiative von Intendant Hans Gallert am Theater der Jungen Welt eine kleine Puppentheatersparte gegründet werden konnte – mit dem Engagement des Puppenspielers Wilfried Reach. Die Eröffnungsinszenierung ALGOT STORM übernahm Jochen Menzel. Im Laufe der Jahre wurde die kleine Sparte, in deren Inszenierungen immer wieder auch Schauspieler des Hauses eingebunden wurden, auf drei ständige Spieler aufgestockt. Heute ist das Spektrum des Puppenspielprogramms nicht nur auf junges und jüngstes Publikum ausgerichtet, sondern bietet mehr und mehr auch Angebote für den Abendspielplan.

Puppentheater Zwickau am Theater Plauen-Zwickau

Das Zwickauer Puppentheater wurde als zweites kommunales Puppentheater der DDR am 7. September 1952 unter dem Namen „Theater der Jugend“ vom Oberbürgermeister der Stadt feierlich eröffnet. Leiter waren der Bühnenbildner und Schauspieler Heinz Holzapfel (1907-1988) und die Schauspielerin Susanna Listner-Holzapfel (geb. 1910). Beide hatten nach dem Krieg zunächst in Markersbach eine kleine Marionettenbühne eröffnet, die sie ab 1948 mit größeren Figuren in Schwarzenberg/Erzgebirge fortsetzen.
Im Gebäude der städtischen Bibliothek Zwickau konnte von 1952 bis 1987 ein Saal genutzt werden, daneben gab es aber auch zahlreiche „Abstecher“ in die Umgebung. Holzapfel spielte ausschließlich für Kinder und bis auf eine einzige Ausnahme nur mit Marionetten.
Nach Holzapfels Ausscheiden übernahm Hans-Dieter Stäcker für 25 Jahre die Leitung. In seiner Zeit wurden mit allen Arten Figuren gespielt und auch der Erwachsenenspielplan seit 1971 aufgebaut. 1987 konnte das Puppentheater eigene Räume im Anbau des Zwickauer Gewandhauses beziehen. Seit der Spielzeit 2010/11 ist Matthias Thieme vierter Direktor des Puppentheaters. Das Puppentheater Zwickau ist heute eine Sparte des Theaters Plauen-Zwickau. Dem Ensemble gehören fünf Spieler an.

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  • Quelle: red
  • Zuletzt geändert am 02.03.2011 - 01:14 Uhr
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