Radfahren und gendern

Radfahren und gendernGörlitz, 14. Juli 2020. Von Thomas Beier. Es scheint fast so, als ob die Regierenden nicht verstehen wollen, was im Volk gärt. Dabei geht es gar nicht um irgendwelche Leute, die in der Oberlausitz an der B 96 zu ihren Winkelementen zurückgefunden haben, sondern um die Frage: Was ist dieser Regierung eigentlich wichtig? Was da läuft, erscheint als eine Art grüner Klientelpolitik, von der CDU toleriert, damit die Bündnisgrünen auf Nebenkriegsschauplätzen auch mal siegen dürfen.

Die Görlitzer Justitia – ist das überhaupt genderkorrekt? Müsste die, äh, das Figur nicht besser das Justitia heißen, um eine Benachteiligung von Männern in der Rechtsprechung auszuschließen?

Foto: © Görlitzer Anzeiger

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Unabhängig von Corona: auf Abstand gehen

Bei Otto Normalverbraucher füllt sich die Frustblase, was in den Sand gesetzte Projekte wie die Pkw-Maut oder künftige Belastungen wie die Kohlendioxidabgabe angeht, von den herbeigeredeten Unsicherheiten der Zukunft – Stichworte Kohleausstieg und Elektromobilität – ganz zu schweigen. Hinzu kommt eine fraktalisierte Medienwelt, in der sich jeder zusammensucht, was seine Vorurteile am besten bestätigt. Die am allerwenigsten mit dieser neuen Welt umgehen können, demonstrieren dann unter Fahnen, deren Provokationspotential sie schnell begriffen haben – doch sind sie wohl nur die Spitze des Eisbergs.

Enthemmte Radfahrer

Nehmen wir doch einmal aus dem Verkehrsrecht das neue Abstandsgebot für Kraftfahrer zu Leuten, die sich auf ihrem Drahtesel fortbewegen, anderthalb Meter im Ort, gar zwei außerorts – und das unabhängig davon, ob ein Fahrstreifen markiert ist. Natürlich sollen Radfahrer sicher unterwegs sein, dazu gehört aber auch, sich oder andere nicht selbst zu gefährden. Wie verantwortungslos handeln Radfahrer, die auf einer Bundesstraße entlangfahren und einen Hänger mit Kleinkind hinter sich herziehen? Ein Unfallrisiko besteht immer, zum Vergleich: In der "DDR" wäre bei zulässigem Spitzentempo von hundert Stundenkilometern jeder als tollkühn bezeichnet worden, der sich mit dem Fahrrad auf die Autobahn begeben hätte. Bei Bundesstraßen, die das gleiche Tempolimit aufweisen, scheint das aber für viele Velozipednutzer normal. Kommt es wirklich zum Unfall, hat der Kraftfahrer generell schlechte Karten, vom Trauma ganz zu schweigen.

Ergänzen zur Abstandsregelung zwischen Kraftfahrzeug und Radfahrer – Wie ist das eigentlich zwischen Radfahrern selbst? – ist eine Abstandregelung dringend geboten, die Radfahrer gegenüber Fußgängern einzuhalten haben. Wer von einem Radfahrer beispielsweise auf einem kombinierten Fuß-/Radweg schon einmal beinahe gerammt wurde, wird das verstehen ebenso wie Hundehalter, an deren Tieren Radfahrer im Nahbereich vorbeizischen. Ebenso ist ein Mindestabstand von Pedalrittern zu parkenden Fahrzeugen angebracht, falls vielleicht ein Kind eine Autotür unbedacht öffnet. Vorsicht und Rücksichtnahme sollten auch für Radfahrer gelten, anstelle ihr Selbstbewusstsein als Könige der Straßen und Gehwege weiter zu stärken.

