BIRIA soll schließen
Neukirch | Dresden, 7. Dezember 2006. Das BIRIA-Fahrradwerk in Neukirch, Arbeitgeber für 250 Menschen, soll zum Jahresende durch den Eigentümer, den US-amerikanischen Lone Star Funds, geschlossen werden.
250 Mitarbeiter von Arbeitslosigkeit bedroht
Vor einem Jahr hatte der Vorstandsvorsitzende und Alleinaktionär Mehdi Biria aus Altersgründen die gesamte BIRIA-Gruppe, zu der das Neukircher Werk gehört, an den weltweit tätigen amerikanischen Privat Equity Fonds Lone Star verkauft.
Sachsens Wirtschaftminister Jurk kritisierte die Entscheidung scharf: 250 Menschen und ihren Familien zwei Wochen vor Weihnachten die Existenzgrundlage zu entziehen, sei einfach unmenschlich, und setzt dazu: "So kann man nur vorgehen, wenn man keinerlei Beziehungen zur Region und ihren Menschen hat." Er sprach von einer klaren "Heuschrecken-Entscheidung: kahl fressen und weiterziehen". Nur das Geld habe Wert.
Der Freistaat hatte das Unternehmen maßgeblich unterstützt, um die Arbeitsplätze in der Region zu erhalten. "Ohne auch nur das Gespräch mit uns zu suchen, hat der US-amerikanische Lone Star Funds knallhart nahezu über Nacht seine Entscheidung durchgezogen", empörte sich der Minister und sagte: "Das ist unanständig."
Jurk hat sich heute Vormittag sofort mit dem Geschäftsführer und dem Betriebsrat in Verbindung gesetzt und seine Unterstützung angeboten. Sein Eindruck: "In Neukirch ist man verständlicher Weise erst mal geschockt, wird aber nun prüfen, welche Möglichkeiten es gibt, Arbeitsplätze am Standort zu halten."
Kommentar:
Tatsächlich eine harte Entscheidung für die Menschen in Neukirch und Umgebung. Und tatsächlich ärgerlich, wenn Staatsgelder in die Wirtschaft fließen, um Arbeitsplätze zu erhalten oder zu schaffen, und dies wenige Jahre später bei wirtschaftlichen Entscheidungen keinerlei Rolle mehr spielt.
Aber gleich eine "Heuschrecken-Debatte" loszutreten grenzt an Populismus. Verdienen doch auch deutsche Großbanken mit Private Equity ihr Geld, viele Anleger investieren in Fonds und die Fonds investieren auch in Mitteldeutschland.
Es heißt also genauer hinzuschauen, warum das Werk geschlossen werden soll und vor allem, welche Möglichkeiten zum Erhalt des Standortes es gibt.
Die im Osten Deutschlands erstrittene Einführung des Kapitalismus hat zum Glück in ganz Deutschland eine ausgeprägte soziale Komponente: Keiner, der heute seine Arbeit verliert, muss hungern oder frieren. Davon träumen Arbeitnehmer in anderen - auch entwickelten - Ländern. Nur die Kluft zwischen denen ohne Zugang zum Arbeitsmarkt und denen, die in tarifvertraglich gesicherten Strukturen arbeiten, wird immer größer und spaltet die Gesellschaft auf gefährliche Weise. Dazwischen taumeln jene, die ihr Auskommen mit Minijobs und im Niedriglohnbereich aufbessern.
Hier sind findige Köpfe gefragt, nicht nur in der Regierung,
meint Ihr Fritz Stänker
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- Quelle: red
- Erstellt am 07.12.2006 - 14:54Uhr | Zuletzt geändert am 06.05.2022 - 14:48Uhr
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