Wiesbaden sieht Görlitz, wie es war und wie es ist

Wiesbaden sieht Görlitz, wie es war und wie es istWiesbaden, 10. Juni 2017. Die Friedliche Revolution 1989, die zum Zusammenbruch der SED-Diktatur führte und die deutsche Wiedervereinigung ermöglichte, war in vielerlei Hinsicht die Rettung: für unterdrückte und bespitzelte Menschen, für zusammenfallende Stadtquartiere, für umweltverseuchte Regionen. Zu den Städten, die quasi in letzter Sekunde vor dem Verlust eines Großteils ihrer historischen Bausubstanz bewahrt wurden, zählt das ostsächsische Görlitz.

Im frisch sanierten Gewölbe des Wiesbadener Stadtmuseums am Markt werden die großformatigen Görlitz-Fotografien von Professor Jörg Schöner gezeigt

Bildquelle: Stadtverwaltung Görlitz

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Görlitzer Fotoausstellung in der Partnerstadt Wiesbaden eröffnet

Görlitzer Fotoausstellung in der Partnerstadt Wiesbaden eröffnet

Oberbürgermeister Siegfried Deinege bei der Ausstellungseröffnung.

Bildquelle: Stadtverwaltung Görlitz

Hier zeigt sich im fast vollständig erhaltenen Stadtbild der Erfolg der Sanierung besonders beeindruckend, schon deshalb ist die Doppelstadt an der Neiße eine Reise wert. Weil jedoch mit der handwerklich perfekten Sanierung die Spuren der Agonie, die unter der wehenden Fahne des Sozialismus besonders in der entvölkerten Altstadt und im Gründerzeitviertel eingezogen war, schwinden, sind die dokumentarischen Bilder des Dresdner Fotografen Prof. Jörg Schöner umso wertvoller. Anlass der sich über Jahrzehnte erstreckenden Dokumentation waren Befürchtungen von Denkmalschützern, der SED-Staat könnte jederzeit vom verfallen lassen zum aktiven Abriss übergehen.

Am 7. Juni 2017 wurde in Wiesbaden die Ausstellung "Görlitz - Auferstehung eines Denkmals" im sam – Stadtmuseum am Markt eröffnet. Im Großformat werden – wie zuvor in Görlitz, Berlin und Dresden – Schöners Aufnahmen, die markante Görlitzer Gebäude im Wandel der Zeit wiedergeben und teils Einblick in die Lebensumstände ihrer Bewohner gewähren, gezeigt. Ihre Spannung gewinnt die Ausstellung aus etlichen Vorher-Nachher-Gegenüberstellungen.

Zur Eröffnung war der Görlitzer Oberbürgermeister Siegfried Deinege nach Wiesbaden gekommen; auch Eva Wittig von der Europastadt Görlitz/Zgorzelec GmbH (EGZ) und Benedikt Hummel von der Görlitzer Kulturservicegesellschaft mbH fanden sich dort zur Vernissage ein wie auch ungefähr hundert geladene Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Unter ihnen waren Dr. Bernd Blisch als kommissarischer Leiter des sam sowie Dr. Holger Rescher von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

Der Wiesbadener Oberbürgermeister Sven Gerich sagte bei der Eröffnung der Ausstellung zur Kraft der Bilder: "Ich war schon vor zwei Jahren in Görlitz von den Fotos tief bewegt – und sie haben mich seitdem nicht mehr losgelassen." Er freue sich sehr darüber, dass die Ausstellung nun endlich in Wiesbaden zu sehen sei. Das unterstreiche die gute und intensive Städtepartnerschaft mit Görlitz, die seit Anfang Juli 1990 besteht und damals für Görlitz eine wertvolle Hilfe bei der Umstellung der Verwaltung und der Modernisierung der Kommunalbetriebe darstellte. Notiert in seinem Terminkalender hat sich Oberbürgermeister Gerich das Görlitzer Altstadtfest 2018, da will er dabei sein.

Dem Görlitzer Oberbürgermeister Siegfried Deinege war es ein Anliegen, diese besondere Görlitz-Schau nun auch Wiesbaden zeigen zu können. Er betonte, dass die Auferstehung des Denkmals Görlitz nicht zuletzt auch der Partnerstadt Wiesbaden zu verdanken sei. "So, wie sich unsere Görlitzer Altstadt in den vergangenen 27 Jahren gewandelt hat, ist in diesen Jahren unsere Partnerschaft gewachsen" sagte der Görlitzer Oberbürgermeister und würdigte ausdrücklich die Unterstützung der Partnerstadt Wiesbaden seit 1990. Sie sei ein entscheidender Faktor für die positive Entwicklung der Stadt gewesen und werde intensiv fortgeführt.

Professor Schöner betonte bei der Ausstellungseröffnung in Wiesbaden: "Ich bin sehr froh über diese Ausstellung. Diese Arbeit habe ich ja nicht für mich gemacht, sondern für Görlitz." Aus einem Auftragswerk sei so eine Herzensangelegenheit geworden.

Das Wunder der Görlitzer Altstadtmillion

Seit 1992 wurden rund 185 Millionen Euro in die Sanierung und Entwicklung der Altstadt und Innenstadt investiert. Der Bund und der Freistaat Sachsen unterstützten die Vorhaben mit etwa 142 Millionen Euro. Etwa 43 Millionen Euro brachte die Stadt selbst für die buchstäbliche Auferstehung von Görlitz auf.

Ein weiterer Glücksumstand für Görlitz war das 22 Jahre währende Märchen der Altstadtmillion-Schenkung. Dadurch kann heute Görlitz in einer Schönheit erlebt werden, die es frei nach Professor Gottfried Kiesow, kein zweites Mal in Deutschland gebe. Oberbürgermeister Deinege ist sich sicher: Dieses Märchen von der Altstadtmillion werde noch vielfach erzählt werden. In Büchern, Filmen und Medien sei der Fall Görlitz zweifellos ein besonderer. Jetzt soll es deshalb eine eigene Schau und ein eigenes Buch zum Thema "Altstadtmillion" geben. Ab dem 18. Juni 2017 – pünktlich zum Tag der offenen Sanierungstür – wird die Ausstellung "Das Wunder der Görlitzer Altstadtmillion" im Görlitzer Kaisertrutz zu sehen sein.

Buch kaufen!
Das ausstellungsbegleitende Buch "Görlitz – Auferstehung eines Denkmals" ist im Verlag der Deutschen Stiftung Denkmalschutz erschienen. Kaufen kann man es während der Ausstellung im sam oder online unter www.monumente-shop.de.

Prädikat: Unbedingt hingehen!
Bis zum 24. September 2017 im sam – Stadtmuseum am Markt,
Marktplatz, 65183 Wiesbaden.
Geöffnet ist dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr.
Die Ausstellung ist Teil der Kampagne "So geht sächsisch." und soll 2018 im Sächsischen Landtag gezeigt werden.

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  • Quelle: red | Bilderquelle: Stadtverwaltung Görlitz
  • Erstellt am 10.06.2017 - 11:20Uhr | Zuletzt geändert am 25.02.2020 - 17:24Uhr
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