Einmal Bochum - Görlitz und nicht zurück

Görlitz, 11. September 2015. Von Thomas Beier. Komisch, wenn Typen wie Che Guevara mit der Knarre durch die Gegend ziehen und in abgelegenen Dörfern die Weltrevolution durchballern, dann gucken die Linken immer ganz romantisch verklärt, genau wie auf manchen Diktator der Weltgeschichte. Das besagt aber nur, dass die linke Idee genau so wenig widerspruchsfrei ist wie das Leben an sich (und so viele Alternativen, falls man sich politsch positionieren will, gibt es ja nun auch wieder nicht). Ein Erfahrungsträger im Umgang mit Diktatoren ist Randolph Braumann, bekannt auch als Kongo-Randy, weniger als Friedhelm Braumann.

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Chemnitz liest in Görlitz über Braumann

Thema: Lesebühnen

Lesebühnen

Lesebühnen sind in Görlitz fester Kulturbestandteil - teils musikalisch unterlegt, teils mit Autoren von vor Ort, teils mit weitgereisten Schreib- und Lesenden.

Dieser Randy Braumann hat einen langen Weg genommen seit seiner Geburt 1934 in Bochum (richtig tief im Westen, da wo die Sonne versinkt) bis zu seiner Ankunft in Görlitz, wo die Sonne aufgeht und man es eh etwas mehr als anderswo mit der Morgenröthe hat. Braumann ist der lebende Beweis dafür, dass man in Görlitz ankommen kann, wenn man entdeckt, dass die Stadt ihre Besonderheit weniger in Fassaden und erstorbener Pracht, sondern in Menschen hat, wie es Braumann in seiner Liebeserklärung an Görlitz entzückend zum Ausdruck bringt.

So richtig kommt der gestandene - nicht gefallene - Kriegsberichterstatter Braumann in Görlitz nicht zur Ruhe und das ist auch gut so: Zu spannend sind seine Erzählungen, die an die Nachrichten aus Kindheitstagen erinnern. Da tauchen die Namen wieder auf, die einst die Meldungen bestimmten: Idi Amin, Haile Selassie, Mobutu Sese Seko, Saddam Hussein, Muammar al-Gaddafi. Braumann war vorn, wenn es knallte, im Jom-Kippur-Krieg, in Vietnam, in Angola, am Golf. Es sind die verlorenen Träume, die immer wieder faszinieren.

Faszinierend, faszinierend, scheint sich auch das linke Landtagsschwergewicht Mirko Schultze aus Görlitz gedacht zu haben und deshalb zu einer Autorenlesung eingeladen. Der Autor ist Peter Chemnitz, seines Zeichens Diplom-Journalist. Sein Buch heißt "Ach los, Scheiß der Hund drauf! Das Leben des Stern Kriegsreporters Randolph Braumann". Chemnitz hat Braumann zugehört und markante Punkte seiner Lebensreise aufgeschrieben, den Kriegsirrsinn, den Irrsinn der Politik, die Begegnungen mit den großen Führern, oft so grotesk, dass man nur noch Lachen kann und muss.

Wenn Braumann auf Kriegsreportagetour war, trieb es ihn nicht in die Pressekonferenzen der Generalität, sondern zur kämpfenden Truppe. Mehrmals kam er nur haarscharf mit dem Leben davon, einmal war er bereits offiziell für tot erklärt.

Wie Journalisten manchmal selbst ein wenig ins Geschehen eingreifen, lebenslange Feindschaften und die wenigen echten Freundschaften, Lüge und Verrat, Freiheit und Mut - Braumann steht für einen Journalismus, der sich noch nicht der Turbo-Nachrichtenproduktion untergeordnet hat.

Prädikat: Unbedingt hingehen!
Donnerstag, 17. September 2015, 18.30 Uhr,
Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz, Foyer.
Eintritt frei. Beim Austritt bitte nicht vergessen, die Freiheit wieder mitzunehmen.
Auf facebook zusagen kann man auch schon, das erleichtert den Veranstaltern die Planung.

Kaufen!
Ach los, Scheiß der Hund drauf!
Das Leben des Stern-Kriegsreporters Randy Braumann.
Von Peter Chemnitz.
Erschienen beim Weltbuch-Verlag, Dresden 2013, ISBN 978-3-938706-43-5.
Bestellung beispielsweise bei Weltbuch oder Amazon.
Bitte vergessen Sie den örtlichen Buchhandel nicht.

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  • Quelle: Thomas Beier | Foto: ArmyAmber / Amber Clay, pixabay, Lizenz CC0 Public Domain
  • Erstellt am 11.09.2015 - 08:37Uhr | Zuletzt geändert am 11.09.2015 - 10:22Uhr
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