Genderismus in Sachsen

Das Sächsische Kabinett, nicht etwa der an Fürstenhöfen verbreitete Beratungsraum, sondern die Ministerrunde samst Ministerpräsident, hat am 7. Juli 2020 beschlossen, Gesetze und Verodnungen nur noch in einer sogenannten "gendergerechten Sprache" zu formulieren. Nicht nur, dass damit per Regierungsbeschluss die deutsche Rechtschreibung, in der die Gleichstellung dank Trennung von biologischen und grammatikalischem Geschlecht längst vollzogen ist, per Ordre de Mufti ausgehebelt wird, nein, der Pfuhl ist tiefer noch: "Gender" bezieht sich nämlich nicht auf das biologische Geschlecht, sondern darauf, welches Geschlecht ein Mensch in Bezug auf sich selbst wahrnimmt. Es gibt also Frauen, die sich eher als Mann fühlen, ebenso wie es Männer gibt, die sich als Frau fühlen. Die moderne Medizin macht es möglich, das dann auch äußerlich anzupassen. Bei Männern, die sich als Mann fühlen, ist das freilich ebenso wenig nötig wie bei Frauen, die sich als solche fühlen. Da muss jeder nach seiner Fasson glücklich werden und eine aufgeklärte Gesellschaft ist daran zu erkennen, dass sie das in allen Facetten akzeptiert und als selbstverständlich hinnimmt.

Nur weshalb muss man dafür die Sprache vergewaltigen? Der geschätzte Deutschlandfunk hat mich als Nachrichtenhörer verloren, seitdem er die Schluckauf-Sprache mit den *innen eingeführt hat. Es gibt nämlich auch so etwas wie eine Sprachästhetik und Ästhetik lässt sich nun einmal nicht primitiv-formalen Regelungen unterwerfen. Aber freuen wir uns in Sachsen schon mal auf die nächste Coronaverordnung, vielleicht ist dann ja von Coronainfizierten und -infiziertinnen die Rede. Nur bitte aufpassen: Wenn es beispielsweise keine Führerscheininhaber*innen im deutschen Sprachwortschatz gibt, dann wird es schwierig, diese aufs Amt zu zitieren.

Neue Sprachblüten – neuer Ärger

Und neue Sprachblüten entstehen: "Lieber Mitgliederinnen und Mitglieder!" – das Mitglied, grammatikalisch ein Neutrum, wird nun zerhackt und den Geschlechtern zugeodnet, wobei die Diversen noch immer außen vor bleiben. Und bitte: Die Waise sei fortan um den Waiserich ergänzt, Studenten sind nicht unbedingt Studierende, Säuglinge nicht Gesäugte. Weitere schöne Beispiele gibt der Linguist Peter Eisenberg im Gespräch mit Britta Fecke im Deutschlandfunk. Ehre der Wissenschaft!

Warum ist all das so ärgerlich? Weil es Leute ausgrenzt, die einen korrekten Sprachgebrauch bevorzugen. Schon fallen in Deutschland Studenten durch Prüfungen, weil der Hinweis, dass zur besseren Lesbarkeit auf die Gendersprache verzichtet wurde, gleichwohl aber alle Geschlechter gemeint seien, nicht anerkannt wird.

Gleichstellung nicht durch Abgrenzung erreichbar

Die erreichte formale Gleichberechtigung der Frau heißt noch lange nicht Gleichstellung, da ist noch viel zu tun. Dazu gehört, Frauen Chancen zu eröffnen und sie dabei zu unterstützten, diese auch zu nutzen – wenn sie denn wirklich wollen. Genderistische Sprachverbiegung erweist den Frauen jedoch einen Bärendienst, weil sie zu neuer Ausgrenzung – übrigens beider Geschlechter – führt, indem die Menschen nach gefühlten oder tatsächlichen Geschlechtsmerkmalen eingeteilt werden. Liebe männliche und weibliche Bürger ist nun einmal von liebe farbige und weiße Bürger nicht weit entfernt.

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  • Quelle: Thomas Beier | Foto: © Görlitzer Anzeiger
  • Erstellt am 14.07.2020 - 14:42Uhr | Zuletzt geändert am 03.07.2021 - 10:47Uhr
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