FOLKLORUM – der zweite Tag: Bildbericht

FOLKLORUM – der zweite Tag: BildberichtTurisede bei Görlitz, 6. September 2020. Gestern entfaltete das wohl entspannteste Festival der wiedervereinigten Deutschlands seine wohltuende Atmosphäre für die Festivalgäste voll und ganz: Die Musiker musizierten, die Turiseder widmeten sich ihren spektakulösen Festspielen, die Artisten artistierten, wenn man das als Oberbegriff für all die schönen und überraschenden Auftritte definieren darf.

EIne der neuen Bühnen in traulicher Umgebung ist die Waldseebühne

Foto: © BeierMedia.de

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Am heutigen Sonntag: Festival in voller Fahrt

Am heutigen Sonntag: Festival in voller Fahrt

Und es hat Platsch gemacht... Beim EINBOOTUM schießen die Kanubesatzungen ins Neißewasser und müssen dann so viele Holzfische wie möglich herausholen

Thema: Turisede

Turisede

Die frühere Kulturinsel Einsiedel ist inzwischen aufgegangen in der Geheimen Welt von Turisede, dem wenige Kilometer nördlich von Görlitz gelegenen Ferienresort für Abenteuer und Kultur für Kinder und Erwachsene. Hier gibt es viele Übernachtungsmöglichkeiten, vom 1. Deutschen Baumhaus-Hotel bis zum Vögelbaumbett und zum Campingplatz. Einige der Angebote: Das KRÖNUM ("Theater zum Essen"), Spiellandschaften, Turisede-Museum, Zauberschloss, Geheimgänge, Schatzsucherspiel, Piratenschiff, Feuerschenke, Galeriecafé, Erlebnisdorf Bielawa Dolna mit Seh-Café und geheimem VERSTECKUM, Baumhausgalerie u.v.a.m. Thematische Höhepunkte sind das Auenlandorakel und die Feuerlohen der Wünsche zur Sommensonnenwende, das FUNKELORUM zur Walpurgisnacht, das FOLKLORUM – Festival der Turisedischen Festspiele, das HÖLLOWUM und das SPIELUM.

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Jedenfalls entfaltete das riesige deutsch-polnische Festivalgelände all seine Vorzüge: Ohne Gedränge war jeder Auftritts- und Ereignisort zu erreichen. So etwa die beiden Neißeufer, die beim EINBOOTUM die FOLKLORUM-Festivalbesucher in Scharen anzogen. Panika & Kollege moderierten den Wettbewerb, bei dem von Hand aus dem ganzen Stamm geschnitzte, mit tollkühnen Turisedern besetzte Einboote eine schiefe Ebene hinabrasen, um wie ein Himmelsgeschoss auf den Neißefluss zu treffen. Wer jemals als Astronaut im Atlantic oder Pazifik oder als gemeiner Passagierflieger auf dem Hudson runtergekommen ist, der weiß, wovon die Rede ist. Der Wettbewerb lief auf das Einsammeln – nein, nicht das Angeln – von Neißefischen hinaus. Dass die Leute vom anderen Ufer gewannen, brachte Panika leicht aus der Fassung, was selten gelingt.

Am heutigen Sonntag steht noch ein langer Festivaltag bevor, neben wirklich vielen Auftritten – Tipp: Schraubenyeti mit dem realen Klavier im Fluss – und Workshops sowie turisedischen Festspiel-Wettbewerben wie der Dracheneirollerei; dem Balanzeum oder dem Blindflansch-Spiel lockt dann vor allem der traditionelle Sonntagsumzug hinab zu den Neißewiesen, wo schließlich das Weihritual für die Ehrenturiseder in Gold seinen spektakulären Verlauf nimmt.

Was alles zu erleben ist, steht schön übersichtlich im Programm, das man am Einlass erhält und das natürlich auch online angeguckt werden kann.

Und wenn Regentropfen an dein Fenster klopfen?

Dann freut sich die Natur und die Menschenkinder begeben sich auf die vielen überdachten Flächen oder in die Gebäude der Geheimen Welt von Turisede. Die turisedischen Wetteraufzeichnungen vom gestrigen 5. September besagen: Nennenswerten Regen gab es nur für rund zwölf Minuten – und wer sein Bier schneller trinkt, sollte sein Leben insgesamt infrage stellen. Wenn also Regentropfen an dein Fenster klopfen, dann kannst du dich das ganze Jahr lang der Melancholie hingeben – nur heute nicht, denn das dank Carola mit dem Saitensprung wohl vielfältigste FOLKLORUM aller Zeiten strebt mit aller Kraft seinem triadischen Höhepunkt entgegen.

Der triadische Höhepunkt

Wie so oft kulminiert sich das Festivalgeschehen an der Hallenbühne und strebt hier in diesmal drei Phasen dem Höhepunkt entgegen.

  1. Gegen 17.30 Uhr beginnt das TOURISEDER TROUBADORUM Finale; im Ergebnis des großen Wettbewerbs der Bands und Barden wird es Erstplatzierte, Zweitplatzierte und so weiter, aber keine Deplatzierten geben. Das unterscheidet dieses "Turisede sucht den Superstar" von mancher TV-Show, außerdem gibt es handfeste turisedische Preise und neue Auftrittsmöglichkeiten zu gewinnen.

  2. Um 19 Uhr formiert sich und startet der Festumzug durch die Neißeauen hinab zum Fluss. Hier zeigen die Festivalgäste, dass Corona keine Chance hat, weil sie nicht nur quer, sondern vor allem auch klar und geradeaus denken können. Dank Abstandsgebot und pfiffiger Marschordnung, die ein wenig an die benachbarte Niederschlesien-Magistrale erinnert, wird das wohl der längste FOLKLORUM-Umzug seit der Wiederbelebung des Festivals nach 1.000 Jahren werden. Angesichts der seltsamen Aufzüge in Berlin mag man den gewohnten Begriff "Abschluss-Demo" am liebsten gar nicht verwenden, aber es ist gut zu wissen und zu nutzen: Blanko-Demoschilder kann man sich an der Tauschbörse abholen. Bitte schön kräftig beschriften, damit die Botschaft auch ankommt!

  3. Ist der Menschenzug an der Neiße, dieser fließenden Verbindung zwischen Sachsen und Polen, angekommen, erschallt der Ruf. "Gleich ist es so weit!" Gemeint ist das Turisedische Weihritual für die Ehrenturiseder in Gold, das jetzt mit viel Spektakel kommt. Krönung ist die Menschenpyramide mitten im Fluss, für die es erfahrungsgemäß mehrerer Anläufe bedarf.
Eigentlich könnte das 27. FOLKLORUM – Festival der Turisedischen Festspiele nun vorbei sein, aber so abrupt kann sich wohl keiner der Festivaljünger und keine der -jüngerinnen aus dem "Zweieinhalb Tage Anderssein" verabschieden. Gefragt in dieser herzzereißenden Situation sind Trost und neue Zuversicht, Dafür sorgt ein weiterer Höhepunkt, der das Kettensägenglied zum FOLKLORUM 2021 ist: Das Zersägen des Festivalplakats mit dem markantesten Werkzeuge der turisedischen Holzgestalter, der motorisierten Kettensäge.

Die Legende vom zersägten FOLKLORUM-Plakat

Ganz maßgeblich mit der Kettensäge entstehen die verrückten Erlebnis-, Übernachtungs- und Spielwelten, die von der Künstlerische Holzgestaltung Bergmann GmbH in viele Länder geliefert werden.

Um dieses Werkzeug rankt sich folgende legendäre Anekdote: Auf einem Kettensägen-Workshop erklärte der Instruktor Grigorius Kossonossum, sonst bei einem Sicherheitsdienst beschäftigt, in der geheimen Welt von Turisede die Leistungsfähigkeit der Kettensäge: "Also, so ist das. Die Kettensäge, liebe Kollegen Holzkünstler... blüht also sehr auf, das Kettensägenwesen! Da ist einmal eine Eiche vor die Kettensäge gekommen – ritsch-ratsch, weg war sie! Auch Linden." Die Workshop-Teilnehmer blickten finster drein. "Und Plakate?", fragten ängstlich die Turiseder, "Auch Plakate, Väterchen?" "Auch Plakate!", sagte stolz im Brustton der Überzeugung der Redner, "Das kommt oft vor!" – "Ach, diese Kanaillen", sagte einer der Anwesenden, "was sie sich jetzt alles ausdenken, Plakate zersägen. Nun, Väterchen, und das entwickelt sich jetzt?"

So weit eine der Legenden der Turiseder der Neuzeit. Entwickelt hat sich jedenfalls der Brauch, zum Ende des Festivals, mitten auf dem Schwimmsteg zwischen Polen und Sachsen, das aktuelle Festivalplakat mit Knattergetöse zu zersägen – ein Job, den sich Inselkönig Bergamo nicht nehmen lässt und für den er das ganze Jahr lang, mit einem roten Warnpulli bekleidet, übt. Verhüte sich, wer kann!

Noch keine Ende: Ausklang

Sind die besten der Ehrenturiseder vergoldet, wird der mächtig gewaltige Scheiterhaufen am Schwimmsteg entzündet und während die aufstebenden Funken dem Weltall vom Geschehen am Neißestrand künden, setzt zu den Klängen von DJ Dr. Bajan im flackernden Schein des Feuers die rhythmische Zappelbewegung ein, um sich ab 23 Uhr an der Holzplatztanzbühne fortsetzen unter dem Motto: "Es klapperten die Klapperschlangen, bis ihre Klappern schlapper klangen!" Aber dann ist es schon Nacht... Wer weiß schon, was er morgen macht?

Tipp!
Wer nicht dabei sein kann schaut nach, was sonst so los ist in der Geheimen Welt von Turisede, was man hier des Nachts in den von simpel bis luxuriös einzustufenden, phantasievollen Ubernachtungsmöglichkeiten erleben kann, welche Festivals es noch gibt, welche verrückten Veranstaltungen das KRÖNUM (darunter fallen auch die Fachtagungen) bietet und welche Geheimnisse der Turiuswinkel verbirgt.

Lob:

Das beste Festivalpublikum der Welt hat es voll drauf: Immer dort, wo es enger werden könnte, wie etwa am Schwimmsteg, verschwanden Mund und Nase quasi von ganz allein hinter Stoff. Und wenn es jemand mal vergessen hatte, der bekam von aufmerksamen Helfern einen freundlichen Tipp. Besonders der berüchtigte "Böse alte Mann" vom Görlitzer Anzeiger, der sich auf dem Festival herumtrieb, sah mit der Turiseder-Maske wirklich besser aus als ohne.

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  • Quelle: red | Fotos: © BeierMedia.de
  • Erstellt am 05.09.2020 - 23:25Uhr | Zuletzt geändert am 06.09.2020 - 12:05Uhr
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